Sell in May 2026: Warum der DAX trotzt und was Privatanleger jetzt tun sollten

Dirk Müller Börsenmakler an der Frankfurter Börse beim Aktienhandel

Photo : Dontworry / Lady Whistler / Wikimedia

Julia Julia RichterVermögensberatung
4 Min. Lesezeit 22. Mai 2026

Sell in May 2026: Die Börsenregel trotzt dem Markt — was Privatanleger jetzt beachten müssen

„Sell in May and go away" – diese alte Börsenregel besagt, dass Aktien in den Sommermonaten schwächer abschneiden als im Rest des Jahres. Doch 2026 trotzen die Märkte dieser Faustregel. Der DAX hält sich stabil, KI-Aktien aus den USA haben im ersten Quartal 2026 kräftig zugelegt, und selbst BÖRSE ONLINE schreibt von einem überraschend robusten Mai. Was steckt hinter diesem Paradox – und was sollten deutsche Privatanleger jetzt konkret tun?

Die Fakten zum Markt im Mai 2026

Das erste Quartal 2026 war für Anleger in Tech- und KI-Werten außergewöhnlich stark. US-Konzerne wie Alphabet, Apple, Broadcom und NVIDIA übertrafen die Gewinnerwartungen deutlich. Das Ergebnis: Die KI-Fantasie kehrte mit voller Kraft an die Börsen zurück.

Gleichzeitig zeigt die deutsche Wirtschaft erste Risse: Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose für 2026 von 1,0 auf 0,5 Prozent halbiert, wie das Bundeswirtschaftsministerium am 15. Mai 2026 bekannt gab. Der US-Dollar hat gegenüber dem Euro an Stärke gewonnen, was Exporteure belastet. Der Silberpreis brach im Mai um bis zu 17 Prozent ein – ein Zeichen, dass Rohstoffinvestoren nervös werden.

Trotzdem hält sich der DAX. Warum? Weil die großen deutschen Banken – Commerzbank und Deutsche Bank – stark abschneiden. Und weil europäische Rüstungsaktien seit Jahresbeginn von steigenden Verteidigungsbudgets profitieren.

Sell in May – Realität oder Mythos?

Statistische Auswertungen über mehrere Jahrzehnte zeigen: Die Börsenrenditen von Mai bis Oktober sind im historischen Schnitt tatsächlich schwächer als von November bis April. Laut einer Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) lagen die durchschnittlichen DAX-Renditen in den Sommermonaten seit 2000 rund 3 Prozentpunkte unter denen der Wintermonate.

Allerdings ist diese Regel kein Naturgesetz. 2024 brach der DAX das Muster mit einem Sommeranstieg von über 8 Prozent. 2023 ebenso. Und 2026 deutet bisher darauf hin, dass strukturelle Treiber wie KI-Gewinne und europäische Verteidigungsausgaben die saisonale Schwäche überlagern könnten.

Was bedeutet das für Anleger? Die Sell-in-May-Regel ist keine Handlungsanweisung, sondern ein statistisches Muster. Wer blind aussteigt, verpasst möglicherweise Kursgewinne. Wer blind bleibt, unterschätzt die echte Volatilität, die der Sommer bringen kann.

Wo liegen die größten Risiken jetzt?

Deutsche Privatanleger sollten im Mai 2026 besonders auf drei Faktoren achten:

1. US-Zölle und Konjunkturabkühlung in Europa. Die US-Importzölle auf EU-Waren liegen inzwischen bei durchschnittlich 15 Prozent. Das bremst deutsche Exportwerte wie Volkswagen, BASF und Siemens. Wer diese Aktien übergewichtet hält, trägt ein erhöhtes zyklisches Risiko.

2. Klumpenrisiken in Tech und KI. Die KI-Euphorie hat viele Depots einseitig in Richtung US-Tech und KI-Infrastruktur verschoben. Wenn Zinserwartungen steigen oder Regulierungsrisiken zunehmen, können diese Positionen schnell drehen.

3. Währungsrisiken bei Dollar-Investments. Wer viel in US-Aktien investiert ist, profitiert aktuell vom starken Dollar. Dreht der Trend – zum Beispiel bei einer US-Rezession oder einer Zinssenkung der Fed – entsteht ein Doppelverlust: sinkende Kurse und ein schwächerer Dollar.

Was erfahrene Vermögensberater jetzt empfehlen

Ein unabhängiger Vermögensberater würde Ihnen in dieser Situation drei konkrete Maßnahmen empfehlen:

Rebalancing prüfen. Wenn Tech-Positionen durch die starken Quartalsgewinne überproportional gewachsen sind, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, das Depot neu auszurichten. Rebalancing bedeutet nicht Aussteigen – es bedeutet, Gewinne in unterbewertete Sektoren umzuschichten.

Dividendenstrategien einbeziehen. In volatilen Phasen bieten Dividendenaktien aus defensiven Sektoren – Versorger, Gesundheit, Konsumgüter – eine stabilisierende Wirkung. Die Ausschüttung läuft unabhängig von der Kursperformance.

Kosten im Depot überprüfen. Laut der europäischen Finanzmarktaufsicht ESMA verlieren deutsche Privatanleger im Schnitt 2,4 Prozent Rendite pro Jahr durch zu hohe Gebühren auf aktiv gemanagte Fonds. In einem Umfeld mit moderaten Marktrenditen frisst das einen erheblichen Teil der Gewinne.

Wenn Sie noch keinen unabhängigen Berater haben, lohnt sich der Blick auf Plattformen wie ExpertZoom: Dort finden Sie zertifizierte Finanzberater ohne Bankbindung, die Ihr Portfolio analysieren und optimieren können.

Die fünf häufigsten Fehler, die Anleger im Mai machen

  1. Alles verkaufen, weil „Sell in May" gilt. Das erzeugt Transaktionskosten und Steuern – und oft Kursverluste beim Wiedereinstieg im Herbst.

  2. Nichts tun, obwohl das Portfolio aus dem Gleichgewicht geraten ist. Wachstumsstarke Positionen können ohne Rebalancing schnell zu Klumpenrisiken werden.

  3. Auf Tipps aus sozialen Medien vertrauen. Finanzinfluencer propagieren häufig Produkte mit hoher Provision. Unabhängige Beratung ist nicht auf Produktverkauf ausgerichtet.

  4. Kurzfristige Volatilität mit einem Verlust verwechseln. Ein Kursrückgang von 10 Prozent ist kein Verlust – es sei denn, Sie verkaufen.

  5. Steuerliche Aspekte ignorieren. Wer Gewinne realisiert, zahlt Abgeltungssteuer. Verluste können gezielt realisiert werden, um die Steuerlast zu reduzieren – das nennt sich Tax-Loss-Harvesting.

Was Sie jetzt konkret tun können

Die Sommervolatilität kommt – auch wenn der Zeitpunkt und das Ausmaß ungewiss sind. Nutzen Sie die aktuelle Stabilität, um Ihr Portfolio zu prüfen: Wo liegen Übergewichte? Wo fehlt Diversifikation? Und: Zahlen Sie zu viel für Fonds oder Beratung?

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Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen sind mit Risiken verbunden. Konsultieren Sie einen zugelassenen Finanzberater.

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