Vom 20. bis 22. März 2026 schlägt das Mekka des Dartsports in Wieze, Belgien, Alarm: Die Lecot Belgian Darts Open 2026 locken 48 Profis auf die Bühne — und Millionen Freizeitspieler an die Oche. Was viele nicht wissen: Darts ist kein risikofreier Zeitvertreib. Der Wurfarm leidet still.
Belgian Darts Open 2026: Martin Schindler glänzt, Deutschland schaut zu
Das dritte Event der PDC European Tour 2026 findet in der Oktoberhallen Wieze statt und wird live auf DAZN übertragen — für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Mit einem Preisgeld von 230.000 Pfund (35.000 an den Sieger) ist es eines der attraktivsten Turniere der Saison.
Besonders verfolgt wird das Turnier in Deutschland wegen Martin Schindlers starker Leistung: Der 28-jährige Profi aus Strausberg holte sich am 20. März seinen ersten European-Tour-Sieg der Saison 2026 mit einem überzeugenden 6:3 gegen William O'Connor und einem Drei-Pfeil-Schnitt von über 97 Punkten. Kim Huybrechts (Belgien) begeisterte derweil mit einem Schnitt von 101,76 — und spitzte damit das Interesse an den eigentlichen Risiken des Sports.
Darts: Der Sport, der aussieht wie Entspannung — und Verletzungen versteckt
Auf den ersten Blick wirkt Darts harmlos. Kein Körperkontakt, keine explosive Bewegung, keine Laufarbeit. Doch genau diese Wahrnehmung ist trügerisch. "Das Schulter-Ellenbogen-Handgelenk-System eines Dartspielers ist einer chronischen Überlastung ausgesetzt, besonders bei Freizeitspielern, die ihre Technik nie professionell erlernt haben", erklärt Sportmediziner Dr. Florian Metz in einem Beitrag für das Fachmagazin Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin (Ausgabe Januar 2026).
Die häufigsten Verletzungen unter Hobbyspielern:
- Tennisellenbogen (Epicondylitis lateralis): Überlastung der Streckmuskulatur am Unterarm durch den repetitiven Wurfrhythmus
- Sehnenscheidenentzündung im Handgelenk: Besonders bei Spielern, die täglich mehr als 60 Minuten werfen
- Schulterimpingement: Einengung von Weichteilstrukturen im Schultergelenk bei suboptimaler Wurfbewegung
- Nacken- und Rückenschmerzen: Durch das dauerhafte Stehen in einer leicht rotierenden Körperhaltung
Laut einer Erhebung des Deutschen Dartverbandes (DDV) aus dem Jahr 2025 spielen bundesweit über 400.000 Menschen regelmäßig Darts — davon suchen jährlich schätzungsweise 15 bis 20 % aufgrund von Überlastungsbeschwerden ärztliche Hilfe.
Wann wird aus Muskelkater ein Fall für den Sportarzt?
Ein leichtes Ziehen im Unterarm nach einer intensiven Spielsession ist normal. Gefährlich wird es, wenn die Schmerzen persistieren — das heißt: mehr als drei bis fünf Tage anhalten, auch in Ruhephasen auftreten oder sich durch Wärme und Dehnen nicht bessern.
Die Warnsignale:
- Schmerzen beim Greifen alltäglicher Gegenstände (Tasse, Türgriff)
- Schwellung oder sichtbare Rötung am Ellenbogen oder Handgelenk
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Fingern
- Schmerzen, die sich beim Spielen schrittweise verstärken
In diesen Fällen empfiehlt sich die Konsultation eines Sportmediziners. Eine gezielte Ultraschalluntersuchung kann Sehnenschäden frühzeitig sichtbar machen — bevor eine chronische Erkrankung entsteht, die monatelange Pause erfordert.
Was Profis tun — und Freizeitspieler oft vergessen
Dartsprofi Luke Littler, der im vergangenen Jahr die Belgian Darts Open gewann, trainiert täglich mehrere Stunden — immer mit Aufwärmprogramm, gezielten Dehnübungen für Schulter und Unterarm sowie regelmäßiger physiotherapeutischer Betreuung. Für Freizeitspieler ist dieser Aufwand natürlich übertrieben. Aber einige Grundprinzipien lassen sich leicht übernehmen:
- 5 Minuten Aufwärmen vor dem ersten Wurf: Kreisen der Schulter, Dehnen des Unterarms, Öffnen und Schließen der Faust
- Wurfpausen einhalten: Nach 45 Minuten eine Pause von mindestens 10 Minuten
- Technikcheck: Einmal im Jahr beim Trainer oder Physiotherapeuten auf fehlerhafte Bewegungsmuster prüfen lassen
- Ergonomie der Oche: Die Standhöhe und der Abstand zur Scheibe sollten zur Körpergröße passen — ein häufig unterschätzter Faktor
Darts-Boom in Deutschland: mehr Spieler, mehr Verletzungen
Die Popularität von Darts in Deutschland wächst rasant. Seit der PDC European Tour regelmäßig auf DAZN läuft und Spieler wie Martin Schindler als Identifikationsfiguren etabliert sind, hat sich die Zahl der Dart-Ligen und Hobbyvereine laut DDV seit 2022 um rund 35 % erhöht.
Dieser Boom hat eine Kehrseite: Mehr Spieler ohne Ausbildung bedeuten mehr Überlastungsverletzungen. "Wir sehen in unserer Praxis seit zwei Jahren einen klaren Anstieg von Dartspielern mit Epicondylitis", berichtet Sportmedizinerin Dr. Katrin Vogel aus München in einem Interview für Sport & Fitness (Februar 2026).
Ein frühzeitiger Besuch beim Sportmediziner kann nicht nur Schmerzen lindern — er kann die Freude am Spiel erhalten. Wer auf den nächsten Schritt wartet, riskiert, wochenlang nicht werfen zu können.
Die richtige Ausrüstung macht den Unterschied
Viele Verletzungen entstehen nicht nur durch falsches Training, sondern durch ungeeignetes Equipment. Das Gewicht eines Dartpfeils hat direkten Einfluss auf die Belastung des Handgelenks: Zu schwere Pfeile (über 26 Gramm) erhöhen das Risiko einer Sehnenscheidenentzündung, da der Werfende unbewusst mehr Kraft einsetzt. Zu leichte Pfeile (unter 16 Gramm) können zu einer Überspannung der Schultermuskulatur führen.
Die Deutsche Dartverbands-Empfehlung für Hobbyeinsteiger liegt zwischen 20 und 24 Gramm. Ebenso wichtig: die Länge des Flights — also der Flügel hinten am Pfeil. Ein zu kurzer Flight kann die Flugbahn destabilisieren und den Wurf erzwingen, was die Gelenkbelastung erhöht.
Wer also regelmäßig wirft und Beschwerden bemerkt, sollte auch das Equipment überprüfen lassen — am besten in einem Dart-Fachgeschäft oder in Absprache mit einem Physiotherapeuten, der die Wurfbewegung analysieren kann.
Wann zum Sportarzt — und was Sie erwartet
Ein Termin beim Sportmediziner ist kein Eingeständnis einer Niederlage. Es ist eine Investition in die Spielbarkeit. Beim ersten Besuch nimmt der Arzt eine genaue Anamnese vor: Wie lange spielen Sie? Wie intensiv? Wann treten die Schmerzen auf? Was bessert oder verschlimmert sie?
Je nach Befund kommen folgende Untersuchungen in Betracht:
- Klinische Untersuchung der Muskel- und Sehnenstrukturen durch gezielte Druckpunkttests
- Sonographie (Ultraschall) zur Darstellung von Sehnenschäden oder Schleimbeutelentzündungen
- Röntgen bei Verdacht auf Knochenveränderungen oder Kalkablagerungen
- MRT in komplexen Fällen zur genauen Darstellung der Weichteilstrukturen
Die gute Nachricht: Die meisten Überlastungsverletzungen beim Darts sind konservativ behandelbar — mit Physiotherapie, Stoßwellentherapie, gezielten Dehnprogrammen und einer temporären Anpassung des Trainingsvolumens.
Wenn Sie unter anhaltenden Beschwerden im Arm, der Schulter oder dem Handgelenk leiden: Ein Sportmediziner kann per Online-Konsultation bereits erste Hinweise geben, ob und wie dringend eine Untersuchung nötig ist. Auf Expert Zoom finden Sie Sportmediziner mit Erfahrung in Überlastungssyndromen — auch kurzfristig und ohne lange Wartezeiten.

