BASF, Siemens, Deutsche Bank: Zollkrise trifft DAX — was Anleger jetzt wissen müssen

Vermögensberater analysiert DAX-Kursentwicklung in Frankfurter Büro
Julia Julia RichterVermögensberatung
4 Min. Lesezeit 7. April 2026

Der DAX hat in der ersten Aprilwoche 2026 deutlich nachgegeben. BASF verlor rund 2 Prozent, Deutsche Bank korrigierte um 3,6 Prozent, und selbst Siemens — einer der wenigen Lichtblicke — bewegte sich in einem von Unsicherheit geprägten Marktumfeld. Auslöser ist die eskalierte Zollkrise: Die US-Regierung hat neue Einfuhrzölle auf Chemikalien, Industriemaschinen und Konsumgüter angekündigt, die Deutschlands exportorientierte Wirtschaft besonders hart treffen. Was müssen Anleger jetzt wissen?

Warum der DAX Besonders Verwundbar Ist

Deutschland ist die exportabhängigste große Volkswirtschaft der Welt. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) gehen über 70 Prozent der deutschen Industrieproduktion in den Export — ein Anteil, den kaum eine andere G7-Volkswirtschaft annähernd erreicht.

Das macht den DAX strukturell sensibler für Handelsstreitigkeiten als etwa den französischen CAC 40 oder den britischen FTSE 100. Wenn US-Zölle chinesische Zwischenprodukte verteuern, steigen die Produktionskosten bei BASF (Chemikalien), Infineon (Halbleiter) und Continental (Automobilzulieferer) — allesamt DAX-Schwergewichte.

Die Bank of America erwartet für 2026 zwei bis drei Konsolidierungsphasen im DAX mit einem VDAX-Wert über 20, ausgelöst durch politische Schocks aus Washington. Anleger, die ausschließlich auf deutsche Einzeltitel gesetzt haben, stehen vor einer herausfordernden Phase.

BASF: Kauf auf Dip oder Warnzeichen?

Die Deutsche Bank hat ihr Kursziel für BASF im April 2026 auf 55 Euro angehoben und die Aktie auf „Kaufen" hochgestuft. Gleichzeitig notiert BASF bei rund 46,89 Euro — also deutlich unterhalb des Kursziels. Das klingt nach einer Kaufgelegenheit.

Aber Vorsicht: Analystenkursziele spiegeln Modellannahmen wider, die von der Realität abweichen können. BASF ist stark exponiert gegenüber dem petrochemischen Markt, der durch Überkapazitäten in China und fallende Öl- und Gaspreise unter Druck steht. Die Zollkrise kommt zu einem bereits schwierigen operativen Umfeld hinzu.

Ein Vermögensberater würde hier zunächst fragen: Wie groß ist Ihre aktuelle BASF-Position im Verhältnis zum Gesamtportfolio? Klumpenrisiken in einem einzelnen Sektor sind in volatilen Phasen besonders gefährlich.

Was Anleger Jetzt Konkret Prüfen Sollten

1. Sektorkonzentration analysieren

Viele deutsche Privatanleger halten überproportional viele deutsche Aktien — aus Heimatverbundenheit oder weil Inlandsaktien steuerlich einfacher zu handhaben erscheinen. Die Zollkrise zeigt, dass ein zu hoher Deutschland-Anteil im Portfolio ein echtes Risiko darstellt. Laut Handelsblatt erhöhen 86 Prozent der institutionellen Anleger in Deutschland ihre Allokation in Private Markets, während 47 Prozent zusätzlich in Wachstum und Venture Capital investieren — eine Diversifikation, die Privatanleger mit kleinerem Budget durch global investierende ETFs nachbilden können.

2. ETF-Umschichtung als kostengünstige Absicherung

Für Anleger, die ihr DAX-Exposure reduzieren wollen, ohne einzelne Positionen mit Verlust zu verkaufen, bieten sich global diversifizierende Indexfonds an: iShares MSCI World (ISIN: IE00B4L5Y983), Xtrackers MSCI Emerging Markets (ISIN: IE00BTJRMP35) oder Xetra Gold (ISIN: DE000A0S9GB0) als inflationsschützende Beimischung.

3. Anleiheanteil überprüfen

Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen in der ersten Jahreshälfte 2026 auf unter 2 Prozent gesenkt. Kurzlaufende Bundesanleihen bieten derzeit noch positive Realrenditen und reduzieren die Volatilität im Gesamtportfolio — besonders wichtig für Anleger, die innerhalb der nächsten fünf Jahre auf Teile des Kapitals angewiesen sind.

Die Psychologie Der Krise: Nicht Überreagieren

Die größten Fehler bei Marktkorrekturen passieren nicht durch Untätigkeit, sondern durch Panikverkäufe im falschen Moment. Die Geschichte der deutschen Nachkriegsfinanzwirtschaft zeigt: Anleger, die in den Dax-Krisen von 2001, 2008, 2011 und 2020 investiert geblieben sind, haben sich in jedem Fall erholt — und bei manchen Korrekturen sogar nachgekauft.

Das bedeutet nicht, dass jetzt Nichtstun die richtige Strategie ist. Es bedeutet, dass Entscheidungen auf Basis eines klaren Plans getroffen werden sollten — nicht auf Basis von Schlagzeilen.

Dividenden als Puffer: Welche DAX-Titel Zahlen Noch?

Inmitten der Kurskorrektur lohnt sich ein Blick auf Dividendenrenditen. Deutsche Telekom hat im April 2026 eine Rekord-Dividende ausgeschüttet. Unternehmen mit stabilen Cashflows und langer Dividendenhistorie — wie Munich Re, Allianz oder BASF in normalen Marktphasen — bieten Anlegern einen teilweisen Ausgleich für Kursverluste.

Ein wichtiger Hinweis: Hohe Dividendenrenditen können auch ein Warnsignal sein. Wenn der Kurs stark gefallen ist, steigt die prozentuale Rendite optisch an — ohne dass das Unternehmen mehr zahlt. Prüfen Sie vor einem Kauf daher immer die absolute Dividende pro Aktie und die Ausschüttungsquote im Verhältnis zum Gewinn.

Wann Ein Gespräch Mit Einem Vermögensberater Sinnvoll Ist

Nicht jede Marktkorrektur erfordert professionelle Beratung. Aber es gibt Situationen, in denen ein Gespräch mit einem unabhängigen Vermögensberater sich deutlich auszahlt:

  • Sie halten mehr als 30 Prozent Ihres investierten Vermögens in deutschen Einzelaktien
  • Sie stehen kurz vor dem Rentenalter und fragen sich, ob Sie Ihr Portfolio defensiver aufstellen sollten
  • Sie haben Aktienoptionen oder Mitarbeiterbeteiligungen aus dem Arbeitgeber und wissen nicht, wie Sie diese im Gesamtportfolio bewerten sollen
  • Sie haben bei der letzten Korrektur verkauft und sich hinterher geärgert — und wollen künftig eine strukturiertere Strategie

Ein guter Vermögensberater bietet keine Prognosen — das kann niemand verlässlich. Er hilft Ihnen, eine Asset-Allocation zu entwickeln, die zu Ihrem Anlagehorizont, Ihrer Risikobereitschaft und Ihren Lebenszielen passt. In einem Marktumfeld, das von politischen Entscheidungen in Washington abhängt, ist diese strukturelle Klarheit wertvoller als jede Einzelaktienanalyse.

Die Zollkrise 2026 wird nicht die letzte wirtschaftliche Erschütterung sein. Wer sein Portfolio mit einem klaren Plan durch diese Phase führt, ist für die nächste Krise besser gerüstet.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar. Für personalisierte Empfehlungen wenden Sie sich an einen zugelassenen Vermögensberater.

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