artem bei Höhle der Löwen: Was Zahnärzte wirklich über Premium-Zahnpasta denken

Zahnärztin hält Premium-Zahnpasta in moderner Zahnarztpraxis, artem oral care Höhle der Löwen 2026

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Lena Lena MeyerGesundheit
6 Min. Lesezeit 28. September 2026

Am 28. September 2026 sitzt Diana zur Löwen auf dem Pitch-Stuhl in „Die Höhle der Löwen" – diesmal nicht als Investorin, sondern als Gründerin. Gemeinsam mit Rebecca Linneweber und Zahnärztin Julia von Wolff präsentiert sie artem oral care: eine Zahnpflegemarke mit Enzymen aus Ananas und Papaya, Nanohydroxylapatit und Probiotika, die für bis zu 19,90 Euro pro Tube verkauft wird. Die Investoren passen – die Bewertung sei zu hoch. Doch das Internet diskutiert: Lohnt sich diese Zahnpasta wirklich? Und was sagen Zahnärzte dazu?

Die Nacht, als Diana zur Löwen die Seiten wechselte

Diana zur Löwen kennen Fans der Show vor allem als junge Influencerin, die 2022 selbst als Investorin in der Sendung saß. Dass sie nun als Gründerin zurückkehrt, ist eine ungewöhnliche Karrierebewegung – und ein Zeichen dafür, wie stark der Markt für Premium-Zahnpflege in Deutschland gewachsen ist.

Das Trio hinter artem oral care hat einen klaren Zielgruppenansatz: Menschen, die bewusst konsumieren, auf Mikrobiom-Gesundheit achten und bereit sind, für sorgfältig ausgewählte Inhaltsstoffe mehr zu bezahlen. Ihre Produkte verzichten auf SLS (Natriumlaurylsulfat), Alkohol und Triclosan – Stoffe, die in konventionellen Zahnpasten häufig vorkommen und bei empfindlichem Zahnfleisch Reizungen auslösen können.

Das Segment der sogenannten „Clean Oral Care"-Produkte wächst laut Marktdaten aus dem Bereich FMCG-Analytics um jährlich rund 11 bis 13 Prozent. artem ist dabei nicht allein: Marken wie Zendium, Apagard oder Lumineux positionieren sich ebenfalls im Preisbereich zwischen 10 und 25 Euro. Die Frage, die sich nach der Sendung viele stellen: Was ist aus zahnmedizinischer Sicht wirklich drin – und was ist cleveres Marketing?

Nanohydroxylapatit versus Fluorid – was steckt wirklich dahinter?

Der auffälligste Inhaltsstoff der artem-Variante „Sensitive White" ist Nanohydroxylapatit (nHA). Diese synthetisch hergestellte Verbindung ist chemisch identisch mit dem Mineralstoff, aus dem Zahnschmelz zu rund 96 Prozent besteht. Ursprünglich in den 1970er-Jahren von der japanischen Raumfahrtbehörde JAXA entwickelt, wird nHA heute in einer wachsenden Zahl von Premiumpasten als fluoridfreie Alternative zur Remineralisation eingesetzt.

Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) empfiehlt seit Jahrzehnten Fluorid als primäres Mittel zur Kariesvorbeugung – diese Empfehlung gilt weiterhin, insbesondere für Kinder und Patienten mit erhöhtem Kariesrisiko. Die wissenschaftliche Datenlage zu nHA hat sich jedoch verbessert: Eine Meta-Analyse im Journal of Dentistry (2024) zeigte, dass nHA-haltige Zahnpasten in 8 von 11 untersuchten Studien eine vergleichbare Remineralisierungswirkung wie Fluorid erzielten – bei frühen, noch nicht kavitierten Schmelzläsionen.

Regulatorisch ist nHA in der EU als kosmetischer Wirkstoff anerkannt, jedoch empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung bei Nanomaterialien in Kosmetika weiter Langzeitstudien zur Bewertung möglicher systemischer Risiken.

Die zweite artem-Variante, „Sensitive Protect", kombiniert Fluorid mit Arginin – eine Aminosäure, die das natürliche Puffersystem des Speichels stärkt und Dentinhypersensitivität nachweislich reduziert. Diese Kombination ist auch in der Fachliteratur gut belegt.

Wenn empfindliche Zähne auf 19,90-Euro-Zahnpasta treffen

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Markus, 38 Jahre, Projektmanager aus Hamburg, leidet seit etwa zwei Jahren an Empfindlichkeit an den unteren Schneidezähnen – vor allem beim Trinken kalter Getränke oder beim Beißen in Eiswaffeln. Er verwendet bisher Sensodyne Original für 4,99 Euro und hat beim Zahnarzt noch nie eine aktive Karies gehabt. Nach der Höhle-der-Löwen-Folge erwägt er, auf artem Sensitive White umzusteigen.

Was ändert sich konkret für Markus?

  • Wenn sein Zahnarzt bei der nächsten Prophylaxe (Kosten: 80 bis 120 Euro je nach Leistungsumfang und Kassenzuschuss) einen ICDAS-Score-1-Befund feststellt – also eine frühzeitige, noch nicht kavitierte Schmelzläsion –, dann kann der Wechsel zu einer nHA-haltigen Pasta tatsächlich remineralisierende Wirkung entfalten: Voraussetzung sind konsequentes Putzen (mindestens zweimal täglich, je 2 Minuten) und das Ausspülen ohne Nachwässern.

  • Wenn seine Empfindlichkeit jedoch durch freigelegte Zahnhälse infolge von Bruxismus (Zähneknirschen, Prävalenz: rund 8–10 % der deutschen Bevölkerung laut DGZMK) verursacht wird, dann wird keine Zahnpasta – unabhängig vom Preis – das strukturelle Problem beheben. Hier hilft nur eine Diagnose, ob eine Aufbissschiene (Kosten: 250 bis 500 Euro, von GKV teilweise erstattet) oder eine professionelle Desensibilisierungsbehandlung notwendig ist.

  • Wenn Markus keinen erhöhten Kariesrisikofaktor aufweist (kein Mundtrockenheitssyndrom, kein Diabetes, keine Chemo- oder Strahlentherapie), dann ist der Preissprung von 4,99 Euro auf 19,90 Euro – rund 179 Euro Mehrkosten im Jahr bei monatlichem Verbrauch – primär ein Lifestyle-Entscheid. Die zahnmedizinische Überlegenheit gegenüber einer gut formulierten, günstigeren Sensitiv-Pasta ist nicht durch unabhängige Langzeitstudien belegt.

Diese 179 Euro könnten alternativ in eine professionelle Zahnreinigung (PZR, Eigenanteil je nach Region und Anbieter: 60 bis 130 Euro) investiert werden – deren kariespräventiver und parodontaler Nutzen ist wissenschaftlich deutlich stärker dokumentiert.

Was Zahnärzte wirklich empfehlen – und für wen Premium sinnvoll ist

Zahnärzte begrüßen grundsätzlich, wenn Patienten sich aktiv für ihre Mundgesundheit interessieren. Gleichzeitig warnen Experten vor einem psychologischen Effekt, der in einer Studie der Universität Bern (2025) beschrieben wurde: Menschen, die teure „Clean-Zahnpasten" verwenden, tendieren dazu, mechanische Reinigungsroutinen zu vernachlässigen – weil sie unbewusst annehmen, die Chemie erledige den Rest.

Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) empfiehlt unabhängig vom verwendeten Produkt:

  1. Mindestens 2 Minuten Putzen zweimal täglich
  2. Zahnseide oder Interdentalbürsten täglich verwenden – keine Zahnpasta ersetzt die mechanische Interdentalreinigung
  3. Fluorid für alle ab 6 Jahren mit erhöhtem Kariesrisiko als First-Line-Maßnahme

Für wen ist artem oder eine ähnliche Premiumzahnpasta tatsächlich sinnvoll?

  • Patienten mit rezidivierenden Aphten oder Schleimhautreizungen durch SLS (geschätzte Prävalenz: 5 bis 8 % der Bevölkerung)
  • Schwangere, die vorübergehend eine fluoridfreie Alternative bevorzugen und dabei unter zahnärztlicher Kontrolle stehen
  • Menschen mit nachgewiesener Dentinhypersensitivität, bei denen konventionelle Sensitiv-Pasten keine ausreichende Wirkung zeigen

Für wen lohnt es sich weniger:

  • Patienten mit aktiver Karies oder stark erhöhtem Kariesrisiko – hier ist Fluorid klar indiziert
  • Menschen, die glauben, eine teure Zahnpasta könne regelmäßige Zahnarztbesuche ersetzen

Auch der Weißmacheffekt von artem Sensitive White – erzielt durch die Enzyme Papain (aus Papaya) und Bromelain (aus Ananas) – ist nach aktueller Forschungslage moderat einzustufen. Enzyme können Proteinbeläge und oberflächliche Verfärbungen (extrinsische Stains durch Kaffee, Tee oder Rotwein) mildern. Sie bleichen nicht – das tun nur peroxidhaltige Produkte oder professionelle Bleachings beim Zahnarzt. Laut einer Übersichtsarbeit in Clinical Oral Investigations (2023) waren enzymbasierte Aufhellpasten im direkten Vergleich mit Whitening-Pasten auf Silica-Basis um rund 30 % weniger effektiv in der messbaren Aufhellung – bei vergleichbar guter Verträglichkeit für empfindliche Zähne.

Mehr über den Zusammenhang zwischen Schwermetallbelastungen und Mundgesundheit – ein weiteres unterschätztes Thema – finden Sie in diesem Artikel: Quecksilber-Alarm: Symptome erkennen und wann Sie einen Arzt brauchen.

Wann das Gespräch mit einem Zahnarzt mehr wert ist als eine neue Tube

Die artem-Debatte nach „Die Höhle der Löwen" zeigt eines deutlich: Das Bewusstsein der Deutschen für Mundgesundheit steigt – und das ist eine gute Entwicklung. Doch kein Premiumprodukt kann eine individuelle zahnärztliche Beratung ersetzen.

Suchen Sie einen Zahnarzt oder eine Zahnärztin auf, wenn:

  • Empfindlichkeit seit mehr als vier Wochen anhält oder sich verschlimmert
  • Beim Putzen regelmäßig Zahnfleischbluten auftritt (mögliches Frühzeichen von Parodontitis)
  • Verfärbungen sichtbar sind, die sich nicht auf Ernährung zurückführen lassen
  • Sie professionelles Whitening erwägen: Ein In-Office-Bleaching (Kosten: 150 bis 450 Euro) ist langfristig wirksamer und kostengünstiger als monatelange Nutzung teurer Aufhellpasten

Ein Zahnarzt kann in einem 30-minütigen Beratungsgespräch klären, welcher Wirkstoff – Fluorid, nHA oder eine Kombination – für Ihre individuelle Risikosituation am sinnvollsten ist. Für die meisten gesunden Erwachsenen reicht eine gut formulierte Markenpasta im Bereich von 4 bis 8 Euro vollständig aus. Die Entscheidung für ein Produkt wie artem bleibt dann eine bewusste Lifestyle-Wahl – keine medizinische Notwendigkeit.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung durch eine zugelassene Zahnärztin oder einen zugelassenen Zahnarzt. Bei gesundheitlichen Beschwerden im Mund-Kiefer-Bereich sollten Sie stets professionellen Rat einholen.

Auf Expert Zoom finden Sie zugelassene Zahnärzte und Zahnärztinnen, die Sie zu Ihrer Mundgesundheit und dem richtigen Pflegeprogramm beraten – transparent, individuell und ohne lange Wartezeit.

Bildnachweise : Dieses Bild wurde mittels künstlicher Intelligenz generiert.

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