Der ehemalige Weltcup-Skispringer Andrea Campregher ist am 20. März 2026 bei einem Testsprung auf der Vikersundabakken in Norwegen schwer gestürzt. Der 35-jährige Italiener, der seit seiner Karriere als Testspringer aktiv ist, überschlug sich in der Luft und blieb regungslos auf der Schanze liegen — er wurde ins Krankenhaus Drammen eingeliefert und befindet sich nach Berichten in stabilem Zustand.
Was bei einem Sturz aus großer Höhe mit dem Körper passiert
Vikersundabakken ist die größte Skiflugschanze der Welt — Springer erreichen hier Weiten von über 250 Metern und Geschwindigkeiten von mehr als 100 km/h. Ein Sturz bei solchen Bedingungen entspricht in der Schwere oft einem Verkehrsunfall bei hoher Geschwindigkeit. Aber auch im Alltag — auf Leitern, beim Sport, im Haushalt — stürzen jedes Jahr Tausende von Menschen in Deutschland.
Die häufigsten Verletzungen nach einem Sturz sind:
- Schädel-Hirn-Trauma (SHT): Selbst ein leichtes SHT kann Konzentrationsstörungen, Schwindel und Gedächtnislücken verursachen, die Wochen anhalten. Campregher zeigte nach dem Sturz zunächst keine Reaktion — ein Warnsignal, das bei jedem Betroffenen sofortigen Handlungsbedarf auslöst.
- Wirbelsäulenverletzungen: Stürze auf den Rücken oder Kopf sind besonders gefährlich. In Deutschland werden jährlich rund 18.000 Personen mit Rückenmarksverletzungen in Kliniken behandelt.
- Frakturen (Schlüsselbein, Schulter, Handgelenk): Bei reflexartigen Abfangbewegungen sind diese Knochen am häufigsten betroffen.
- Innere Verletzungen: Blutungen an Milz, Leber oder Lunge sind von außen nicht sichtbar — und deshalb besonders gefährlich.
Wann sollten Sie nach einem Sturz unbedingt einen Arzt aufsuchen?
Viele Menschen unterschätzen Stürze — besonders, wenn sie zunächst keine Schmerzen spüren. Der Schock und Adrenalin können Schmerzsignale dämpfen. Ärzte empfehlen, nach jedem Sturz aus mehr als der eigenen Körperhöhe — oder nach einem Sturz mit starkem Aufprall — einen Notarzt oder Hausarzt zu konsultieren.
Alarmsymptome, die sofortiges Handeln erfordern:
- Bewusstlosigkeit oder kurzes „Aussetzen" nach dem Sturz
- Starke Kopfschmerzen, Erbrechen oder Verwirrung in den ersten 24 Stunden
- Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Kraftlosigkeit in Armen oder Beinen
- Sichtbare Deformierungen von Gelenken oder Gliedmaßen
- Atemnot oder starke Schmerzen im Bauchbereich
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt: Bei Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma niemals allein gelassen werden, selbst wenn der Verunfallte „sich gut fühlt". Die ersten 6 Stunden nach einem Kopfsturz sind kritisch.
Was Testspringer wie Campregher besonders gefährdet
Testspringer haben eine besondere Rolle: Sie testen neue Schanzen oder Schanzeneinstellungen vor dem regulären Wettkampf — oft unter nicht vollständig kontrollierten Bedingungen. Campregher, der seine Karriere als Weltcup-Springer rund ein Jahr zuvor beendet hatte, kannte die Risiken. Doch selbst erfahrene Springer können in Testsituationen an Grenzen stoßen, die reguläre Teilnehmer nie erreichen.
In Deutschland sind Freizeitsportler ähnlichen — wenn auch weniger extremen — Risiken ausgesetzt: Skifahren, Mountainbiken, Klettern oder einfaches Treppensteigen können zu ernsten Verletzungen führen, wenn Schutzmaßnahmen fehlen.
So beugen Sie vor: Was Sportmediziner empfehlen
Sportmediziner betonen, dass Prävention deutlich einfacher und billiger ist als die Behandlung nach einem Unfall:
- Schutzausrüstung: Helm, Protektoren und funktionale Kleidung reduzieren das Verletzungsrisiko bei Stürzen erheblich.
- Gleichgewichts- und Koordinationstraining: Besonders für Senioren kann gezieltes Training das Sturzrisiko um bis zu 30 % senken.
- Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen: Knochendichte (Osteoporose-Screening ab 65), Sehkraft und Medikamentenwechselwirkungen sollten regelmäßig überprüft werden.
Wenn Sie selbst kürzlich gestürzt sind und unsicher sind, ob Sie einen Arzt aufsuchen sollten: Zögern Sie nicht. Ein Hausarzt oder Sportmediziner kann in wenigen Minuten einschätzen, ob weiterführende Untersuchungen nötig sind.
Dieser Artikel ist informativ und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Suchen Sie bei Verletzungen oder Beschwerden nach einem Sturz umgehend einen Arzt auf.
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Der Fall Andrea Campregher erinnert uns daran, wie schnell ein Sturz lebensverändernd sein kann. Hören Sie auf Ihren Körper — und scheuen Sie nicht, professionellen Rat zu suchen.
Rehabilitation nach einem schweren Sturz: Was Patienten erwarten können
Wer einen schweren Sturz überlebt, steht oft vor einem langen Rehabilitationsweg. Studien zeigen, dass rund 40 % der Patienten nach einem Schädel-Hirn-Trauma auch sechs Monate nach dem Unfall noch unter kognitiven Einschränkungen leiden. Die Physiotherapie nach Wirbelbrüchen dauert im Schnitt drei bis sechs Monate — und kann sich bis zu einem Jahr erstrecken, wenn neurologische Schäden vorliegen.
Für Berufssportler wie Campregher stellt sich darüber hinaus die Frage der beruflichen Zukunft. Als Testspringer und Ex-Weltcup-Athlet ist sein Körper sein Kapital. Berufsunfähigkeitsversicherungen für Hochleistungssportler sind speziell — und häufig teuer oder gar nicht erhältlich. Wer in risikoreichen Berufen oder Freizeitaktivitäten aktiv ist, sollte seine Versicherungssituation regelmäßig mit einem Experten überprüfen.
Sturzstatistiken in Deutschland: Ein unterschätztes Problem
In Deutschland sterben jedes Jahr rund 13.000 Menschen an den Folgen von Stürzen — damit sind Stürze die häufigste Unfalltodesursache. Besonders ältere Menschen sind betroffen: Rund 30 % der über 65-Jährigen stürzen mindestens einmal pro Jahr. Aber auch jüngere Sportler und Arbeitnehmer in körperlich anspruchsvollen Berufen sind gefährdet.
Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie schätzt, dass ein erheblicher Teil dieser Stürze durch einfache Präventionsmaßnahmen vermieden werden könnte. Dazu gehören:
- Bessere Beleuchtung in Treppenhäusern und Kellern
- Rutschfeste Matten in Badezimmern und auf Außentreppen
- Regelmäßige Überprüfung von Seilen, Leitern und Kletterausrüstungen
- Angepasstes Schuhwerk für ältere Menschen
Ein Sportmediziner oder Allgemeinmediziner kann Ihnen ein individuelles Risikoprofil erstellen und gezielt Präventionsmaßnahmen empfehlen — bevor es zu spät ist.
