Das Altersvorsorgedepot kommt: Ab dem 1. Januar 2027 können Millionen Deutsche ihr Geld in eine neue staatlich geförderte Anlageform investieren — mit bis zu 480 Euro Förderung pro Jahr. Was steckt hinter dieser Reform, und was sollten Sie jetzt schon tun?
Das Ende des Riester-Systems — und was danach kommt
Die private Altersvorsorge in Deutschland wird grundlegend umgebaut. Das Bundeskabinett hat am 17. Dezember 2025 den Gesetzesentwurf für die Reform der privaten Altersvorsorge verabschiedet. Nach der Zustimmung von Bundestag und Bundesrat im Frühjahr 2026 tritt das Altersvorsorgedepot am 1. Januar 2027 in Kraft, wie die Bundesregierung offiziell bestätigt.
Das Riester-System, das seit 2002 existiert, wird nicht sofort abgeschafft — bestehende Riester-Verträge laufen weiter. Aber neue Förderanträge für Riester werden eingestellt. Das Altersvorsorgedepot ist der offizielle Nachfolger.
Wie funktioniert das Altersvorsorgedepot?
Das Kernprinzip ist einfach: Der Staat subventioniert Ihre Einzahlungen direkt — nicht mehr nur über Steuervorteile.
Förderstaffelung:
- Für jeden eingezahlten Euro bis zu 1.200 Euro pro Jahr: 30 Cent staatliche Förderung (maximal 360 Euro)
- Für jeden Euro zwischen 1.200 und 1.800 Euro: 20 Cent staatliche Förderung (maximal 120 Euro)
- Maximale Jahresförderung: 480 Euro
Bonus für Familien und Berufseinsteiger:
- Eltern erhalten 25 Cent zusätzlich pro Kind, bis zu 300 Euro jährlich
- Berufseinsteiger unter 25 Jahren bekommen einen einmaligen Bonus von 200 Euro
Im Gegensatz zum Riester-Vertrag gibt es beim Altersvorsorgedepot keine Kapitalgarantie-Pflicht. Das ist eine wesentliche Neuerung: Sie dürfen Ihr Geld in weltweit diversifizierte ETFs investieren — ohne dass der Anbieter garantieren muss, dass Sie mindestens Ihre Einzahlungen zurückbekommen.
Wer lieber sicher anlegen möchte, kann weiterhin Produkte mit 80 % oder 100 % Kapitalgarantie wählen. Die Wahl liegt bei Ihnen.
Wer bietet das Altersvorsorgedepot an?
Anders als beim Riester-System, das stark von Lebensversicherern dominiert wurde, soll das Altersvorsorgedepot bei einer breiten Palette von Anbietern verfügbar sein: Banken, Neobroker, Versicherungen, Fondgesellschaften und Depotanbieter werden alle zur Teilnahme berechtigt sein.
Ein wichtiger Punkt: Anbieterwechsel sollen erleichtert werden. Wer mit seinem Anbieter unzufrieden ist, kann das Depot — inklusive der angesammelten Förderbeträge — übertragen lassen. Das ist ein klarer Fortschritt gegenüber dem Riester-System, bei dem ein Wechsel oft mit erheblichem bürokratischem Aufwand verbunden war.
Was Sie jetzt schon tun können
Das Altersvorsorgedepot startet erst am 1. Januar 2027 — aber die Vorbereitungszeit ist wertvoll.
Bestandsaufnahme machen: Haben Sie bereits Riester-Verträge, betriebliche Altersvorsorge oder andere Vorsorgeprodukte? Eine Vermögensberatung kann helfen, den Überblick zu gewinnen und Lücken zu identifizieren.
ETF-Kenntnisse aufbauen: Da das Altersvorsorgedepot erstmals die Investition in Aktien-ETFs innerhalb eines staatlich geförderten Rahmens erlaubt, lohnt es sich, die Grundlagen zu verstehen: Diversifikation, Kostenquoten (TER), Rebalancing.
Angebote vergleichen: Noch vor dem Start werden Banken und Neobroker ihre Konditionen veröffentlichen. Wer früh vergleicht, wählt besser.
Steueroptimierung prüfen: Die Förderung ist unabhängig vom Steuersatz — auch Geringverdiener profitieren voll. Für Gutverdiener kann es sinnvoll sein, das Depot mit anderen steuerlichen Instrumenten zu kombinieren. Ein Vermögensberater kann hier individuelle Szenarien durchrechnen.
YMYL-Hinweis
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Das Altersvorsorgedepot ist noch nicht in Kraft. Steuerliche und rechtliche Details können sich bis zur Verabschiedung des Gesetzes noch ändern. Für eine persönliche Anlageentscheidung wenden Sie sich bitte an einen qualifizierten Vermögensberater.
Warum dieser Schritt so wichtig ist
Die Rentenlücke in Deutschland ist real: Laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales ersetzen gesetzliche Renten im Durchschnitt nur etwa 48 % des letzten Nettoeinkommens. Für viele Menschen — insbesondere Selbstständige, Teilzeitbeschäftigte und Berufseinsteiger — ist die Lücke noch größer.
Das Altersvorsorgedepot ist keine Wunderlösung. Aber es ist ein deutlich flexibleres, renditestärkeres und verständlicheres Instrument als der Riester-Vertrag. Wer jetzt informiert bleibt und sich beraten lässt, kann ab Januar 2027 sofort einzahlen und von der staatlichen Förderung profitieren.
Ein erfahrener Vermögensberater auf Expert Zoom kann Ihnen helfen, das neue Depot in Ihre gesamte Vorsorgestrategie zu integrieren — abgestimmt auf Ihr Einkommen, Ihre Familie und Ihre Anlageziele.
Was passiert mit Ihrem bestehenden Riester-Vertrag?
Eine der häufigsten Fragen lautet: Muss ich meinen Riester-Vertrag kündigen? Die Antwort ist nein — Sie müssen nichts tun. Bestehende Riester-Verträge laufen unverändert weiter und behalten ihre bisherige Förderung und Steuerbehandlung. Allerdings werden ab 2027 keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden können.
Ob es sinnvoll ist, einen alten Riester-Vertrag bestehen zu lassen oder auf das neue Depot umzuschichten, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Ältere Verträge mit hohen Garantiezinsen können unter Umständen wertvoller sein als ein ETF-basiertes Depot. Bei neueren Verträgen mit hohen Kosten und niedrigen Renditen lohnt sich ein genauerer Blick.
Drei Fragen, die Sie mit einem Vermögensberater klären sollten:
- Wie hoch ist die tatsächliche Rendite meines aktuellen Riester-Vertrags nach Kosten?
- Welche Förderung erhalte ich beim Altersvorsorgedepot bei meinem Einkommensniveau?
- Wie kombiniere ich das neue Depot optimal mit meiner betrieblichen Altersvorsorge?
Die Reform ist eine Chance — aber auch eine Entscheidung, die wohlüberlegt sein will. Die nächsten Monate bis zum Start im Januar 2027 sind ideal, um sich zu informieren, Angebote zu vergleichen und die eigene Vorsorgestrategie auf eine solide Grundlage zu stellen.
