Seit dem Ende seiner Leihe beim VfB Stuttgart steht Alexander Nübel (29) vor der ungewissesten Phase seiner Karriere: FC Bayern München hat ihn vom Trainingsauftakt am 20. Juli 2026 ausgeschlossen und erwartet bis dahin eine Transferentscheidung. Hauptinteressent Besiktaş JK bietet lediglich fünf Millionen Euro netto – rund 60 Prozent weniger als die zwölf Millionen Euro brutto, die Nübel bei Bayern bis 2029 verdient hätte.
Drei Spielzeiten, ein abruptes Ende
Nach drei erfolgreichen Jahren auf Leihbasis beim VfB Stuttgart endet die Zusammenarbeit im Sommer 2026. Bayerns Sportdirektor Christoph Freund bestätigte offiziell, dass der FCB mit Manuel Neuer, Jonas Urbig und Sven Ulreich in die neue Saison gehen wird – für Nübel bleibt kein Platz. Der VfB Stuttgart, für den Nübel zuletzt Stammtorhüter war, konnte eine Ablösesumme zwischen zehn und 20 Millionen Euro schlicht nicht stemmen. Bayern hatte Nübels Vertrag 2024 noch bis 2029 verlängert und ihn damals als designierten Neuer-Nachfolger positioniert – eine Planung, die sich nun in Luft aufgelöst hat.
Besiktaş, Juventus, Manchester City: Welcher Weg bleibt?
Besiktaş JK aus der türkischen Süper Lig gilt als konkretester Interessent und sieht in Nübel seinen künftigen Stammtorwart. Doch das Gehaltsangebot liegt mit rund fünf Millionen Euro netto pro Jahr weit unter den Bayernbezügen. Nübel soll selbst England und Italien als bevorzugte Zieldestinationen nennen. Kolportiertes Interesse von Manchester City, Juventus Turin und Benfica Lissabon hat sich bislang nicht zu konkreten Angeboten verdichtet. Bayern wiederum macht Druck: Wer nicht bis Trainingsauftakt einen neuen Klub präsentieren kann, steht ohne Beschäftigung da – mit laufendem Vertrag, aber faktisch ohne Perspektive.
Was ein Gehaltseinbruch von 60 Prozent finanziell bedeutet
Für Profifußballer, die an Spitzengehälter gewöhnt sind, ist ein drastischer Gehaltsrückgang eine ernste Herausforderung. Beim Wechsel zu Besiktaş würde Nübel jährlich bis zu sieben Millionen Euro weniger verdienen als sein Bayern-Vertrag vorsah. Über drei Jahre summiert sich das auf rund 21 Millionen Euro entgangenes Einkommen.
Besonders heikel: Viele Profifußballer treffen wichtige Finanzentscheidungen auf Basis von Spitzengehältern – Immobilienkäufe, Beteiligungen und der gesamte Lebensstandard werden entsprechend kalkuliert. Ein plötzlicher Einkommenseinbruch kann ein bereits aufgebautes Finanzkonstrukt unter Druck setzen. Laut der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ist gerade bei unregelmäßigen oder befristeten Einkommensquellen eine vorausschauende Anlagestrategie entscheidend für langfristige finanzielle Stabilität.
Was Vermögensberater Profisportlern empfehlen
Ein professioneller Vermögensberater empfiehlt Hochverdienern im Sport typischerweise vier Kernstrategien, die gerade in Phasen des Einkommenswechsels entscheidend sind:
Gehaltssimulationen frühzeitig durchführen: Bereits beim Vertragsabschluss sollten Szenarien mit niedrigeren künftigen Gehältern eingeplant werden. Ein Rückgang von 50 bis 70 Prozent ist bei Leihphasen und Vertragsausläufen keine Ausnahme, sondern Realität in vielen Profikarrieren.
Liquiditätspuffer aufbauen: Experten empfehlen einen Puffer von mindestens 24 bis 36 Monatsnettoeinkommen in liquiden Mitteln – als Absicherung gegen Transferverzögerungen, Verletzungspausen oder Vertragsstreitigkeiten.
Investieren statt konsumieren: Ein erheblicher Anteil der Einnahmen sollte in diversifizierte Anlageklassen fließen: Immobilien, Aktienfonds, Anleihen oder Unternehmensbeteiligungen. Wer in Hochverdienstphasen konsequent investiert, schafft passive Einkommensströme für das Karriereende.
Vertragsbestandteile strukturieren lassen: Fußballberater und Vermögensberater können gemeinsam Prämien, Signing Fees, Bildrechte und Bonuszahlungen so strukturieren, dass sie steuerlich optimiert und weniger vom Grundgehalt abhängig sind – eine Strategie, die bei Klubs wie Bayern München, aber auch bei internationalen Transfers regelmäßig eingesetzt wird.
Ähnliche Überlegungen stellte sich auch Nick Woltemade beim Wechsel zu Newcastle United – wie Vermögensplanung bei Millionentransfers konkret aussieht, erklärt ein Vermögensberater im Detail.
Ablöseforderungen und die Macht der Vertragsklauseln
Für Bayern München ist die Ablösefrage komplex: Der Klub verlängerte Nübels Vertrag 2024 auf 2029 und plant nun einen Verkauf unter Zeitdruck während der laufenden WM 2026. Laut Transfermarkt liegt Nübels Marktwert aktuell bei rund acht Millionen Euro – deutlich unter den ursprünglich geforderten 20 Millionen Euro.
Diese Situation verdeutlicht, warum Vertragsklauseln für Profisportler so zentral sind: Ausstiegsklauseln, Ablösedeckelungen und Regelungen für vorzeitige Vertragsauflösungen sind keine Formsache, sondern erhebliche finanzielle Schutzinstrumente. Wer solche Klauseln beim Vertragsabschluss nicht professionell begleiten lässt, riskiert, im Konfliktfall die schwächere Verhandlungsposition einzunehmen.
Nübels Dilemma als Lehrstunde für alle Verdiener mit variablem Einkommen
Die Situation um Alexander Nübel ist exemplarisch für ein Phänomen, das weit über den Profifußball hinausgeht: Wer hohe, aber zeitlich begrenzte Einnahmen hat – ob als Sportler, Unternehmer, Freelancer oder Führungskraft mit Bonusmodell –, muss aktiv für finanzielle Kontinuität sorgen. Ein Gehaltseinbruch von 60 Prozent trifft jeden, der nicht vorgesorgt hat, unvorbereitet.
Dabei geht es nicht nur um das Sparen: Eine durchdachte Vermögensplanung analysiert den gesamten finanziellen Haushalt, berücksichtigt steuerliche Optimierung in Deutschland und international, und entwickelt eine Anlagestrategie, die auch in einkommensschwächeren Phasen Sicherheit gibt.
Das Nübel-Beispiel zeigt: Der richtige Moment für Vermögensplanung ist nicht nach dem Einkommenseinbruch, sondern lange davor. Wer zu Hochzeiten seines Einkommens vorausschauend agiert, kann auch turbulente Transferperioden finanziell unbeschadet überstehen.
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Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Steuer- oder Anlageberatung dar. Für persönliche Finanzentscheidungen empfehlen wir die Beratung durch einen qualifizierten Experten.

Julia Richter