Ein Elektriker kostet in Deutschland zwischen 50 € und 120 € pro Stunde — je nach Region, Tageszeit und Art der Arbeit. Doch der Stundensatz allein sagt wenig aus. Eine einfache Steckdose zu setzen kostet 80 bis 150 €, während eine Komplettsanierung der Elektrik im Altbau schnell 10.000 € oder mehr erreicht. Hier beantworten wir die häufigsten Fragen rund um Elektrikerkosten in Deutschland.
Was kostet ein Elektriker pro Stunde?
Der durchschnittliche Stundensatz eines Elektrikers liegt in Deutschland bei 60 bis 90 € netto [Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), 2024]. In Großstädten wie München, Hamburg oder Frankfurt zahlen Auftraggeber oft 80 bis 120 € pro Stunde. In ländlichen Regionen beginnen die Preise bei etwa 50 €.
Zusätzlich berechnen die meisten Betriebe eine Anfahrtspauschale von 20 bis 50 €. Diese hängt von der Entfernung ab und wird unabhängig vom Arbeitsaufwand fällig. Manche Elektriker bieten Festpreise für Standardarbeiten an — das lohnt sich besonders bei klar definierten Aufträgen wie dem Einbau einer Ladestation oder dem Austausch eines Sicherungskastens.
Wichtig zu wissen: Vergleichen Sie immer mindestens drei Angebote. Die Preisspanne ist erheblich, und ein teurerer Stundensatz bedeutet nicht automatisch bessere Arbeit.
Welche typischen Elektrikerarbeiten kosten wie viel?
Die Kosten variieren stark nach Art des Auftrags. Diese Übersicht zeigt Richtwerte für die häufigsten Arbeiten in Deutschland:
Kleinere Arbeiten wie der Austausch einer Deckenleuchte kosten 50 bis 100 €. Eine komplette Neuverkabelung einer 80-m²-Wohnung schlägt dagegen mit 5.000 bis 10.000 € zu Buche. Der größte Kostentreiber ist dabei nicht das Material, sondern der Arbeitsaufwand: Schlitze stemmen, Kabel verlegen und Wände verputzen benötigen viele Arbeitsstunden.
Wer in einem Altbau wohnt, sollte vor der Renovierung eine professionelle Einschätzung zum Aufwand einholen — die Elektrik in Häusern vor 1990 entspricht oft nicht dem aktuellen Stand der VDE-Normen (Verband der Elektrotechnik).
Wann wird ein Elektriker besonders teuer?
Notdiensteinsätze kosten deutlich mehr als reguläre Aufträge. Außerhalb der Geschäftszeiten — abends, nachts oder am Wochenende — verlangen Elektriker Zuschläge von 50 bis 100 % auf den regulären Stundensatz [Handwerkskammer Düsseldorf, 2024]. An Feiertagen kann der Aufschlag sogar noch höher ausfallen.
Auch versteckte Kosten treiben den Gesamtpreis nach oben:
- Materialzuschläge: Manche Betriebe berechnen einen Aufschlag von 10 bis 20 % auf den Einkaufspreis der Materialien
- Entsorgungskosten: Der Abbau alter Leitungen und Sicherungskästen verursacht zusätzliche Kosten von 50 bis 200 €
- Genehmigungen: Bei Arbeiten am Hausanschluss oder an der Zähleranlage ist ein eingetragener Elektroinstallateur Pflicht — die Abnahme durch den Netzbetreiber kostet 100 bis 300 €
„Viele Kunden unterschätzen die Kosten für die Abnahme und den Netzbetreiber-Anschluss. Diese Positionen gehören in jedes seriöse Angebot." — Markus Weber, Elektrotechnik-Meister, München
Ein transparentes Angebot listet alle Positionen einzeln auf: Arbeitszeit, Anfahrt, Material, Entsorgung und eventuelle Genehmigungskosten.
Wie lassen sich Elektrikerkosten senken?
Eigenleistung reduziert die Rechnung erheblich — allerdings nur bei bestimmten Arbeiten. Das Stemmen von Kabelschlitzen, Entfernen alter Tapeten oder das Einziehen von Leerrohren dürfen Laien selbst übernehmen. Die eigentliche Elektroinstallation und den Anschluss an das Stromnetz darf laut Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) § 13 nur eine eingetragene Elektrofachkraft durchführen.
Drei legale Wege, Kosten zu sparen
- Vorarbeiten selbst erledigen: Schlitze stemmen, alte Leitungen freilegen und Wände nach der Installation selbst verputzen. Das spart 20 bis 30 % der Gesamtkosten.
- Festpreisangebote einholen: Bei klar definierten Aufträgen (z. B. fünf Steckdosen setzen) bieten viele Betriebe Pauschalpreise an, die günstiger als Abrechnung nach Stunden ausfallen.
- Fördermittel nutzen: Die KfW-Förderung (Kredit 261/262) bezuschusst energetische Sanierungen — dazu zählt auch der Einbau einer Wallbox oder die Modernisierung der Elektroverteilung. Bis zu 45 % Zuschuss sind möglich [KfW, 2025].
Das Wichtigste: Selbst Hand anlegen bei Vorarbeiten ist erlaubt und spart Geld. Den Stromanschluss selbst durchführen ist verboten und gefährlich.
Welche Kosten übernimmt der Vermieter?
Ein Elektroinstallateur ist ein nach der Handwerksordnung zugelassener Fachbetrieb, der Starkstromanlagen planen, errichten und instand halten darf. Die Beauftragung eines solchen Betriebs fällt unter die Instandhaltungspflicht des Vermieters — das gilt auch für die gesamte Elektrik der Mietwohnung. Defekte Steckdosen, fehlerhafte Sicherungen und veraltete Leitungen müssen vom Eigentümer auf dessen Kosten repariert oder erneuert werden (§ 535 Abs. 1 Satz 2 BGB).
In der Praxis zahlt der Vermieter für:
- Reparaturen an der Bestandsanlage: Kurzschlüsse, defekte Sicherungsautomaten, kaputte Leitungen
- Nachrüstung auf aktuellen Standard: FI-Schutzschalter (Fehlerstromschutzschalter) in Bädern und Küchen, wenn die Anlage den VDE-Normen nicht mehr entspricht
- Erneuerung der Zähleranlage: Bei Modernisierungsbedarf durch den Netzbetreiber
Der Mieter trägt die Kosten hingegen für selbst gewünschte Zusatzinstallationen — etwa eine zusätzliche Steckdose im Arbeitszimmer oder die Verkabelung für ein Smart-Home-System. Bei Auszug kann der Vermieter den Rückbau verlangen. Wichtig: Auch bei Mieterwechsel muss der Vermieter sicherstellen, dass die Elektroanlage den geltenden Sicherheitsstandards entspricht. Ist die Anlage älter als 30 Jahre, empfiehlt der VDE eine Prüfung durch einen Elektrofachbetrieb — die Kosten von 150 bis 350 € trägt der Eigentümer.
Woran erkennt man ein seriöses Elektriker-Angebot?
Ein professionelles Angebot enthält alle Kostenpositionen transparent aufgeschlüsselt. Seriöse Betriebe listen Arbeitszeit, Materialkosten, Anfahrt und Mehrwertsteuer getrennt auf. Fehlt eine dieser Positionen, sollten Auftraggeber nachfragen.
Checkliste für die Angebotsprüfung
- Handwerkskammer-Eintragung: Jeder Elektrobetrieb muss in die Handwerksrolle eingetragen sein. Prüfbar unter handwerksrolle.de
- Meisterbetrieb: Elektrotechnik ist ein meisterpflichtiges Gewerk (Anlage A der Handwerksordnung). Arbeiten durch nicht-meisterliche Betriebe sind ordnungswidrig
- Festpreis vs. Stundensatz: Das Angebot muss klar angeben, ob ein Festpreis oder nach Aufwand abgerechnet wird
- Gewährleistung: Die gesetzliche Gewährleistungsfrist beträgt zwei Jahre (§ 634a BGB). Gute Betriebe bieten freiwillig fünf Jahre
Vergleichen Sie immer drei Angebote für den gleichen Auftrag. Die Preisspanne beträgt nach Erhebungen der Verbraucherzentrale NRW (2024) bis zu 60 % zwischen dem günstigsten und teuersten Anbieter.
Häufige Fragen zu Elektrikerkosten
Wie viel kostet ein Elektriker für einen Notdienst?
Ein Notdienst-Einsatz kostet zwischen 150 und 300 € für die erste Stunde, inklusive Anfahrt. An Sonn- und Feiertagen kann der Preis auf über 400 € steigen. Lassen Sie sich vor Arbeitsbeginn immer einen Kostenvoranschlag geben — selbst bei akuter Störung.
Muss ich einen Elektriker für eine Lampe beauftragen?
Nein. Das Anschließen einer Lampe an eine vorhandene Deckendose ist keine meldepflichtige Elektroarbeit und darf von Laien durchgeführt werden. Sobald jedoch neue Leitungen verlegt oder bestehende verändert werden, ist eine Elektrofachkraft vorgeschrieben.
Was kostet eine Elektrik-Komplettsanierung im Einfamilienhaus?
Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus (120 m²) liegen die Kosten für eine Komplettsanierung der Elektrik bei 12.000 bis 25.000 € [Verbraucherzentrale, 2024]. Der Preis hängt von der Anzahl der Stromkreise, dem Zustand der Bestandsleitungen und dem gewünschten Ausstattungsstandard ab.
Lohnt sich ein Elektriker-Preisvergleich wirklich?
Ja. Laut einer Erhebung der Verbraucherzentrale NRW beträgt die Preisspanne zwischen dem günstigsten und dem teuersten Angebot für dieselbe Arbeit bis zu 60 %. Bei einem Auftrag von 5.000 € sind das bis zu 3.000 € Unterschied. Achten Sie beim Vergleich darauf, dass alle Angebote dieselben Leistungen umfassen — insbesondere Materialkosten, Anfahrt und Entsorgung sollten separat ausgewiesen sein.
Hinweis: Die in diesem Artikel genannten Preise sind Richtwerte und können je nach Region, Betrieb und Auftragsumfang abweichen. Für eine verbindliche Kostenschätzung holen Sie individuelle Angebote von qualifizierten Elektrofachbetrieben ein.


