Welchen Gesundheitscheck sollten Sie in Ihrem Alter wahrnehmen — und wer bezahlt ihn? Gesetzlich Versicherte in Deutschland haben ab 18 Jahren Anspruch auf bestimmte Vorsorgeuntersuchungen, doch viele kennen weder den genauen Umfang noch die Zuzahlungsregeln. Dieser Artikel beantwortet die häufigsten Fragen rund um den Gesundheitscheck: vom Check-up ab 35 über Krebsvorsorge bis hin zur Wahl des richtigen Arztes.
Welche Gesundheitschecks gibt es in Deutschland?
Der Gesundheitscheck (offiziell: Gesundheitsuntersuchung oder „Check-up") ist eine Früherkennungsuntersuchung, die der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verankert hat. Ziel ist es, chronische Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Nierenprobleme frühzeitig zu erkennen.
Seit Oktober 2021 gilt eine überarbeitete Richtlinie: Versicherte zwischen 18 und 34 Jahren erhalten einmalig einen Basis-Check-up, ab 35 Jahren alle drei Jahre eine umfassendere Untersuchung [G-BA, Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie, 2021]. Details zum Umfang finden Sie auf dem Gesundheitsportal des Bundes (gesund.bund.de). Zusätzlich existieren alters- und geschlechtsspezifische Krebsfrüherkennungsuntersuchungen, die unabhängig vom Check-up wahrgenommen werden können.
Wichtig zu wissen: Der Gesundheitscheck ist eine kostenlose Kassenleistung — Sie zahlen weder Praxisgebühr noch Zuzahlung, solange Sie eine GKV-Versicherungskarte vorlegen.
Welche Vorsorge steht mir ab welchem Alter zu?
Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Kassenleistungen nach Alter — sortiert von jung nach alt.
| Alter | Untersuchung | Häufigkeit | Für wen |
|---|---|---|---|
| Ab 18 | Basis-Check-up (Anamnese, Blutdruck, Blut-/Urintest) | Einmalig | Alle |
| Ab 20 | Krebsfrüherkennung Gebärmutterhals | Jährlich | Frauen |
| Ab 30 | Brust-Tastuntersuchung | Jährlich | Frauen |
| Ab 35 | Erweiterter Check-up (inkl. Lipidprofil) | Alle 3 Jahre | Alle |
| Ab 35 | Hautkrebs-Screening | Alle 2 Jahre | Alle |
| Ab 45 | Prostata-Tastuntersuchung | Jährlich | Männer |
| Ab 50 | Darmkrebs-Vorsorge (Stuhltest) | Jährlich | Alle |
| Ab 50 | Mammografie-Screening | Alle 2 Jahre | Frauen |
| Ab 55 | Darmspiegelung (Koloskopie) | Zweimal im Abstand von 10 Jahren | Alle |
| Ab 65 | Bauchaortenaneurysma-Screening | Einmalig | Männer |
[Quelle: Gemeinsamer Bundesausschuss, Krebsfrüherkennungs-Richtlinie, 2024]
Sonderfall: Risikopatienten
Wer familiär vorbelastet ist — etwa durch Darmkrebs, Brustkrebs oder Diabetes in der Familie — kann bestimmte Untersuchungen früher und häufiger in Anspruch nehmen. Sprechen Sie Ihren Hausarzt gezielt auf Ihr persönliches Risikoprofil an.

Was zahlt die Krankenkasse — und was nicht?
Alle in der Tabelle genannten Vorsorgeuntersuchungen sind gesetzliche Kassenleistungen: Sie werden vollständig von der GKV übernommen, ohne Zuzahlung oder Praxisgebühr [§ 25 SGB V]. Private Zusatzleistungen — sogenannte Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) — müssen Patienten dagegen selbst tragen.
Typische IGeL-Kosten beim Gesundheitscheck
| Leistung | Ungefähre Kosten | Kassenleistung? |
|---|---|---|
| Großes Blutbild (über Kassenbasis hinaus) | 25–60 € | Nein |
| Augeninnendruckmessung (Glaukom-Vorsorge) | 20–40 € | Nein |
| PSA-Test (Prostata-Screening) | 25–35 € | Nein |
| Ultraschall Schilddrüse | 30–50 € | Nein |
| Belastungs-EKG | 50–100 € | Nur bei Risiko |
[Quelle: IGeL-Monitor, Medizinischer Dienst, 2024]
Nicht jede IGeL-Leistung ist sinnvoll. Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes bewertet einzelne Selbstzahlerleistungen wissenschaftlich und hilft bei der Entscheidung.
„Patientinnen und Patienten sollten bei jeder IGeL-Leistung nachfragen: Gibt es wissenschaftliche Belege für den Nutzen, und welche Risiken bestehen?" — Dr. Michaela Eikermann, Leiterin des IGeL-Monitors, Medizinischer Dienst Bund
Wie läuft ein Check-up ab 35 konkret ab?
Der erweiterte Gesundheitscheck ab 35 folgt einem standardisierten Ablauf. So wissen Sie, was Sie in der Praxis erwartet:
- Anamnese-Gespräch: Ihr Arzt fragt nach Vorerkrankungen, Medikamenten, Familiengeschichte, Lebensstil (Rauchen, Alkohol, Bewegung) und aktuellem Befinden.
- Körperliche Untersuchung: Abhören von Herz und Lunge, Abtasten des Bauchraums, Blutdruckmessung, Überprüfung des Bewegungsapparats.
- Blutuntersuchung: Nüchternblutzucker (Diabetes-Screening), Gesamtcholesterin, LDL- und HDL-Cholesterin (Lipidprofil seit 2019 verpflichtend ab 35).
- Urintest: Prüfung auf Eiweiß, Glukose und rote Blutkörperchen — Hinweise auf Nieren- oder Blasenerkrankungen.
- Hautkrebs-Screening: Ganzkörperinspektion der Haut auf auffällige Muttermale und Hautveränderungen (alle 2 Jahre ab 35).
- Abschlussgespräch: Besprechung der Ergebnisse, individuelle Empfehlungen, ggf. Überweisung an Fachärzte.
Die gesamte Untersuchung dauert 30 bis 45 Minuten. Planen Sie den Termin morgens ein, da für den Blutzuckertest eine Nüchternheit von mindestens acht Stunden erforderlich ist.
Wie finde ich den richtigen Arzt für meinen Gesundheitscheck?
Den Check-up ab 35 führt in der Regel Ihr Hausarzt durch — die meisten Allgemeinmediziner und Internisten bieten die Untersuchung an. Für spezifische Vorsorgeleistungen benötigen Sie jedoch Fachärzte.
Welcher Arzt für welche Vorsorge?
| Vorsorge | Facharzt |
|---|---|
| Check-up ab 35 | Hausarzt, Internist |
| Hautkrebs-Screening | Dermatologe oder geschulter Hausarzt |
| Gebärmutterhals-Screening | Gynäkologe |
| Mammografie | Radiologisches Screening-Zentrum |
| Darmspiegelung | Gastroenterologe |
| Prostata-Vorsorge | Urologe |
Beim Termin selbst lohnt es sich, konkret nachzufragen: Welche Untersuchungen sind Kassenleistung, welche sind IGeL? Ein seriöser Arzt klärt transparent auf, bevor zusätzliche Kosten entstehen.
Claudia, 42 Jahre, aus Stuttgart, berichtet: „Mein Hausarzt hat beim Check-up ein erhöhtes LDL-Cholesterin festgestellt und mich direkt an einen Kardiologen überwiesen. Ohne die Routineuntersuchung hätte ich das jahrelang nicht bemerkt."

Warum nehmen so wenige Deutsche den Gesundheitscheck wahr?
Laut dem Versorgungsatlas des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) nutzen nur rund 40 % der Anspruchsberechtigten den Check-up ab 35 regelmäßig [Zi, Versorgungsatlas, 2023]. Männer zwischen 35 und 55 Jahren sind besonders zurückhaltend — obwohl gerade in dieser Altersgruppe kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte erstmals auffallen.
Die Gründe sind vielfältig: Zeitmangel, fehlende Symptome („mir geht es doch gut") und Unkenntnis über den Anspruch. Dabei zeigt eine Auswertung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), dass bei 30 % der durchgeführten Check-ups mindestens ein behandlungsbedürftiger Befund entdeckt wird [KBV, Gesundheitsdaten, 2023].
Das Wichtigste: Vorsorge lohnt sich auch ohne Beschwerden. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland die häufigste Todesursache — rund 340.000 Sterbefälle pro Jahr [Statistisches Bundesamt, 2023]. Viele dieser Erkrankungen lassen sich durch frühe Erkennung von Risikofaktoren beim Gesundheitscheck vermeiden oder verzögern.
So bereiten Sie sich optimal auf den Termin vor
- Versicherungskarte und Impfpass mitbringen.
- Aktuelle Medikamentenliste vorbereiten (Name, Dosis, seit wann).
- Familiäre Vorerkrankungen notieren (Diabetes, Krebs, Herzinfarkt).
- Acht Stunden vor dem Termin nichts essen — nur Wasser trinken.
- Eigene Fragen aufschreiben: Welche Zusatzuntersuchungen sind sinnvoll? Gibt es neue Kassenleistungen?
Häufig gestellte Fragen zum Gesundheitscheck
Muss ich nüchtern zum Check-up erscheinen? Ja, für die Blutuntersuchung (Blutzucker, Lipidprofil) sollten Sie mindestens acht Stunden nichts gegessen haben. Wasser und ungesüßter Tee sind erlaubt.
Kann ich den Check-up auch ohne Termin machen lassen? Die meisten Praxen verlangen einen Termin, da der Check-up 30–45 Minuten dauert und Laborkapazitäten eingeplant werden müssen. Einige Hausarztpraxen bieten offene Sprechstunden mit Vorsorge-Slots an — fragen Sie telefonisch nach.
Wie oft darf ich den Check-up in Anspruch nehmen? Zwischen 18 und 34 Jahren einmalig, ab 35 Jahren alle drei Jahre. Krebsfrüherkennungsuntersuchungen (z. B. Hautkrebs ab 35 alle 2 Jahre) laufen unabhängig davon und haben eigene Intervalle [G-BA, 2021].
Was passiert, wenn ein Befund auffällig ist? Ihr Arzt bespricht die Ergebnisse mit Ihnen und überweist Sie bei Bedarf an einen Facharzt. Folgeuntersuchungen — etwa ein Belastungs-EKG oder eine Ultraschalluntersuchung — werden bei medizinischer Indikation von der Kasse übernommen.
Haben auch Privatversicherte Anspruch auf den Check-up? Privatversicherte haben keinen gesetzlichen Anspruch nach § 25 SGB V, aber die meisten privaten Krankenversicherungen (PKV) erstatten Vorsorgeuntersuchungen im Rahmen ihres Tarifs. Prüfen Sie Ihre Versicherungsbedingungen oder fragen Sie bei Ihrem Versicherer nach.
Hinweis: Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen stets einen Arzt oder eine Ärztin.




