Salami-Rückruf 2026: E. coli in Wurstwaren — was Sie jetzt tun müssen

Österreichische Ärztin informiert sich über E. coli Lebensmittelrückruf in der Arztpraxis
Claudia Claudia GruberGesundheit
4 Min. Lesezeit 3. April 2026

Mehrere Salami- und Wurstprodukte wurden Anfang April 2026 in Deutschland und Österreich wegen des Nachweises von Shiga-Toxin-produzierenden E.-coli-Bakterien (STEC) zurückgerufen. Betroffen sind unter anderem die Küstengold Pikante Baguettesalami und die Spianata Calabra von Henkelmann GmbH sowie die Salami Mini Brez'n von Breu GmbH — verkauft bei Netto, Aldi Süd, Rewe und Edeka. Wer diese Produkte zu Hause hat, sollte sie sofort entsorgen und nicht verzehren.

Welche Produkte betroffen sind und was zu tun ist

Laut produktwarnung.eu, der offiziellen deutschen Rückrufplattform, wurden folgende Produkte zurückgerufen:

Küstengold Pikante Baguettesalami (Henkelmann GmbH): Mindesthaltbarkeitsdaten im April 2026, vertrieben über deutsche und österreichische Supermärkte. Rückgabe an der Verkaufsstelle mit oder ohne Bon möglich — der Kaufpreis wird vollständig erstattet.

Spianata Calabra (Henkelmann GmbH): Gleiche Charge, gleicher Rückruf, gleiche Erstattungsregelung.

Salami Mini Brez'n (Breu GmbH): Betroffen sind spezifische Chargennummern, die auf der Rückseite der Verpackung aufgedruckt sind. Verkaufsstellen: Netto, Aldi Süd, Rewe, Edeka.

Produkte, die nicht mehr vorhanden sind, sollten über den Restmüll entsorgt werden — nicht über die Biotonne, um eine Weiterverbreitung zu vermeiden. Gegessene Mengen sollten notiert werden, da diese Information bei einem Arztbesuch wichtig sein kann.

Was sind STEC-Bakterien und wie gefährlich sind sie?

STEC steht für Shiga-Toxin-produzierende Escherichia coli — eine Untergruppe der weit verbreiteten E.-coli-Bakterien, die jedoch besonders gefährliche Toxine produzieren kann. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stuft STEC-Infektionen als ernstzunehmende lebensmittelbedingte Erkrankungen ein.

Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 3 bis 8 Tage nach dem Verzehr. Typische Symptome umfassen:

  • Heftige, krampfartige Bauchschmerzen
  • Durchfall, häufig wässrig, bei schweren Verläufen blutig
  • Übelkeit und Erbrechen
  • In seltenen Fällen Fieber

Bei den meisten Erwachsenen klingt eine STEC-Infektion nach 5 bis 10 Tagen ohne spezifische Behandlung ab. Problematisch wird es bei bestimmten Risikogruppen.

Wer besonders gefährdet ist

Für drei Gruppen kann eine STEC-Infektion lebensbedrohlich werden:

Kinder unter 5 Jahren: Bei Kleinkindern kann sich aus einer STEC-Infektion das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) entwickeln — eine schwere Komplikation, die die Nieren angreift und eine stationäre Behandlung erfordert. HUS ist in Deutschland die häufigste Ursache für akutes Nierenversagen im Kindesalter.

Ältere Menschen ab 65 Jahren: Das Immunsystem reagiert schwächer, und Komplikationen treten häufiger auf.

Immungeschwächte Personen: Menschen mit chronischen Erkrankungen, nach Organtransplantation oder unter Chemotherapie sind besonders vulnerabel.

Wenn Sie oder ein Familienmitglied zu einer dieser Gruppen gehören und das betroffene Produkt verzehrt haben, suchen Sie auch ohne sofortige Symptome ärztlichen Rat.

Die richtigen Hygienemaßnahmen nach einem Rückruf

Über den Verzicht auf das Produkt hinaus gibt es praktische Schritte zur Risikominimierung:

Schneidbretter und Messer reinigen: Wenn das zurückgerufene Produkt auf einem Holzschneidebrett geschnitten wurde, reinigen Sie diesen gründlich mit heißem Wasser und Spülmittel oder spülen Sie ihn in der Geschirrspülmaschine bei mindestens 60 Grad.

Hände waschen: Regelmäßiges Händewaschen mit Seife für mindestens 20 Sekunden reduziert das Übertragungsrisiko erheblich.

Keinen Kontakt zu Risikogruppen: Wenn Sie das Produkt gegessen haben und Symptome entwickeln, vermeiden Sie engen Kontakt zu Kleinkindern und älteren Personen bis zur vollständigen Symptomfreiheit.

Antibiotika nur auf ärztliche Anweisung: Bei STEC-Infektionen ist der Einsatz von Antibiotika umstritten — in manchen Fällen kann er das HUS-Risiko erhöhen. Nehmen Sie keine Antibiotika auf eigene Faust ein.

Wann Sie sofort zum Arzt oder in die Notaufnahme müssen

Leichte Magen-Darm-Beschwerden erfordern in der Regel keinen Notarzt. Aber bei folgenden Symptomen sollten Sie umgehend medizinische Hilfe suchen:

  • Blutiger Durchfall (auch wenn nur geringe Mengen)
  • Urinmenge, die deutlich zurückgeht oder ausbleibt (Zeichen einer Nierenbeteiligung)
  • Starke Blässe oder Gelbfärbung der Haut oder Augen
  • Verwirrung oder starke Schwäche
  • Hohes Fieber über 38,5 Grad kombiniert mit Durchfall

Bei Kindern gilt generell eine niedrigere Warnschwelle: Beim ersten Auftreten von blutigem Durchfall oder deutlichem Rückgang der Urinausscheidung sofort in die Kinderklinik.

Was tun, wenn Sie unsicher sind, ob Sie betroffen sind?

Manchmal fehlt die Originalverpackung, oder man erinnert sich nicht mehr genau, welche Salami man letzte Woche gekauft hat. In solchen Fällen gilt: lieber einmal zu viel nachfragen als zu wenig. Rufen Sie Ihren Hausarzt oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Rufnummer 141 in Österreich) an und schildern Sie die Situation. Auch wenn keine Symptome vorliegen, kann ein Arzt einschätzen, ob eine Beobachtungsphase sinnvoll ist — insbesondere wenn Kinder unter 5 Jahren oder ältere Personen im Haushalt das Produkt möglicherweise gegessen haben.

Eine weitere Möglichkeit ist die telefonische oder digitale Konsultation über Plattformen wie Expert Zoom: Allgemeinmediziner können eine erste Einschätzung geben, ohne dass sofort eine Praxis aufgesucht werden muss. Das ist besonders sinnvoll außerhalb der regulären Öffnungszeiten oder wenn die eigene Hausarztpraxis für längere Zeit ausgebucht ist.

Lebensmittelrückrufe: ein zunehmend häufiges Phänomen

Die Zahl der Produktrückrufe in Europa hat in den letzten Jahren zugenommen — ein Zeichen, dass die Überwachungssysteme sensibler geworden sind, aber auch, dass Lieferketten komplexer und anfälliger werden. Österreich ist über das EU-weite RAPEX-System (Schnellwarnsystem für gefährliche Nicht-Lebensmittel) und RASFF (Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel) an ein europaweites Netzwerk angebunden.

Wenn Sie nach einem Rückruf unsicher sind, ob Sie bereits Symptome haben oder wie ernst ein Verdachtsfall einzuschätzen ist, können Allgemeinmediziner und Internisten auf Plattformen wie Expert Zoom für eine erste telemedizinische Einschätzung kontaktiert werden — schnell, ohne Wartezeit in der Praxis und mit qualifiziertem Rat.


Disclaimer: Dieser Artikel hat rein informativen Charakter. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst.

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