Die GeoSphere Austria hat am 21. Juni 2026 orange und gelbe Unwetterwarnungen für weite Teile Österreichs ausgegeben. Hagel bis zu vier Zentimeter, schwere Sturmböen und Überflutungsgefahr bedrohen Niederösterreich, die Steiermark, das Burgenland und Wien. Während Menschen ihre Fenster schließen und Autos in die Garage fahren, bleibt eine Gruppe oft unbeachtet: Haustiere.
Wenn der Donner rollt, leidet ein Drittel aller Hunde
Laut Studien der University of Pennsylvania leiden rund 30 bis 40 Prozent aller Hunde an Geräuschangst – und Gewitter zählen zu den häufigsten Auslösern. Auch Katzen sind betroffen, wenngleich sie ihre Angst oft unauffälliger zeigen: Sie verkriechen sich, fressen weniger oder hören auf zu spielen.
Während eines normalen Gewitters sind kurze Angstreaktionen bei Tieren völlig normal. Das Problem beginnt, wenn die Angst sich intensiviert, chronisch wird oder das Tier sich selbst gefährdet. In der laufenden Gewittersaison 2026 – mit ungewöhnlich häufigen Unwetterwarnungen seit Anfang Juni – berichten österreichische Tierarztpraxen von einer deutlichen Zunahme an Notaufrufen rund um Starkregenereignisse. Tierhalter, die die folgenden fünf Warnzeichen kennen, können rechtzeitig handeln.
1. Zittern, das auch nach dem Gewitter nicht aufhört
Leichtes Zittern während eines Gewitters ist eine normale Stressreaktion. Wenn das Zittern aber noch Stunden nach dem letzten Donner anhält, deutet das auf einen ernsthaften Angstzustand hin, der therapeutische Unterstützung braucht.
Ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel schadet dem Immunsystem, dem Herz-Kreislauf-System und der Verdauung eines Tieres. Wer beobachtet, dass der Hund oder die Katze nach einem Unwetter länger als zwei Stunden nicht zur Ruhe kommt, sollte die Tierarztpraxis kontaktieren.
2. Fluchtversuche oder Selbstverletzung
Panikattacken durch Gewitter treiben manche Hunde dazu, Türen aufzureißen, Zäune zu überspringen oder sich durch Glasscheiben zu stürzen. Kratzer, Prellungen und Bisswunden an den eigenen Pfoten oder am Maul sind nach Unwetternächten keine Seltenheit.
Solche Eskalationen sind medizinische Notfälle. Sie zeigen, dass die Angst des Tieres das Gehirn in einen Überlebensmodus versetzt hat, in dem normales Denken ausgeschaltet ist. In diesem Fall helfen kurzfristig Beruhigungsmittel, mittelfristig verhaltenstherapeutische Maßnahmen – beides nur unter tierärztlicher Aufsicht.
3. Futterverweigerung über mehr als 24 Stunden
Viele Tiere verweigern während eines Unwetters das Fressen. Das ist akzeptabel. Wenn ein Hund oder eine Katze aber auch am nächsten Tag kaum isst, kann das ein Zeichen für anhaltendes Stressniveau oder einen beginnenden Schockzustand sein.
Besonders bei Katzen entwickelt sich aus mehrtägiger Nahrungsverweigerung schnell eine hepatische Lipidose – eine lebensbedrohliche Fettleber. Tierärzte empfehlen: Wenn das Tier nach dem Unwetter mehr als 24 Stunden nichts frisst und Teilnahmslosigkeit dazukommt, nicht zuwarten.
4. Aggressivität gegenüber Besitzern oder anderen Tieren
Stress macht Tiere manchmal unberechenbar. Ein normalerweise freundlicher Hund, der plötzlich beißt oder knurrt, wenn man ihn beruhigen will, ist nicht „bösartig" – er ist in echter Panik. Dasselbe gilt für Katzen, die kratzen oder fauchen.
Wichtig zu wissen: Wer in diesem Moment zu stark auf das Tier einwirkt – durch Festhalten, Streicheln gegen den Willen oder lautes Sprechen – verstärkt die Angstreaktion oft. Ein Tierarzt kann in einem ruhigen Gespräch erklären, welche Beruhigungsstrategien tatsächlich helfen und welche kontraproduktiv sind. Die aktuellen Gesundheitsrisiken bei Gewittern betreffen übrigens auch Menschen – ein weiteres Argument, jetzt vorzusorgen.
5. Angst kommt zurück, bevor das nächste Gewitter da ist
Das subtilste, aber ernst zunehmende Zeichen: Das Tier beginnt Stunden vor einem Gewitter zu reagieren – mit Unruhe, Hecheln oder Verstecken – noch bevor ein einziger Donner zu hören ist. Hunde nehmen Druckveränderungen in der Atmosphäre, elektromagnetische Felder und Infraschall wahr, die dem menschlichen Ohr entgehen.
Wenn dieses Verhalten regelmäßig auftritt, hat das Tier eine konditionierte Angstreaktion entwickelt. Ohne Behandlung eskaliert diese mit jeder Gewittersaison. Eine Kombination aus Desensibilisierungstraining und gegebenenfalls pharmakologischer Unterstützung kann den Teufelskreis durchbrechen – das Therapiefenster ist in jungen Jahren am breitesten.
Was ein Tierarzt konkret tun kann
Österreichische Tierärzte haben mehrere evidenzbasierte Optionen zur Verfügung. Auf der verhaltensmedizinischen Seite gehören dazu Desensibilisierungsprogramme, bei denen Gewittergeräusche in kontrollierten Schritten eingeführt werden, bis die Angstreaktion nachlässt. Ergänzend kommen Adaptil-Pheromondiffusoren, Thundershirts oder Casein-basierte Beruhigungsmittel wie Zylkene zum Einsatz.
In schweren Fällen – vor allem bei Tieren mit selbstverletzendem Verhalten oder extremen Panikattacken – können Medikamente wie Dexmedetomidin oder Trazodone verschrieben werden. Diese wirken gezielt situativ und können für Gewitterereignisse eingesetzt werden, ohne das Tier dauerhaft zu sedieren.
Laut der Österreichischen Tierärztekammer ist es wichtig, solche Behandlungen individuell auf das Tier abzustimmen und nicht ohne Rücksprache mit Fachleuten durchzuführen. Selbstmedikation mit Humanpräparaten ist bei Tieren gefährlich und oft kontraproduktiv.
Jetzt vorbereiten, nicht abwarten
Die Unwettersaison 2026 ist in Österreich ungewöhnlich früh und intensiv gestartet. Die aktuellen Warnungen der GeoSphere Austria sind ein guter Anlass, das eigene Tier zu beobachten: Wie reagiert es auf Donner und Blitz? Gibt es Zeichen, die auf mehr als normale Schreckhaftigkeit hinweisen?
Wer einen der fünf genannten Punkte wiedererkennt, sollte nicht warten, bis das nächste Gewitter die Situation eskaliert. Auf Expert Zoom können Tierbesitzer in Österreich schnell und unkompliziert einen Tiermediziner konsultieren und das individuelle Angstprofil ihres Haustieres einschätzen lassen – bevor die nächste Wetterwarnung aktiv wird.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Bei akuten Notfällen wenden Sie sich an Ihren Tierarzt oder eine tierärztliche Notaufnahme.

Anna Müller