Victoria's Secret Fashion Show 2026: Wann Körperbild-Druck zur Essstörung wird

Jugendliche scrollt abends am Smartphone, Mutter beobachtet besorgt von der Tür

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Claudia Claudia GruberGesundheit
6 Min. Lesezeit 19. Oktober 2026

Die Victoria's Secret Fashion Show 2026 hat am Sonntag, dem 18. Oktober 2026, in Los Angeles stattgefunden und ist seither auch in Österreich ein viel gesuchtes Thema. Der Streaming-Auftritt mit bekannten Models und einem reinen Künstlerinnen-Line-up landet millionenfach in Social-Media-Feeds – und mit ihm perfekt inszenierte Körperbilder. Für Eltern, Jugendliche und Erwachsene stellt sich die Frage: Wann ist Inspiration noch harmlos, und wann beginnt ein Problem?

Was bei der Show bekannt ist

Nach Angaben mehrerer Vorberichte wechselte die Show nach zwei Jahren in New York erstmals an die Westküste. Als Gäste wurden Megan Moroney, Megan Thee Stallion, Tate McRae und KATSEYE angekündigt, als Models unter anderem Gigi Hadid, Alex Consani, Paloma Elsesser und Ashley Graham. Der Livestream lief laut Ankündigung kostenlos auf dem YouTube-Kanal der Marke und auf ihren Social-Media-Kanälen.

Auffällig ist die breitere Besetzung: Die Marke setzt seit ihrem Neustart stärker auf unterschiedliche Körperformen und Altersgruppen. Das ändert aber wenig daran, dass Zuschauerinnen und Zuschauer unmittelbar mit Idealbildern konfrontiert werden. Gerade kurze Clips, Filter und Vorher-nachher-Beiträge, die nach einer solchen Show kursieren, wirken oft stärker als die Show selbst.

Warum Fachleute jetzt hinschauen

Der Vergleich mit anderen ist ein normaler Teil der Pubertät. Problematisch wird er, wenn er das Essverhalten steuert. Das Sozialministerium nennt als Einflussfaktoren für Essstörungen unter anderem Perfektionismus, Schönheitsideale und Social Media, daneben auch biologische und genetische Faktoren. Eine Essstörung betrifft laut dem Ministerium Menschen jeden Alters, Geschlechts und sozialen Hintergrunds.

Eine parlamentarische Anfrage nennt ein geschätztes lebenslanges Erkrankungsrisiko von 8,4 Prozent bei Frauen und 2,2 Prozent bei Männern. Diese Zahlen sind älter und eine Orientierung, keine aktuelle Statistik. Sie zeigen aber: Es geht nicht um seltene Einzelfälle.

Wie Social Media den Blick verändert

Nach einer Großveranstaltung entstehen binnen Stunden tausende Clips: Backstage-Routinen, Trainingspläne der Models, Ernährungstipps. Viele davon sind Werbung oder von Influencern aufbereitet, die kaum Fachwissen über Ernährung oder Psychologie haben. Für Jugendliche, die ihr Körperbild noch aufbauen, ist der Unterschied zwischen Inszenierung und Alltag schwer zu erkennen.

Hinzu kommt der Algorithmus: Wer einmal mehrere Diät- oder Fitnessvideos ansieht, bekommt ähnliche Inhalte vermehrt angezeigt. Dadurch kann aus einem einmaligen Interesse ein dauerhafter Strom an Vergleichsbildern werden. Fachleute raten deshalb, die Zeit am Bildschirm zu begrenzen und Feeds bewusst zu pflegen, statt sie einfach laufen zu lassen.

Auch Erwachsene sind nicht ausgenommen. Wer nach einer Show den Impuls spürt, "dringend" abnehmen zu müssen, sollte kurz innehalten: Entsteht der Wunsch aus gesundheitlichen Gründen, die eine Ärztin bestätigt hat, oder aus dem Vergleich mit einem inszenierten Bild? Diese Frage hilft, Druck von außen von echtem Bedarf zu trennen.

Wie erkennt man erste Warnzeichen?

Betroffene verbergen ihr Essverhalten häufig und ziehen sich zurück, deshalb fallen Veränderungen oft spät auf. Hinweise, auf die Ärztinnen, Psychotherapeuten und Beratungsstellen typischerweise achten:

  • Mahlzeiten werden regelmäßig ausgelassen oder heimlich abgebrochen.
  • Das Gespräch dreht sich ständig um Kalorien, Gewicht oder "saubere" Ernährung.
  • Es gibt strikte Rituale beim Essen oder zwanghaftes Training trotz Erschöpfung.
  • Das Gewicht schwankt deutlich, oder die Person trägt auffällig weite Kleidung.
  • Stimmung und Sozialleben verändern sich, etwa durch Rückzug von Freunden und Familienfesten.

Ein einzelnes Merkmal beweist nichts. Treten mehrere Signale über Wochen zusammen auf, ist ein ärztliches Gespräch sinnvoll.

Ein Fallbeispiel: Lena, 16, und der Feed nach der Show

Nehmen wir an, Lena, 16, aus Graz, folgt seit der Show mehreren Fitness- und Model-Accounts. Innerhalb von zehn Wochen verliert sie sechs Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,68 Metern, ausgehend von 58 Kilogramm. Ihre Eltern bemerken, dass sie das Abendessen an drei von sieben Tagen ausfallen lässt und zugleich täglich eine Stunde trainiert.

Wenn der Gewichtsverlust, wie hier, mehr als zehn Prozent des Ausgangsgewichts in nur zehn Wochen beträgt, dann sollte nicht länger abgewartet werden: Der erste Schritt ist ein Termin bei der Hausärztin oder dem Kinder- und Jugendarzt, der Körpergewicht, Blutwerte und Kreislauf prüft. Zeigen sich Auffälligkeiten, folgt die Überweisung zu Kinder- und Jugendpsychiatrie oder Psychotherapie. Bleibt das Muster dagegen bei einer kurzen Diätphase von zwei bis drei Wochen ohne Rückzug und ohne Zwangsrituale, genügt oft ein offenes Gespräch in der Familie sowie ein Check-up beim nächsten Routinetermin.

Dieses Beispiel ist ein konstruiertes Szenario, kein realer Fall. Es zeigt, wie Zeitraum und Ausmaß der Veränderung die Dringlichkeit bestimmen. Je früher professionelle Hilfe beginnt, desto besser sind die Aussichten, das Verhalten zu stabilisieren – das betont auch das Sozialministerium, das zu einer frühen Unterstützung bei ersten Anzeichen rät.

Ein zweiter Blick auf das Beispiel zeigt, warum die Reihenfolge der Schritte wichtig ist. Würde Lena sofort in eine Diätberatung geschickt, ohne dass jemand ihre Blutwerte und ihren Kreislauf prüft, könnten körperliche Warnsignale unbemerkt bleiben. Fachleute beginnen deshalb in der Regel mit der medizinischen Abklärung und erst danach mit weiterführender Therapie. Wenn die Untersuchung unauffällig ist und Lena offen über ihren Druck sprechen kann, reichen manchmal wenige Beratungsgespräche. Wenn dagegen Zwangsrituale, starker Rückzug oder Schwindel hinzukommen, ist eine längere Behandlung wahrscheinlicher.

Was eine Expertin oder ein Experte konkret leistet

Anlaufstellen sind nach Angaben des Sozialministeriums Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner, Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie Beratungsstellen. Jede Rolle hat eine andere Aufgabe:

  1. Hausarzt oder Hausärztin: körperliche Abklärung, Gewicht, Blutbild, Kreislauf.
  2. Psychotherapie oder Psychiatrie: Behandlung der Ursachen, etwa Perfektionismus, Selbstwert und Körperbild.
  3. Ernährungsfachleute: Aufbau eines stabilen Essrhythmus, wenn medizinisch angezeigt.
  4. Beratungsstellen: anonyme Erstgespräche für Betroffene und Angehörige.

Das Netzwerk Essstörungen bietet laut Sozialministerium kostenlose und anonyme Beratung für Betroffene, Angehörige und Fachpersonen unter 0512 57 60 26. Jugendliche erreichen rund um die Uhr Rat auf Draht unter der Nummer 147.

So sprechen Sie das Thema an

Eltern und Freunde sind oft unsicher. Bewährt haben sich einige einfache Regeln:

  • Beobachtung statt Vorwurf: "Mir ist aufgefallen, dass du abends selten mitisst" wirkt besser als "Du isst ja nichts".
  • Kein Kommentar zum Aussehen, auch kein gut gemeintes Lob für Gewichtsverlust.
  • Konkrete Hilfe anbieten, zum Beispiel einen gemeinsamen Arzttermin.
  • Feed gemeinsam anschauen: Welche Accounts tun gut, welche lösen Druck aus? Entfolgen ist erlaubt.

Für Angehörige gilt außerdem: Auch Sie dürfen sich Unterstützung holen. Das Netzwerk Essstörungen berät nach Angaben des Sozialministeriums ausdrücklich auch Angehörige, und ein erstes Gespräch verpflichtet zu nichts. Wer unsicher ist, ob die eigene Beobachtung ernst genug ist, kann genau dort nachfragen. Hilfreich ist es, vorab ein paar Notizen zu machen: Seit wann fällt die Veränderung auf, wie oft pro Woche werden Mahlzeiten ausgelassen, und gibt es Veränderungen bei Schlaf, Stimmung oder Schulleistungen? Solche Angaben erleichtern der Fachperson die Einschätzung deutlich.

Wichtig ist auch der Ton im Alltag zu Hause. Wenn am Esstisch regelmäßig über Diäten, Figuren oder die Körper anderer Menschen gesprochen wird, übernehmen Kinder diese Maßstäbe schnell. Eine entspannte Haltung zum Essen, gemeinsame Mahlzeiten ohne Bildschirm und Lob für Fähigkeiten statt für Aussehen sind einfache Bausteine, die vorbeugend wirken können – und kosten nichts.

Was Sie jetzt tun können

Die Show ist ein Anlass, über Körperbilder zu sprechen, keine Ursache für eine Erkrankung. Wer bei sich selbst oder einem Angehörigen mehrere der genannten Warnzeichen bemerkt, sollte nicht auf das nächste Trendthema warten. Über Expert Zoom finden Sie in der Kategorie Gesundheit Fachleute, die Sie zu ersten Schritten beraten können – von der körperlichen Abklärung bis zur Orientierung bei Therapieangeboten.

Weitere Informationen zu Anzeichen, Ursachen und Hilfsangeboten stellt das Sozialministerium zum Thema Essstörungen bereit.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Diagnose oder Behandlung. Bei akuten Beschwerden wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, im Notfall an den Notruf 144.

Bildnachweise : Dieses Bild wurde mittels künstlicher Intelligenz generiert.

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