Silberberger unter Druck beim WAC: Was eine Freistellung mit Vertrag bis 2028 finanziell bedeutet

Spielszene der WSG Tirol im Stadion, Archivfoto

Photo : Werner100359 / Wikimedia

Markus Markus WeberVermögensberatung
6 Min. Lesezeit 19. Oktober 2026

Der Wolfsberger AC hat am Sonntag, dem 18. Oktober 2026, zu Hause 0:2 gegen die WSG Tirol verloren und ist damit Tabellenletzter der Bundesliga. Für Trainer Thomas Silberberger, der erst im April 2026 übernommen hat und laut Medienberichten bis 2028 gebunden ist, wird die Luft dünn. Doch was passiert finanziell, wenn ein Klub einen Trainer mit laufendem Vertrag freistellt?

Die Lage: fünf Niederlagen, ein Vertrag bis 2028

Laut bundesliga.at sind es fünf Ligapleiten in Folge, nur zwei Punkte aus den letzten acht Runden. Die Tore für die WSG erzielten Moritz Wels (38. Minute) und David Kubatta (60.). Sky Sport Austria hatte die Partie schon vorab als wohl letzte Chance für Silberberger bezeichnet. Das ist eine Einschätzung des Senders, keine Aussage des Klubs.

Silberberger war im April 2026 für Ismail Atalan gekommen, mit dem Auftrag, den Abstieg zu verhindern. Ein Vertrag bis Sommer 2028 wird medial berichtet, bestätigt hat den Inhalt weder der Klub noch der Trainer. Wie viel Geld im Ernstfall fließt, lässt sich daher nicht seriös beziffern. Wohl aber lässt sich erklären, nach welchen Regeln so etwas in Österreich abläuft. Das betrifft nicht nur Profitrainer, sondern jeden, dessen befristeter Vertrag vorzeitig endet.

Warum Trainerwechsel im Abstiegskampf so schnell passieren

Laut ligaportal.at war Silberberger im April 2026 bereits der vierte Trainer, den der WAC in der damaligen Saison einsetzte. Vereine im Tabellenkeller handeln oft kurzfristig: Ein Trainerwechsel ist billiger als der Abstieg, der Einnahmen aus Fernsehgeldern, Sponsoring und Zuschauern gefährdet. Für den Betroffenen heißt das, dass die Verhandlung meist unter Zeitdruck stattfindet, oft binnen weniger Tage.

Genau dann passieren die teuersten Fehler. Ein Entwurf wird am Telefon besprochen, am nächsten Morgen soll unterschrieben werden, und niemand hat die steuerliche Wirkung durchgerechnet. Wer sich vorab mit den eigenen Vertragsklauseln, dem möglichen Anrechnungsmodell und der Frage der Einmalzahlung auseinandergesetzt hat, verhandelt von einer ganz anderen Position aus.

Was heißt „Freistellung" eigentlich?

Eine Freistellung ist nicht automatisch das Ende des Vertrags. Der Klub kann einen Trainer von der Arbeit entbinden und trotzdem das Gehalt weiterzahlen. Erst wenn beide Seiten eine Auflösung vereinbaren oder ein Gericht entscheidet, ist das Arbeitsverhältnis beendet.

Bei einer einvernehmlichen Auflösung verhandeln beide Seiten eine Summe. Typische Bausteine:

  • das Restgehalt bis Vertragsende, oft mit Abschlag
  • offene Prämien und Urlaubsansprüche
  • eine Regelung, ob und wie ein neuer Job angerechnet wird

Ob der Vertrag eine Ausstiegsklausel enthält, steht nur im Dokument selbst. Wer vor einer solchen Unterschrift steht, sollte sie vorher prüfen lassen, denn die Summe wirkt sich auf Steuer und Vorsorge aus.

Wie wird so eine Zahlung besteuert?

Hier liegt die Falle. Eine Einmalzahlung kann in einem Jahr die Steuerprogression nach oben treiben. In Österreich werden Zahlungen aus der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses je nach Art unterschiedlich behandelt. Manche Bestandteile sind begünstigt, andere werden wie laufender Lohn versteuert. Die Einordnung hängt vom Wortlaut der Vereinbarung ab, etwa ob es sich um Kündigungsentschädigung, Vergleichssumme oder Abfertigung handelt.

Die Faustregel der Praxis: Die Bezeichnung im Vertrag ist nicht egal. Gleiche Summe, andere Formulierung, anderes Netto. Genau hier lohnt der Blick eines Vermögensberaters oder Steuerberaters, bevor unterschrieben wird.

Ein weiterer Punkt: Während eines Zeitraums, für den eine Kündigungsentschädigung gezahlt wird, ruht in der Regel der Anspruch auf Arbeitslosengeld. Die Arbeiterkammer informiert unter arbeiterkammer.at über Ansprüche bei vorzeitiger Beendigung eines Arbeitsverhältnisses.

Ein Rechenbeispiel: Vertrag bis 2028, Freistellung Ende Oktober

Die folgenden Zahlen sind frei gewählt und haben nichts mit Silberbergers tatsächlichem Gehalt zu tun. Sie zeigen nur die Mechanik.

Angenommen, ein Trainer hat einen befristeten Vertrag bis 30. Juni 2028 und verdient 10.000 Euro brutto im Monat. Er wird Ende Oktober 2026 freigestellt. Dann laufen noch 20 Monate. Rechnerisch stünden ihm 200.000 Euro brutto zu.

Wenn nun, dann so: Findet er nach acht Monaten einen neuen Job mit 7.000 Euro im Monat, muss er sich für die restlichen 12 Monate dieses Einkommen anrechnen lassen. Das sind 84.000 Euro. Die Forderung sinkt auf 116.000 Euro. Verzichtet er auf die Anrechnung gegen einen pauschalen Abschlag von 20 Prozent, bekommt er 160.000 Euro, trägt aber kein Risiko, später weniger zu verdienen.

Welche Variante besser ist, hängt von drei Dingen ab: der Chance auf einen neuen Job, der Steuerprogression im Auszahlungsjahr und dem Bedarf an Planungssicherheit. Wer in einem Jahr 160.000 Euro auf einmal bezieht, landet ganz oben in der Steuerskala. Wer die Zahlung verteilt, zahlt unter Umständen weniger Steuer. Der Unterschied kann mehrere Zehntausend Euro ausmachen. Genau diese Rechnung sollte ein Berater vor der Unterschrift durchspielen.

Die Fragen, die Betroffene am häufigsten stellen

Muss der Klub bis 2028 zahlen, wenn er den Trainer entlässt? Nicht automatisch. Entscheidend ist, was im Vertrag steht: Ausstiegsklauseln, Leistungsziele oder ein Abstiegsparagraf können die Summe stark verändern. Ohne solche Klauseln bleibt der Anspruch auf das Restgehalt grundsätzlich bestehen, wird aber um anderweitigen Verdienst gekürzt.

Muss man sich um einen neuen Job bemühen? Ja. Wer Angebote ausschlägt, riskiert, dass der Verdienst, den man hätte erzielen können, ebenfalls angerechnet wird. Das ist ein häufiger Streitpunkt in Verhandlungen.

Was ist mit Prämien? Erfolgsprämien, die an Punkte oder Klassenerhalt gekoppelt sind, werden oft gesondert verhandelt. Wer auf ihre Auszahlung verzichtet, sollte dafür einen Ausgleich verlangen.

Wie bleibt die Pensionsvorsorge erhalten? Während der Zahlung einer Kündigungsentschädigung laufen Sozialversicherungszeiten in der Regel weiter. Das sollte schriftlich geklärt sein, weil Lücken später bei der Pension auffallen.

Steuerbeispiel: Was dieselbe Summe netto ausmacht

Bleiben wir bei den frei gewählten 160.000 Euro. Fließen sie vollständig in ein Kalenderjahr, auf das ohnehin schon Gehalt für zwei Monate entfällt, wandert der Großteil in die oberen Steuerstufen. Wird die Zahlung dagegen in zwei Hälften zu je 80.000 Euro auf zwei Jahre verteilt, bleibt jede Hälfte in einer niedrigeren Progressionszone.

Wenn also die Vereinbarung eine Aufteilung erlaubt, dann kann der Unterschied bei einem Betrag dieser Größe schnell fünfstellig werden. Wenn der Klub dagegen auf einer Einmalzahlung besteht, ist es umso wichtiger, die Bezeichnung und den Zahlungstermin zu prüfen. Dieselbe Bruttosumme ergibt je nach Konstruktion ein deutlich anderes Netto. Die genaue Höhe ist vom Einzelfall abhängig und muss gerechnet werden.

Warum das auch Sie betrifft

Sie müssen kein Bundesliga-Trainer sein, damit das Thema relevant wird. Befristete Verträge gibt es bei Geschäftsführern, Projektleitern und Vorständen in Vereinen oder Firmen. Bei Konflikten um Auflösungssummen, Konkurrenzklauseln oder die Anrechnung neuer Einkünfte zeigt sich dasselbe Muster wie hier. Auch bei Fußballern ist das ein Dauerthema, wie unser Beitrag zum ablösefreien Wechsel von Giacomo Vrioni zum WAC zeigt. Wie Profis mit Gehaltsverzicht und Vermögensplanung umgehen, lesen Sie im Beitrag zu João Palhinha und der Gehaltskürzung.

Dazu kommt ein Faktor, den viele unterschätzen: die Wartezeit. Zwischen Freistellung und Einigung vergehen manchmal Wochen, in denen unklar bleibt, ob und wie das Gehalt weiterläuft. Wer in dieser Phase keine Rücklagen hat, verhandelt schwächer. Ein Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben schafft hier Spielraum.

Das sollten Sie jetzt tun

Wenn Ihr Vertrag vorzeitig endet oder Ihnen eine Auflösung angeboten wird, gehen Sie in dieser Reihenfolge vor:

  1. Unterschreiben Sie nichts unter Zeitdruck.
  2. Lassen Sie die Bezeichnung der Zahlung (Kündigungsentschädigung, Vergleichssumme, Abfertigung) prüfen.
  3. Rechnen Sie die Steuerwirkung für das Auszahlungsjahr und die Folgejahre durch.
  4. Klären Sie, wie sich die Zahlung auf Arbeitslosengeld und Pensionsvorsorge auswirkt.
  5. Planen Sie, wie Sie die Summe anlegen oder als Überbrückung einsetzen.

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Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung. Alle Rechenbeispiele sind frei erfunden.

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