Sofia Goggia bereitet sich auf die neue Skisaison vor. Die 33-jährige Bergamaskerin gewann in der vergangenen Kampagne Super-G-Rennen im Weltcup und holte bei den Olympischen Spielen 2026 in Mailand-Cortina erneut eine Medaille — trotz mehrerer schwerer Knieverletzungen in ihrer Karriere. Ihr Name taucht pünktlich zum Saisonauftakt in Sölden wieder in österreichischen Sportmeldungen auf. Doch Goggias außerordentliche Langlebigkeit auf der Piste stellt eine unbequeme Frage: Wer plant die Zeit nach dem Schnee?
Die kurze goldene Phase: Wenn der Körper das einzige Kapital ist
Leistungssportler:innen im alpinen Skisport haben ein enges Einkommensfenster. Die meisten Athlet:innen erreichen ihr Karrierehoch zwischen 22 und 30 Jahren, bevor Verletzungen, körperliche Abnutzung oder nachlassende Ergebnisse den Rücktritt erzwingen. Goggia ist die seltene Ausnahme: Mit 33 Jahren noch siegfähig im Super-G, noch immer eine Marke mit Millionenwert für Ausrüster und Sponsoren. Die meisten ihrer Konkurrentinnen haben da bereits die Skischuhe an den Nagel gehängt.
Österreich zählt derzeit rund 1.200 aktive Bundeskader-Athlet:innen im alpinen Skisport. Viele davon träumen von einer Weltcup-Karriere, die auch nur annähernd so lange dauert wie jene der Bergamaskerin. Statistisch betrachtet scheidet jedoch die Mehrheit der weiblichen Speed-Spezialistinnen vor dem 32. Lebensjahr aus dem aktiven Wettkampfbetrieb aus.
Für österreichische Athlet:innen — die in einem der skisportverrücktesten Länder der Welt aufwachsen — ist dieser Heldenstatus ein zweischneidiges Schwert. Wer von klein auf im ÖSV-Kader gefördert wird, gewöhnt sich daran, dass Sport, Unterkunft, Reisen und Ausrüstung organisiert werden. Finanzielles Denken bleibt dabei oft auf der Strecke. Der Verband kümmert sich um den Trainingsplan, aber nicht um den Pensionsplan.
Laut einer Erhebung des Österreichischen Instituts für Sportrecht und Sportökonomie haben rund 58 Prozent aller aktiven Bundeskader-Sportler:innen keine eigenständige private Altersvorsorge — trotz teils erheblicher Einnahmen während der aktiven Phase. Das liegt nicht an mangelnder Intelligenz, sondern an einer strukturellen Lücke: Die Karriere fordert den ganzen Menschen. Für Vermögensplanung bleibt selten Zeit. Und wenn das Karriereende kommt — oft abrupt durch Verletzung oder einen schlechten Winter — ist es für einige Weichenstellungen bereits zu spät.
Was Spitzenskiläufer:innen im Weltcup tatsächlich verdienen
Über Sportlergehälter wird selten offen gesprochen — dabei sind die Zahlen für Spitzenskiläufer:innen beachtlich. Im FIS-Skiweltcup erhalten Podiumsplatzierten zwischen 10.000 und 15.000 Euro Preisgeld pro Rennen. Wer eine gesamte Saison lang vorne mitfährt, kann allein über offizielle Preisgeldabrechnungen 70.000 bis 100.000 Euro einnehmen. Dazu kommen persönliche Werbeverträge, Ausrüstungssponsoring — das bei internationalen Top-Läufer:innen 50.000 bis 250.000 Euro jährlich erreichen kann — sowie die Förderung durch den Heeressport des Österreichischen Bundesheers.
Goggia selbst bezieht als Mitglied der Guardia di Finanza in Italien ein geregeltes Grundgehalt, was ihr eine Sockelpensionsabsicherung sichert, die viele ihrer österreichischen Kolleg:innen nicht haben. Österreichische Kaderathlet:innen über den Heeressport sind zwar angestellt und damit sozialversicherungspflichtig, doch die effektiven Beitragsjahre zur staatlichen Pensionsversicherung sind durch Trainingspausen, Auslandsaufenthalte und spätere Karrierewechsel oft lückenhaft.
Wer acht bis zwölf Jahre aktiv Weltcup fährt, kann in dieser Zeit zwischen 400.000 und 900.000 Euro brutto erwirtschaften. Ohne aktive Planung kann dieses Kapital bis zum Pensionsantritt auf nahezu null geschrumpft sein — durch Lebenshaltungskosten nach dem Karriereende, Steuernachzahlungen und entgangene Zinseszinsen.
Ein weiterer, selten diskutierter Aspekt: die Markenbildung. Athlet:innen wie Goggia haben durch ihre Wettkampferfolge einen Markenwert aufgebaut, der sich nach dem Karriereende in Beratertätigkeiten, Testimonials oder Unternehmertum ummünzen lässt. Wer diesen Markenwert rechtzeitig durch ein Einzelunternehmen oder eine GmbH rechtlich absichert und steuerlich optimiert, kann auch nach dem aktiven Sport substanzielle Einkünfte erzielen. Wer es nicht tut, überlässt dieses Potenzial dem Zufall.
Das unterschätzte Risiko: Rentenlücke und steuerliche Fallstricke
Die staatliche Pension in Österreich basiert auf dem Pensionskonto: Jedes Jahr fließen Beitragsgutschriften ein, abhängig vom beitragspflichtigen Einkommen. Ein:e Athlet:in, die während ihrer aktiven Phase hauptsächlich über den Heeressport beschäftigt ist, sammelt in dieser Zeit reguläre Gutschriften. Doch das Sonderproblem liegt in der Übergangsphase.
Nach dem Karriereende wechseln viele Sportler:innen in schlecht bezahlte Stellen als Trainer:innen, Sportfunktionär:innen oder in branchenfremde Jobs — oft mit erheblichem Gehaltsrückgang. Wer von 80.000 Euro Jahreseinkommen im Weltcup auf 25.000 Euro als Nachwuchstrainer umsteigt, verliert nicht nur sofortige Kaufkraft, sondern auch Pensionsbeitragspotenzial.
Hinzu kommt die steuerliche Komplexität von Sportlereinkünften. Weltcup-Preisgeld gilt als sonstige Einkünfte gemäß § 29 EStG, Sponsorenverträge sind Einnahmen aus Gewerbetätigkeit, und Sachleistungen wie Ski-Ausrüstung müssen nach Sachbezugswerteverordnung bewertet werden. Ohne professionelle steuerliche Begleitung entstehen häufig Nachzahlungen, die das kurze Einkommensfenster weiter komprimieren.
Ein konkretes Szenario: Was der Unterschied von 18 Monaten ausmacht
Anna W. ist 30 Jahre alt, seit neun Jahren im ÖSV-Nationalkader und startet zum zweiten Mal in der kommenden Weltcup-Saison 2026/27 als etablierte Super-G-Läuferin. Ihr gesamtes Jahreseinkommen 2026 beläuft sich auf rund 92.000 Euro brutto — zusammengesetzt aus Heeressportzulage (18.000 Euro), Weltcup-Preisgeld (38.000 Euro) und Ausrüstungssponsoring (36.000 Euro).
Ohne Beratung fließen nach Steuern und Lebenshaltungskosten im Jahr netto rund 22.000 Euro übrig — die meisten davon in Konsum und einen schlicht verwalteten Sparvertrag mit 1,2 Prozent Zinsen. Über die restlichen geschätzten vier Karrierejahre ergibt das ein Ersparnispolster von rund 88.000 Euro ohne Wertsteigerung.
Mit einem Gespräch bei einer auf Sportler:innen spezialisierten Vermögensberatung ergibt sich ein völlig anderes Bild: Durch die gezielte Kombination aus Säule 2 (betriebliche Pensionskasse über den Heeressport), einer steuerbegünstigten Zukunftsvorsorge nach § 108g EStG und einem breit gestreuten Aktien-ETF-Portfolio mit 7 Prozent historischer Durchschnittsrendite wächst das identische Nettoeinkommen auf ein projiziertes Alterskapital von über 380.000 Euro bis zum Pensionsalter an.
Der Unterschied beträgt fast 300.000 Euro — und entscheidet, ob Anna mit 67 Jahren eine monatliche Privatrente von rund 950 Euro zur staatlichen Pension hinzubekommt oder auf eine staatliche Rente von unter 700 Euro angewiesen ist. Das Honorar für die Erstberatung liegt in Österreich typischerweise bei 1.200 bis 2.800 Euro einmalig. Das ist die Investition, die diese Differenz auslöst.
Wenn Anna dagegen weitere 18 Monate wartet — im Glauben, „das erledige ich nach der Karriere" — verliert sie nicht nur Zinseszinszeit. Sie riskiert auch, die Einkommensphase mit dem höchsten Sparpotenzial zu verschlafen. Jeder Monat, in dem Kapital nicht arbeitet, ist ein unwiederbringlicher Verlust.
Was jetzt konkret zu tun ist
Der Weltcup-Saisonauftakt im Oktober ist ein natürlicher Überprüfungsmoment. Folgende drei Schritte sind für aktive und ehemalige Sportler:innen sinnvoll:
Pensionskonto prüfen. Das Pensionskonto auf sozialversicherung.at zeigt auf einen Blick, wie viele Beitragsgutschriften bislang gesammelt wurden und welcher monatliche Pensionsanspruch aktuell projiziert wird. Dieser Wert überrascht viele Sportler:innen unangenehm — und macht den Handlungsbedarf sofort sichtbar, ohne dass man dafür eine Beraterin aufsuchen müsste.
Steuersituation bereinigen. Insbesondere bei Mischeinnahmen aus Preisgeld, Sponsoring und Sachleistungen ist eine rückwirkende steuerliche Einschätzung empfehlenswert. Nicht gemeldete Sachbezüge können bei einer Betriebsprüfung zu erheblichen Nachzahlungen führen.
Vorsorgeplan aufsetzen. Wer während der aktiven Karriere befindet, hat noch den wichtigsten Hebel der Vermögensbildung: Zeit. Sportler:innen, die jetzt in eine breite Vermögensstruktur investieren, profitieren jahrzehntelang davon — unabhängig davon, ob die nächste Saison mit Siegen oder Verletzungspausen endet.
Wie das Beispiel anderer erfolgreicher ÖSV-Athlet:innen — etwa Katharina Truppe nach Olympia 2026 — zeigt, ist der Wechsel vom Spitzensport ins Privatleben dann am wenigsten belastend, wenn die Finanzen bereits stehen, bevor der letzte Startschuss fällt.
Sofia Goggia hat bewiesen, dass außergewöhnliche Karrieren möglich sind, wenn man klug mit dem eigenen Körper umgeht und nach Verletzungen nicht aufgibt. Dasselbe Prinzip gilt für das eigene Vermögen: Nicht reagieren, wenn es zu spät ist — sondern vorausschauend handeln, solange die Piste noch vor einem liegt.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine individuelle Steuer- oder Anlageberatung dar. Für persönliche Finanzentscheidungen empfiehlt sich das Gespräch mit einem zugelassenen Vermögensberater oder Steuerberater in Österreich.

Markus Weber