In Österreich laufen derzeit die mündlichen Matura-Prüfungen 2026 – und mit ihnen eine psychische Belastungswelle, die Experten alarmiert. Allein in Niederösterreich stellen sich in diesem Frühjahr rund 7.600 Schülerinnen und Schüler der Reifeprüfung. Die Evangelische Kirche in Österreich meldete bereits rund 1.000 emotionale Nachrichten von prüfungsangstgeplagten Jugendlichen – 85 Prozent davon speziell wegen Mathematik. Die mündliche Phase läuft noch bis zum 19. Juni 2026.
Die mündliche Matura 2026: Höchstdruck bis zum Schluss
Die schriftlichen Prüfungen fanden heuer zwischen dem 5. und 15. Mai statt – Deutsch, Englisch, Mathematik, Fremdsprachen. Doch die mündlichen Prüfungen – persönlicher, unvorhersehbarer, intensiver – laufen noch bis zum 19. Juni 2026. Wer im schriftlichen Teil schwächer abschnitt, kämpft in der mündlichen Kompensationsprüfung um seinen Abschluss. Das erhöht den Druck auf Schülerinnen und Schüler zusätzlich.
Mathematik gilt weiterhin als das größte Angstfach. Der Grund liegt oft tief: Wissensdefizite aus mehreren Schuljahren summieren sich – und treten kurz vor dem Abschluss schlagartig ans Licht. Prüfungsangst ist dabei keine Charakterschwäche, sondern eine körperliche und psychische Stressreaktion des Nervensystems, die ernstgenommen werden muss.
Hinzu kommt, dass 2026 voraussichtlich eines der letzten Jahre ist, in dem besondere Corona-Nachjustierungen im Bewertungssystem gelten. Ab der nächsten Kohorte werden strengere Regeln erwartet – was den Druck auf künftige Matura-Jahrgänge weiter erhöhen dürfte.
Wann Prüfungsstress gefährlich wird: 5 Warnsignale
Leichter Stress vor einer Prüfung ist normal – er schärft die Aufmerksamkeit und kann sogar leistungsfördernd wirken. Problematisch wird es, wenn folgende Symptome über mehr als eine Woche anhalten:
- Anhaltende Schlaflosigkeit – Einschlafprobleme über mehrere Nächte, die die Konzentration am nächsten Tag ernsthaft beeinträchtigen
- Körperliche Beschwerden – Wiederkehrende Kopfschmerzen, Magenprobleme, Herzrasen oder Verspannungen ohne organische Ursache
- Sozialer Rückzug – Das Meiden von Familie und Freunden, vollständige Isolation im Lernkeller oder im eigenen Zimmer
- Katastrophendenken – Die feste Überzeugung, die Prüfung „sowieso" zu scheitern, ein nicht abbrechendes Gedankenkarussell
- Panikattacken – Plötzliche Angstzustände mit Atemnot, Zittern, Schwindel oder Taubheitsgefühlen in Händen und Füßen
Diese Warnsignale sollten weder Schüler noch Eltern als „normal" abtun. Chronischer Prüfungsstress kann das Immunsystem schwächen, depressive Episoden auslösen und langfristige Folgen für die psychische Gesundheit haben. Informationen und erste Orientierung bietet das österreichische Gesundheitsportal gesundheit.gv.at.
Was Eltern konkret tun können – und was sie lieber lassen
Eltern unterschätzen oft, wie viel ihre eigene Haltung zur Belastung beiträgt. Wer ständig fragt „Hast du schon gelernt?" oder Misserfolg als persönliches Versagen darstellt, verstärkt den Druck unwillkürlich. Was hingegen wirklich hilft:
- Feste Lernzeiten statt Marathon: Konzentrierte Blöcke von 90 Minuten mit Pausen – das Gehirn verarbeitet Inhalte in Ruhephasen nachhaltiger als in Dauersitzungen
- Schlafqualität schützen: Kein Lernen nach 22 Uhr. Das Gehirn braucht Schlaf für die Gedächtniskonsolidierung – eine weitere Wiederholung um Mitternacht ersetzt das nicht
- Bewegung einplanen: Selbst 30 Minuten Spaziergang täglich senken den Cortisolspiegel messbar und verbessern die Stimmungslage
- Offene Gesprächsatmosphäre schaffen: Ängste aussprechen lassen, ohne sofort zu kommentieren oder zu relativieren
- Professionelle Unterstützung frühzeitig suchen: Bei anhaltenden Beschwerden nicht bis nach der Matura warten
Schulpsychologische Beratungsstellen bieten in Österreich kostenlose Erstgespräche an – auch telefonisch und anonym. Die Kontaktdaten der regionalen Schulpsychologie sind über das Bildungsministerium abrufbar.
Wann ein Arzt oder Psychologe einzuschalten ist
Wenn Warnsignale länger als zwei Wochen anhalten oder sich intensivieren, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Der Hausarzt kann eine erste Einschätzung liefern und bei Bedarf an Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder klinische Psychologinnen überweisen.
Für akute Angstzustände während der Prüfungsphase gibt es bewährte Kurzzeitinterventionen: Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie, strukturierte Atemübungen und progressive Muskelentspannung nach Jacobson lassen sich in wenigen Sitzungen erlernen und wirken auch unter Prüfungsbedingungen. Wichtig: Eine Therapie muss keine Langzeitbehandlung sein – oft reichen drei bis fünf gezielte Sitzungen, um die Symptome zu stabilisieren.
Ähnliche Stressmuster wie bei Burnout bei Erwachsenen – anhaltende Erschöpfung, emotionale Distanz, nachlassende Leistung – können auch bei Jugendlichen in intensiven Belastungsphasen auftreten. Der Unterschied: Jugendliche erkennen das Muster oft nicht als solches und zögern länger, Hilfe zu suchen.
ExpertZoom vernetzt Schülerinnen und Schüler – sowie ihre Eltern – mit qualifizierten Psychologen, Ärzten und Therapeuten in ihrer Nähe. In vielen Fällen ist eine Erstberatung innerhalb weniger Tage möglich, auch im digitalen Videogespräch.
Nachhilfe als unterschätzter Faktor für psychische Stabilität
Ein oft übersehener Hebel: gezielte Nachhilfe in Angstfächern wie Mathematik kann nicht nur die Note verbessern, sondern auch das Selbstvertrauen nachhaltig stärken. Wer das Gefühl hat, den Stoff zu beherrschen, geht ruhiger in die Prüfung. Die Verbindung zwischen fachlicher Sicherheit und psychischer Stabilität ist empirisch gut belegt. Wer die mündliche Matura noch vor sich hat und in einem bestimmten Fach unsicher ist, kann von gezielten Einzelsitzungen mit einem erfahrenen Nachhilfelehrer erheblich profitieren – auch in der Endphase.
Nach der Matura: Der stille Einbruch danach
Nicht wenige Jugendliche erleben nach bestandener Matura einen emotionalen Einbruch – das sogenannte „Post-Matura-Loch". Die plötzliche Leere nach Wochen des Hochdrucks kann zu Orientierungslosigkeit, Erschöpfung und Stimmungstiefs führen. Auch dieser Übergang ist psychologisch relevant und sollte im familiären Gespräch aktiv thematisiert werden. Wer hier frühzeitig professionelle Unterstützung sucht, verhindert, dass aus einer normalen Übergangsphase eine ausgewachsene depressive Episode wird.
Die mündliche Matura 2026 läuft noch bis 19. Juni. Wer jetzt Unterstützung sucht – medizinisch, psychologisch oder fachlich – findet auf ExpertZoom qualifizierte Expertinnen und Experten für genau diese Phase.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder psychologische Beratung. Bei akuten psychischen Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt oder eine psychiatrische Notaufnahme.

Claudia Gruber