Reinhold Messner mit 81 noch auf der Bühne: Was Jahrzehnte Extremalpinismus mit dem Körper machen
Am 4. Mai 2026 saß Reinhold Messner gemeinsam mit Naturautor Peter Wohlleben in der ARD-Quizshow "Wer weiß denn sowas?" und begeisterte das Publikum – mit 81 Jahren, nach Jahrzehnten des Extrembergsteigens. Der erste Mensch, der alle 14 Achttausender bestieg, ist nicht nur geistig scharf, sondern körperlich noch bemerkenswert aktiv: Großtouren durch Deutschland und eine neue Filmproduktion über den K2 zeigen einen Mann in Bewegung.
Das wirft eine faszinierende medizinische Frage auf: Was passiert mit einem Körper, der jahrelang extremsten Belastungen ausgesetzt war – Frost, Sauerstoffmangel, körperlicher Erschöpfung auf Höhen über 8.000 Metern? Und was können normale Bergsportler und Aktive daraus lernen, wann sie einen Arzt aufsuchen sollten?
Was Extremalpinismus mit Gelenken und Knochen macht
Reinhold Messner hat in den 1970er und 1980er Jahren Zehen durch Erfrierungen verloren – eine Folge von Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt auf Höhen, wo der menschliche Körper kaum überlebensfähig ist. Erfrierungen zweiten und dritten Grades hinterlassen dauerhafte Schäden an Nerven, Blutgefäßen und Gewebe.
Für Hochgebirgsalpinisten ist Arthritis in Händen und Füßen nach langen Karrieren keine Seltenheit. Chronische Gelenksbelastung, häufige Mikroverletzungen und Kälteschäden begünstigen degenerative Veränderungen. Studien aus der Höhenmedizin zeigen, dass Alpinisten, die regelmäßig über 5.000 Meter klettern, häufiger unter Gelenkverschleiß leiden als Sportler in flacheren Disziplinen.
Paradoxerweise sind die Auswirkungen nicht immer negativ: Regelmäßige körperliche Aktivität – selbst bei hoher Intensität – wirkt langfristig schützend auf den Knochenstoffwechsel. Messners fortgeschrittenes Alter bei gleichbleibender Mobilität ist ein Indiz dafür, dass die richtige Belastung über Jahrzehnte auch stärken kann.
Herz-Kreislauf und Sauerstoffmangel: Die Herausforderung der Höhe
Über 8.000 Metern herrscht ein atmosphärischer Druck, der nur noch rund 30 Prozent des Sauerstoffs auf Meereshöhe liefert. Der Körper reagiert mit einer Reihe von Anpassungen: mehr rote Blutkörperchen, eine erhöhte Atemfrequenz, veränderte Herzleistung. Messner bestieg viele Achttausender ohne Flaschensauerstoff – ein körperlicher Extremismus, der selbst für ausgebildete Bergsteiger lebensgefährlich ist.
Langzeitstudien an Hochgebirgsalpinisten zeigen unterschiedliche kardiovaskuläre Muster. Einerseits profitieren Herzgesundheit und Ausdauer von jahrelangem Training. Andererseits können wiederholte Höheneinsätze zu erhöhtem Lungendruck (pulmonaler Hypertonie) führen, einem Zustand, der in späteren Lebensjahren Beschwerden verursachen kann.
Wer regelmäßig in großen Höhen unterwegs ist – auch auf österreichischen Bergen ab 3.000 Metern – sollte regelmäßige kardiologische Check-ups einplanen. Nicht alle Risiken treten sofort auf; manche zeigen sich erst Jahrzehnte später.
Das Paradox aktiver Altersgesundheit
Messners körperlicher Zustand im achten Lebensjahrzehnt zeigt etwas, das Sportmediziner "aktives Altern" nennen: Menschen, die ihr Leben lang regelmäßig körperlich aktiv waren, behalten oft bis ins hohe Alter eine bessere Mobilität, Kraft und geistige Schärfe als die Allgemeinbevölkerung.
Ähnliche Beispiele gibt es in Österreich: Ski-Legenden, die noch mit 70 auf der Piste stehen, Kletterer, die mit 75 Mehrseillängen angehen. Bewegung ist kein Jugendprivileg – aber sie braucht bei steigendem Alter gezielte medizinische Begleitung.
Die Österreichische Gesellschaft für Sportmedizin empfiehlt ab dem 45. Lebensjahr für Ausdauer- und Kraftsportler regelmäßige Belastungs-EKGs und Sportmedizinchecks, um versteckte Risiken frühzeitig zu erkennen. Das Bundesministerium für Gesundheit informiert auf gesundheit.gv.at umfassend über gesundes Bewegungsverhalten in allen Lebensphasen.
Wann sollten Bergsportler zum Arzt?
Nicht jeder ist Reinhold Messner. Aber auch für die vielen Österreicherinnen und Österreicher, die Wandern, Klettern oder Hochtouren betreiben, gelten bestimmte Warnsignale, die einen Arztbesuch erfordern:
Atemnot bei gewohnter Belastung: Wenn eine Tour, die früher leicht fiel, plötzlich kurzatmig macht, sollte ein Internist oder Kardiologe konsultiert werden. Das kann auf Herzrhythmusstörungen, Anämie oder verminderte Lungenfunktion hinweisen.
Anhaltende Gelenksschmerzen nach dem Berg: Kurzzeitiger Muskelkater ist normal. Schmerzen, die Tage nach einer Tour anhalten – besonders in Knien, Hüften oder der Wirbelsäule – können auf Knorpelschäden oder beginnende Arthrose hinweisen.
Frostbeulen und Kälteempfindlichkeit: Wer Erfrierungen hatte oder unter Raynaud-Syndrom leidet (weißlich anlaufende Finger bei Kälte), sollte diese Symptome durch einen Hautarzt oder Gefäßmediziner abklären lassen.
Orientierungsprobleme in der Höhe: Schwere Höhenkrankheit (akute Bergkrankheit) kann zum Höhenlungenödem oder -hirnödem führen. Nach einem solchen Erlebnis ist ein sportmedizinischer Check-up ratsam, bevor die nächste Hochgebirgstour geplant wird.
Der Messner-Effekt für den Alltagssportler
Was Reinhold Messner verkörpert, ist mehr als nur eine außergewöhnliche Lebensgeschichte: Es ist ein Argument für lebenslange Bewegung unter ärztlicher Begleitung. Sein Körper hat das Extremste geleistet – und funktioniert mit 81 noch erstaunlich gut. Das liegt nicht nur an Genetik, sondern auch an jahrzehntelanger professioneller sportmedizinischer Betreuung.
Für Bergsportler in Österreich bedeutet das: regelmäßige ärztliche Check-ups sind kein Eingeständnis von Schwäche, sondern ein Zeichen von Professionalität.
Aktive Bergsportler und ältere Erwachsene, die ihren Körper langfristig fit halten wollen, finden auf ExpertZoom qualifizierte Sportärzte und Allgemeinmediziner in Österreich – von Wien bis Innsbruck –, die auf Höhenmedizin und altersgerechte Trainingsberatung spezialisiert sind. Mehr über gesundes Bewegen in jedem Alter erfahren Sie auch auf der Gesundheitsplattform des Bundes.
Auf der Höhe der Zeit bleiben – das gilt für den Berg ebenso wie für die eigene Gesundheitsvorsorge.
Auf ExpertZoom können Sie einen Sportarzt oder Allgemeinmediziner in Ihrer Nähe konsultieren, der Sie bei Fragen rund um Bergsport, Höhenanpassung und aktives Altern kompetent berät.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine medizinische Diagnose oder ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen approbierten Arzt.
