Martin Rütters Abschiedstour 2026: Was Tierärzte über TV-Hundetraining wirklich denken

Hund im Park läuft frei, Symbolbild für Hundetraining und tierärztliche Beratung

Photo : Alan Shearman / Wikimedia

Anna Anna MüllerTiergesundheit und Veterinärmedizin
4 Min. Lesezeit 29. Mai 2026

Martin Rütter geht: Der bekannteste Hundeprofi Deutschlands und Österreichs hat seine große Abschiedstour angekündigt, die ihn ab Oktober 2026 ein letztes Mal durch Deutschland, Österreich und die Schweiz führen wird. Parallel läuft auf VOX seit dem 25. Mai 2026 die sechste Staffel seiner Sendung „Die Welpen kommen". Für Millionen Hundehalterinnen und Hundehalter ist das ein Anlass, einen Blick hinter die TV-Kulissen zu werfen: Was sagen Tierärzte eigentlich zu Rüttlers Methoden?

Martin Rütter und sein Abschied: Was hinter dem Phänomen steckt

Martin Rütter hat den Umgang mit Hunden in Deutschland und Österreich wie kaum jemand sonst geprägt. Sein Netzwerk umfasst mittlerweile über 150 Hundeschulen, die zum 1. Januar 2026 um 18 neue Standorte gewachsen sind. Seine Sendungen – von „Der Hundeprofi" bis zu „Die Welpen kommen" – haben Millionen Zuseherinnen und Zuseher erreicht und das Bewusstsein für Hundeverhalten in der breiten Bevölkerung geschärft.

Dass Rütter nun seine letzte Live-Tour ankündigt, ist mehr als eine persönliche Entscheidung. Für viele Hundebesitzer bedeutet es: Was bleibt von seinen Lehren? Welche seiner TV-Ratschläge sind auch aus tierärztlicher Sicht haltbar – und wo sollte man für die eigene Fellnase unbedingt einen Fachmann hinzuziehen?

Was Tierärzte an TV-Hundetraining schätzen

Grundsätzlich hat die Popularisierung des Hundetrainings durch TV-Formate wie jene Rüttlers einen positiven Effekt gehabt: Mehr Hundehalter beschäftigen sich aktiv mit dem Verhalten ihres Tieres, verstehen die Bedeutung von Bindung, Konsequenz und Beschäftigung. Tierärzte in Österreich bestätigen, dass Hunde, deren Halter sich mit Training auseinandergesetzt haben, oft entspannter und besser sozialisiert sind.

Rüttlers Kernbotschaft – Hunde brauchen klare Regeln, Bewegung und emotionale Zuwendung – deckt sich mit dem tiermedizinischen Grundverständnis. Die Österreichische Tierärztekammer (tieraerztekammer.at) betont, dass Verhaltensprobleme bei Hunden häufig aus mangelnder Beschäftigung und unklaren Grenzen resultieren. In diesem Punkt sind TV-Trainer und Fachtierärzte einer Meinung.

Wo die Grenze des TV-Trainings liegt

TV-Formate haben jedoch naturgemäß ihre Grenzen. Was vor der Kamera in einer Folge funktioniert, kann bei einem anderen Hund zu Hause ohne professionelle Begleitung scheitern oder sogar kontraproduktiv sein. Besonders bei Hunden mit einer Vorgeschichte von Misshandlung, Angststörungen oder neurologischen Auffälligkeiten – die von außen oft nicht sichtbar sind – ist Eigendiagnose nach Fernsehrezepten riskant.

Tierärzte und Tierverhaltenstherapeuten in Österreich weisen darauf hin, dass Verhaltensprobleme beim Hund häufig medizinische Ursachen haben können: chronische Schmerzen, Hormonstörungen, neurologische Erkrankungen oder Seheinschränkungen. Ein Hund, der aggressiv reagiert, muss nicht schlecht erzogen sein – er könnte Schmerzen haben. Solche Fälle brauchen keine Verhaltenskorrektur, sondern eine tierärztliche Diagnose.

Die häufigsten Missverständnisse beim Hundetraining

Eines der häufigsten Missverständnisse nach TV-Inspiration ist das Konzept der „Dominanz". Ältere Modelle, die Hunde als ständig um Rangordnung kämpfende Rudeltiere darstellten, gelten in der modernen Verhaltensmedizin als überholt. Die aktuelle tierärztliche Forschung zeigt: Hunde orientieren sich an Beziehungen, Vertrauen und Berechenbarkeit – nicht an hierarchischen Machtstrukturen.

Ein zweites Missverständnis betrifft die Strafe: Physische Korrektur oder Dominanzgesten, die in älteren TV-Formaten zu sehen waren, können Stress, Angst und langfristig reaktives Verhalten auslösen. Moderne Tierverhaltenstherapeuten setzen fast ausschließlich auf positive Verstärkung, geduldsbasiertes Training und – wenn nötig – verhaltensmedizinische Begleitung durch den Fachtierarzt.

Wann Sie zum Tierarzt oder Tierverhaltenstherapeuten sollten

Es gibt Situationen, in denen kein TV-Tipp und kein Hundeschul-Kurs reichen. Diese sind klar erkennbar:

  • Ihr Hund zeigt plötzliche Verhaltensänderungen ohne erkennbaren Grund (Aggression, Lethargie, Rückzug)
  • Er reagiert auf Berührung schmerzhaft oder übermäßig sensitiv
  • Ängste oder Phobien nehmen trotz Training zu
  • Er zeigt Zwangsverhalten wie exzessives Lecken, Kreisen oder Jagen von Schatten

In all diesen Fällen ist eine tierärztliche Untersuchung der erste Schritt – erst danach kommt die Verhaltensberatung. Auf Expert Zoom können österreichische Hundehalter schnell einen Tierarzt oder spezialisierten Tierverhaltenstherapeuten finden, bevor ein Problem eskaliert.

Martin Rütters Erbe: Bewusstsein und seine Grenzen

Martin Rütters Abschiedstour ab Oktober 2026 ist das Ende einer Ära. Sein größtes Verdienst: Er hat Hunderttausende Menschen dazu gebracht, ihren Hund besser zu verstehen. Dass seine Hündin Emma 2025 an Lungenkrebs starb und er das öffentlich teilte, machte deutlich, wie tief die Bindung zwischen Mensch und Tier reicht – und wie ernst er sein Engagement meint.

Das Wissen, das er popularisiert hat, bleibt. Aber gutes Hundetraining braucht Kontext, Geduld und manchmal tierärztliche Expertise. Wer seinen Hund wirklich optimal begleiten will, sollte TV-Tipps als Einstieg sehen – und beim ersten ernsthaften Problem einen Fachmann hinzuziehen.

Die Rolle der Fachtierärztin für Verhaltensmedizin

Österreich verfügt über ein wachsendes Netzwerk von Tierärztinnen und Tierärzten, die sich auf Verhaltensmedizin spezialisiert haben. Sie sind die wichtigste Schnittstelle zwischen medizinischer Diagnose und Training: Bevor ein Verhaltensproblem angegangen wird, schließen sie körperliche Ursachen aus – eine Untersuchung, die kein TV-Trainer und keine Hundeschule leisten kann. Die Österreichische Tierärztekammer empfiehlt bei anhaltenden Verhaltensproblemen immer zuerst eine tierärztliche Konsultation, bevor mit intensivem Training begonnen wird.

Das ist Rüttlers wohl wichtigste unausgesprochene Botschaft: Hunde sind Lebewesen mit individueller Geschichte, individuellen Bedürfnissen und manchmal individuellen medizinischen Problemen. Kein Rezept aus dem Fernsehen ersetzt das vertrauensvolle Gespräch mit einer Fachperson. Gerade für Welpenbesitzer, die durch Rüttlers aktuelle Sendung „Die Welpen kommen" (VOX, ab 25. Mai 2026) neu in die Welt des Hundehaltens einsteigen, gilt: Der erste Gang nach dem Kauf gehört zum Tierarzt – für Impfungen, Parasitenprophylaxe und eine erste Verhaltensbeurteilung. Expert Zoom verbindet österreichische Hundehalter mit Tierärztinnen und Tierärzten, die auch kurzfristig für eine Online-Beratung zur Verfügung stehen. Wie Tierschutz und professionelle Tiermedizin zusammenwirken, zeigt auch das Beispiel großer Hilfsprojekte: Was Tierärzte bei Wildtieren leisten.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Bei Verhaltensproblemen Ihres Haustieres wenden Sie sich an eine Tierärztin oder einen Tierarzt.

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