Kronprinzessin Mette-Marit mit Sauerstoffgerät: Was Österreicher über Lungentransplantationen wissen sollten

Kronprinzessin Mette-Marit von Norwegen – öffentlicher Auftritt trotz chronischer Lungenerkrankung und Sauerstoffgerät 2026

Photo : Snowflake2235 / Wikimedia

Claudia Claudia GruberGesundheit
4 Min. Lesezeit 17. Mai 2026

Kronprinzessin Mette-Marit von Norwegen wurde am Nationalfeiertag 2026 öffentlich mit einem Sauerstoffgerät gesehen. Die 52-jährige Ehefrau des norwegischen Kronprinzen Haakon leidet seit Jahren an einer chronischen Lungenerkrankung und wartete zuletzt auf eine Lungentransplantation. Die Bilder aus Oslo gingen rasch durch alle deutschsprachigen Medien – und lösten in Österreich eine wichtige Frage aus: Was wissen wir eigentlich über schwere Lungenerkrankungen und Organtransplantation?

Was über Mette-Marits Erkrankung bekannt ist

Kronprinzessin Mette-Marit gab im Jahr 2018 bekannt, an einer idiopathischen Lungenfibrose zu leiden – einer chronisch-progressiven Erkrankung, bei der das Lungengewebe zunehmend vernarbt. Die Krankheit ist unheilbar und schreitet langsam, aber unaufhaltsam fort. In der Endphase ist eine Lungentransplantation oft die einzige lebenserhaltende Option.

Dass Mette-Marit nun mit Sauerstoffgerät bei offiziellen Anlässen erscheint, signalisiert eine Verschlechterung ihres Zustands. Gleichzeitig setzt sie damit ein starkes öffentliches Signal: Schwere Erkrankungen sind kein Grund für den Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben – wenn die Kraft es erlaubt.

Was ist eine Lungentransplantation?

Eine Lungentransplantation ist ein komplexer chirurgischer Eingriff, bei dem eine erkrankte Lunge durch die gesunde Lunge oder Lungenteile eines Organspenders ersetzt wird. In Österreich werden jährlich rund 40 bis 60 Lungentransplantationen durchgeführt – vorwiegend am Allgemeinen Krankenhaus Wien (AKH) und am Landeskrankenhaus Graz.

Die häufigsten Diagnosen, die zu einer Lungentransplantation führen, sind:

  • Idiopathische Lungenfibrose (wie bei Mette-Marit)
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
  • Cystische Fibrose (Mukoviszidose)
  • Pulmonale arterielle Hypertonie

Die Überlebensrate nach einer Lungentransplantation liegt bei etwa 80 Prozent nach einem Jahr und 50 Prozent nach fünf Jahren – je nach Grunderkrankung und Alter.

Auf der Warteliste: Wie funktioniert Organtransplantation in Österreich?

Österreich hat eine besondere Regelung beim Thema Organspende: die sogenannte Widerspruchslösung. Jede in Österreich gemeldete Person gilt automatisch als Organspender, sofern sie zu Lebzeiten keinen Widerspruch eingetragen hat. Das Widerspruchsregister wird beim Gesundheitsministerium geführt.

Wer seine Entscheidung aktiv dokumentieren möchte – ob als Spender oder als Nicht-Spender – kann das offiziell über das Organspendeausweis-Register des österreichischen Gesundheitsministeriums tun.

Patienten, die auf eine Lungentransplantation warten, werden über Eurotransplant, die gemeinsame Vermittlungsstelle der acht mitteleuropäischen Mitgliedsländer (darunter Österreich), gelistet. Die Wartezeit kann je nach Blutgruppe, Körpergröße und Dringlichkeit zwischen wenigen Monaten und mehreren Jahren betragen.

Wann sollte man bei Atembeschwerden zum Arzt?

Der Fall Mette-Marit ist ein Weckruf: Lungenerkrankungen werden in den frühen Stadien oft unterschätzt. Folgende Symptome sollten ernst genommen und frühzeitig abgeklärt werden:

Symptome, die ärztliche Abklärung erfordern:

  • Anhaltender Husten, der nicht auf Erkältung zurückzuführen ist
  • Atemnot bei körperlicher Belastung, die zunimmt
  • Pfeifende oder rasselnde Atemgeräusche
  • Unerklärlicher Gewichtsverlust kombiniert mit Erschöpfung
  • Verfärbung der Lippen oder Fingernägel ins Bläuliche (Zeichen von Sauerstoffmangel)

Je früher eine Lungenerkrankung erkannt wird, desto besser sind die Behandlungsaussichten. Viele Formen der Lungenfibrose können in frühen Stadien mit Medikamenten verlangsamt werden – auch wenn eine Heilung nicht möglich ist.

Lungenfibrose in Österreich: Zahlen und Betroffene

Idiopathische Lungenfibrose (IPF) ist eine seltene Erkrankung, trifft aber mehr Menschen als viele denken. In Österreich leben schätzungsweise 3.000 bis 5.000 Personen mit einer diagnostizierten Lungenfibrose. Die Dunkelziffer ist deutlich höher, da Symptome im frühen Stadium oft mit einer COPD oder einem chronischen Husten verwechselt werden.

Betroffen sind häufig Menschen über 60 Jahre – wobei Mette-Marits Erkrankung im relativ jungen Alter von Anfang 40 diagnostiziert wurde und damit einen atypischen Verlauf zeigt. Männer erkranken etwas häufiger als Frauen. Als Risikofaktoren gelten Rauchen, bestimmte Staubbelastungen und genetische Veranlagungen – bei der idiopathischen Form ist die Ursache jedoch per Definition unbekannt.

In den letzten Jahren wurden in der EU neue Therapien zugelassen (wie Pirfenidon und Nintedanib), die das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen können. Sie sind keine Heilung, verlängern aber die Zeit bis zur Notwendigkeit einer Transplantation erheblich. In Österreich sind beide Medikamente über das kassenfinanzierte System verfügbar, allerdings nur unter bestimmten Bedingungen und nach fachärztlicher Einleitung.

Wie Österreicher Zugang zur richtigen Lungenmedizin finden

Nicht jede Praxis ist auf seltene oder schwere Lungenerkrankungen spezialisiert. Patienten mit unklaren Atembeschwerden sollten folgende Schritte unternehmen:

  1. Hausarzt aufsuchen und Lungenfunktionstest anfordern (Spirometrie)
  2. Überweisung zum Pulmologen (Lungenfacharzt) bei auffälligen Befunden
  3. Bei Verdacht auf Fibrose oder seltenere Erkrankungen: Universitätsklinik oder spezialisiertes Lungenzentrum kontaktieren
  4. Second Opinion einholen: Gerade bei schwerwiegenden Diagnosen ist eine Zweitmeinung sinnvoll – und in Österreich medizinisch möglich

Ein Arzt für innere Medizin oder ein spezialisierter Pulmologe kann nicht nur die Diagnose stellen, sondern auch die Eignung für eine Transplantation einschätzen und die notwendigen Schritte für die Eurotransplant-Listung einleiten.

Kronprinzessin Mette-Marit: Ein Vorbild für offenen Umgang mit Krankheit

Was Mette-Marit mit ihren öffentlichen Auftritten trotz schwerer Krankheit demonstriert, ist bemerkenswert: Transparenz statt Verheimlichung. Das hat auch in Österreich eine wichtige Botschaft für Patienten, Angehörige und das Gesundheitssystem: Schwere Erkrankungen sollten offen angesprochen werden – gegenüber Ärzten, der Familie und dem Arbeitgeber.

Besonders wichtig ist die Frage der Zweitmeinung. In Österreich haben gesetzlich Krankenversicherte das Recht, eine weitere ärztliche Meinung einzuholen – ein Recht, das viele nicht wahrnehmen. Gerade bei schwerwiegenden Diagnosen wie Lungenfibrose oder dem Verdacht auf eine seltene Atemwegserkrankung ist eine Zweitmeinung an einem spezialisierten Zentrum empfehlenswert und kann die Behandlungsstrategie grundlegend verändern.

Auf ExpertZoom finden Sie erfahrene Allgemeinmediziner und Spezialisten in Österreich, die Ihnen bei Atemwegsbeschwerden und Lungenerkrankungen weiterhelfen können. Buchen Sie jetzt eine Konsultation – denn frühe Diagnose kann Leben retten.

Hinweis: Dieser Artikel bietet allgemeine medizinische Informationen. Er ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Wenden Sie sich bei Beschwerden immer an einen Arzt.

Unsere Experten

Vorteile

Schnelle und präzise Antworten auf alle Ihre Fragen und Hilfsanfragen in über 200 Kategorien.

Tausende von Nutzern haben eine Zufriedenheit von 4,9 von 5 für die Beratung und Empfehlungen unserer Assistenten erhalten.

Kontaktieren Sie uns

E-Mail
Folgen Sie uns