Kräuterweihe zu Mariä Himmelfahrt: Diese 5 Kräuter aus dem Bükett sind für Hunde und Katzen gefährlich

Grauer Kater schnuppert an einem bunten Kräuterweihebükett auf einem Holztisch – Gefahr durch Johanniskraut und Beifuß für Haustiere
Anna Anna MüllerTiergesundheit und Veterinärmedizin
6 Min. Lesezeit 5. August 2026

Am 14. August 2026 zieht Hitzendorf bei Graz, bekannt für sein traditionsreiches Patronatsfest, wieder Hunderte von Besuchern aus der ganzen Steiermark an: zur Sternwallfahrt, dem Hochamt und der alljährlichen Kräuterweihe zu Mariä Himmelfahrt. Bunte Bükett aus Wildkräutern werden gesegnet und nach Hause mitgenommen. Was viele Tierhalter dabei nicht bedenken: Mehrere der klassischen Weihegewächse sind für Hunde und Katzen gefährlich – und der Feiertag selbst macht die Situation für Betroffene besonders heikel, weil tierärztliche Notfalldienste schwerer erreichbar sind als an normalen Werktagen.

Was in einem österreichischen Kräuterweihebükett steckt

Die Tradition der Kräuterweihe zu Mariä Himmelfahrt reicht in manchen österreichischen Gemeinden bis ins Mittelalter zurück. Traditionell werden 7, 9, 14 oder sogar 77 verschiedene Wildkräuter und Heilpflanzen zu einem Weihestrauß gebunden. Dabei gibt es keine einheitliche Vorschrift – jede Region, jede Familie und bisweilen jede Kirche hat ihre eigene Mischung. Zu den häufigsten Bestandteilen zählen Johanniskraut, Beifuß, Wermut, Schafgarbe, Thymian, Lavendel, Rainfarn, Baldrian, Kamille, Eisenkraut sowie verschiedene Feldgräser und Getreidehähre.

Nach dem Festgottesdienst werden die Bükett heimgetragen und in der Wohnung aufgehängt, getrocknet und bisweilen das ganze Jahr über aufbewahrt – als Schutz und Erinnerung zugleich. In Haushalten mit Hunden und Katzen beginnt hier das Problem: Das Bükett landet im Eingangsbereich, auf dem Küchentisch oder an einem Haken, der für eine Katze problemlos erreichbar ist. Mehrere der enthaltenen Pflanzen können für Vierbeiner eine ernsthafte Vergiftung auslösen – und die Kombination verschiedener Kräuterarten in einem Bükett kann die Gesamttoxizität noch erhöhen.

Was Tierärzte zu diesen Kräutern sagen

Tiermedizinische Experten machen seit Jahren darauf aufmerksam, dass Heilpflanzen, die für Menschen unbedenklich oder sogar heilsam sind, für Haustiere erhebliche Risiken darstellen können. Der Hauptgrund liegt in fundamentalen Unterschieden im Stoffwechsel: Katzen fehlen bestimmte Leberenzyme (UGT1A6-Glucuronidase), die bei der Entgiftung ätherischer Öle und spezifischer Pflanzenwirkstoffe unverzichtbar sind. Hunde sind zwar metabolisch robuster als Katzen, aber auch bei ihnen können mehrere der klassischen Weihegewächse erhebliche Probleme verursachen.

Johanniskraut (Hypericum perforatum) gehört zu den Standardkräutern vieler Bükett. Für Katzen kann es zur Photosensibilisierung führen: Nach der Aufnahme entwickeln betroffene Tiere eine erhöhte Lichtempfindlichkeit – unbehaarte Hautstellen röten sich, Blasen können entstehen. Hellfarbige oder weiße Katzen, die ins Freie gehen, sind besonders gefährdet. Das Tückische: Die Symptome treten oft erst Stunden nach dem Fressen auf, wenn das Tier das nächste Mal der Augustsonne ausgesetzt wird. Im Hochsommer ist der Zeitraum bis zur Exposition minimal.

Wermut (Artemisia absinthium) enthält Thujon, einen Wirkstoff, der das zentrale Nervensystem angreift. Bei Hunden und Katzen kann bereits eine kleine Menge Wermut Zittern, Krampfanfälle und in schweren Fällen Leberschäden verursachen. Wermut findet sich in manchen regionalen Kräuterweihemischungen, besonders im steirischen und Tiroler Raum.

Beifuß (Artemisia vulgaris), ein naher Verwandter des Wermuts, enthält ähnliche Inhaltsstoffe und kann bei empfindlichen Tieren Magen-Darm-Beschwerden, Durchfall und allergische Reaktionen auslösen. Katzen reagieren auf Artemisia-Arten generell besonders empfindlich.

Rainfarn (Tanacetum vulgare) enthält Thujon in konzentrierter Form und gilt sowohl für Hunde als auch für Katzen als giftig. Die Symptome einer Vergiftung umfassen Erbrechen, Durchfall und im schlimmsten Fall Krampfanfälle.

Schafgarbe (Achillea millefolium) ist in zahlreichen traditionellen Bükett vertreten. Sie enthält unter anderem Kampfer und alpha-Thujon und kann bei Hunden und Katzen Erbrechen sowie allergische Hautreaktionen hervorrufen.

Lavendel (Lavandula angustifolia) gilt in geringen Mengen als vergleichsweise niedrigtoxisch, enthält aber Linalool und Linalylacetat, die bei Katzen bei größerer Aufnahme Lebertoxizität auslösen können. Tiere, die wiederholt an Lavendelzweigen kauen oder ätherische Öle in Hochkonzentration einatmen, können Symptome entwickeln.

Die österreichische Vergiftungsinformationszentrale (VIZ) steht rund um die Uhr für Anfragen zu Pflanzenvergiftungen bei Mensch und Tier zur Verfügung – auch am Feiertag. Die Nummer lautet +43 1 406 43 43.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle tierärztliche Beratung. Bei konkretem Verdacht auf eine Vergiftung wenden Sie sich sofort an einen Tierarzt oder die VIZ.

Wenn der Kater das Bükett erwischt: Was konkret passiert

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Es ist der Abend des 14. August 2026. Sie kommen von der Kräuterweihe in der Hitzendorfer Pfarrkirche zurück und legen das gesegnete Bükett provisorisch auf den Küchentisch. Am nächsten Morgen – dem gesetzlichen Feiertag Mariä Himmelfahrt – finden Sie Ihren Kater unter dem Tisch zwischen heruntergefallenen Kräuterzweigen. Johanniskraut und Beifuß liegen auf dem Boden, einige Blättchen fehlen.

Wenn Ihr Tier weniger als 1 Gramm Frischmasse gefressen hat und keine sofortigen Symptome zeigt – normales Verhalten, keine Übelkeit, keine Apathie –, ist zunächst genaue Beobachtung angezeigt. Trotzdem sollten Sie noch am selben Tag tierärztlichen Rat einholen, denn die Photosensibilisierung durch Johanniskraut kann erst Stunden nach der Aufnahme sichtbar werden, sobald das Tier ins Tageslicht geht.

Wenn Ihr Tier mehr als 2–3 Gramm Pflanzenmaterial aufgenommen hat oder Symptome wie Erbrechen, Durchfall, übermäßigen Speichelfluss, Zittern oder starke Teilnahmslosigkeit zeigt, ist unverzügliche tierärztliche Behandlung erforderlich – auch wenn es Feiertag ist. Warten Sie nicht bis zum nächsten Werktag.

Was der Tierarzt tut: Bei einem akuten Vergiftungsverdacht wird der Tierarzt zunächst eine körperliche Untersuchung vornehmen und – wenn die Aufnahme weniger als zwei Stunden zurückliegt – häufig Erbrechen einleiten. In schweren Fällen erfolgt eine Infusionstherapie zur Unterstützung der Leber und der Nieren. Die Behandlung einer mittelschweren Pflanzenvergiftung beim Kleintier dauert typischerweise 6 bis 12 Stunden stationär.

Die Kosten für eine tierärztliche Notfallkonsultation am 15. August liegen in der Region Graz und Graz-Umgebung typischerweise zwischen 90 und 200 Euro. Wird ein Tier dagegen erst am nächsten Werktag vorgestellt und benötigt dann stationäre Behandlung inklusive Infusion und Überwachung, können die Kosten rasch auf 600 bis 1.500 Euro steigen. Frühzeitiges Handeln senkt nicht nur die Kosten erheblich – es kann im Zweifelsfall das Leben des Tieres retten.

Was Sie vor Mariä Himmelfahrt konkret tun können

Tierärzte empfehlen Haustierbesitzern, die an Kräuterweihen teilnehmen, diese fünf Maßnahmen noch vor dem Feiertag:

1. Bükett unzugänglich aufhängen. Wählen Sie einen Aufhängepunkt mindestens 1,80 Meter hoch oder in einem Raum, der für Ihre Tiere dauerhaft verschlossen bleibt. Denken Sie daran: Katzen klettern – „zu hoch" gibt es kaum.

2. Heruntergefallene Kräuter sofort entfernen. Blätter und Stängelteile, die aus dem Bükett fallen, werden von Hunden und Katzen oft als Spielzeug oder Futter betrachtet. Reinigen Sie den Bereich täglich und insbesondere am Morgen nach der Kräuterweihe.

3. Tierärztlichen Notfalldienst vorab recherchieren. Suchen Sie bereits heute heraus, welche Praxis oder Klinik in Ihrem Bezirk am 15. August Notfalldienst anbietet. In und um Graz bieten mehrere tierärztliche Gemeinschaftspraxen und die Kliniken der Veterinärmedizinischen Universität Wien auch an Feiertagen Notfallversorgung an.

4. Nummer der VIZ bereithalten. Die Vergiftungsinformationszentrale ist unter +43 1 406 43 43 rund um die Uhr erreichbar und berät bei Verdacht auf Pflanzenvergiftung auch Tierhalter – kostenlos, ohne Anmeldung.

5. Bei Verhaltensänderung sofort reagieren. Wenn Ihr Tier nach Kräuterkontakt anders als sonst wirkt – weniger aktiv, appetitlos, apathisch oder ungewöhnlich reizbar –, warten Sie nicht auf eindeutige Symptome. Ein frühzeitiger Anruf beim Tierarzt kostet wenig und kann viel verhindern.

Bei Unsicherheit, ob das eigene Tier bestimmte Kräuter verträgt, oder wenn Sie wissen möchten, welche Pflanzen im Bükett sicher von Tieren ferngehalten werden sollten, bietet eine Online-Erstberatung durch einen Tierarzt eine niederschwellige erste Orientierung – besonders wenn kein akuter Notfall vorliegt, aber Fragen offen sind.

Schöne Tradition, bewusst genossen

Die Kräuterweihe zu Mariä Himmelfahrt ist in Österreich ein lebendiger Volksbrauch mit Jahrhunderten Geschichte. In Hitzendorf, wo die Pfarrkirche der Gottesmutter geweiht ist, hat das Fest eine besonders tiefe Bedeutung: Die Sternwallfahrt am Abend des 14. August und das Hochamt mit Kräuterweihe am 15. August ziehen Jahr für Jahr Gläubige aus der ganzen Weststeiermark an – Familien mit Kindern, ältere Paare und junge Menschen, die den Brauch von ihren Eltern und Großeltern übernehmen.

Wer mit Hund oder Katze im Haushalt lebt, muss auf diesen Brauch nicht verzichten – er muss ihn nur bewusst gestalten. Ein Bükett, das sicher und unzugänglich aufgehängt ist, der bekannte Notfallkontakt auf dem Handy und ein kurzer Blick auf die Kräuterliste: Das ist alles, was es braucht, damit Mariä Himmelfahrt 2026 für die ganze Familie – zweibeinige wie vierbeinige Mitglieder – ein friedlicher, schöner Feiertag wird.

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