Karl Wilfing bricht auf Radtour zusammen: Was Sportler ab 60 über Herznotfälle wissen müssen

Notarzt behandelt kollabierten Radfahrer auf einem Radweg in Österreich
Claudia Claudia GruberGesundheit
6 Min. Lesezeit 24. August 2026

Der 65-jährige Niederösterreichische Landtagspräsident Karl Wilfing bricht am 24. August 2026 während einer Radtour auf dem Thayatalradweg im Waldviertel zusammen. Zufällig anwesende Ersthelfer leisten sofort Herzdruckmassage, ein Notarzthubschrauber fliegt ihn in die Universitätsklinik St. Pölten, wo noch am selben Tag eine Notoperation durchgeführt wird. Seither liegt der ÖVP-Politiker im künstlichen Tiefschlaf. Der Vorfall erschüttert ganz Niederösterreich — und wirft gleichzeitig eine Frage auf, die hunderttausende österreichische Hobbysportler betrifft: Wie gefährlich ist intensive körperliche Betätigung für Menschen ab 60, welche Warnzeichen sollte man ernst nehmen, und wann sollte man vor der nächsten großen Tour unbedingt zum Arzt?

Was bei einem Herznotfall im Sport wirklich passiert

Wenn das Herz während körperlicher Belastung plötzlich aus dem Takt gerät, zählt jede Sekunde. Beim sogenannten plötzlichen Herztod — medizinisch „sudden cardiac arrest" — hört das Herz auf, Blut zu pumpen. Ohne sofortige Herzdruckmassage und Defibrillation sinken die Überlebenschancen mit jeder Minute um etwa zehn Prozent. Laut der Österreichischen Herzstiftung überleben in Österreich nur rund zehn bis zwölf Prozent der Opfer eines außerklinischen Herzstillstands — fast immer jene, bei denen Ersthelfer unverzüglich reagiert haben.

Die gute Nachricht: Sport schützt das Herz langfristig. Regelmäßige moderate Bewegung senkt das Herzinfarktrisiko um bis zu 35 Prozent, wie europäische Langzeitstudien belegen. Die schlechte Nachricht: Das kurze Zeitfenster der Belastung selbst erhöht bei bestimmten Vorerkrankungen das Risiko für einen akuten Herznotfall dramatisch. Radfahren auf langen Strecken, weit entfernt von Notaufnahmen und Defibrillatoren, ist dabei ein besonders kritischer Kontext.

Typischerweise verläuft ein sportlicher Herznotfall so: Eine bereits vorgeschädigte Herzarterie wird durch den erhöhten Sauerstoffbedarf bei Belastung blockiert — entweder durch ein Blutgerinnsel oder durch einen Krampf der Gefäßwand. Das Herz beginnt unregelmäßig zu schlagen (Kammerflimmern), verliert seine Pumpfunktion, und der Kreislauf bricht zusammen. Der Betroffene verliert das Bewusstsein — oft ohne jede Vorwarnung, oder nach kurzen Warnzeichen, die kurz davor ignoriert wurden.

Risikofaktoren: Wer ist besonders gefährdet?

Männer über 50 sind statistisch am stärksten betroffen. Laut der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie steigt das Herzinfarktrisiko beim Sport ab dem 40. Lebensjahr messbar an — und verdoppelt sich nochmals nach dem 60. Lebensjahr. Folgende Faktoren erhöhen das Risiko besonders:

Unentdeckter Bluthochdruck: In Österreich leidet schätzungsweise jeder dritte Erwachsene an Bluthochdruck, viele ohne es zu wissen. Bluthochdruck belastet das Herz dauerhaft und schädigt die Gefäßwände still über Jahre, ohne zunächst Schmerzen zu verursachen.

Vorhofflimmern: Diese häufigste Herzrhythmusstörung betrifft laut Österreichischer Herzstiftung rund 100.000 Österreicher. Sie verläuft häufig symptomlos bis zu einem akuten Ereignis — und erhöht das Herzinfarktrisiko erheblich.

Ungewohnte intensive Belastung: Wer nach einer längeren Pause wieder mit vollem Einsatz trainiert oder die Streckenlänge rasch steigert, riskiert mehr als jemand, der ein graduelles Aufbautraining absolviert. Das Herz braucht Zeit, sich anzupassen.

Dehydrierung und Hitze: Im österreichischen Hochsommer bei Temperaturen über 30 Grad verdickt sich das Blut durch Schwitzen erheblich. Gleichzeitig erweitern sich die Blutgefäße in der Haut zur Kühlung, was den Kreislauf zusätzlich belastet und bei vorgeschädigtem Herzen zur gefährlichen Engstelle werden kann.

Diabetes und Übergewicht: Beide Erkrankungen fördern die Arteriosklerose — die Verhärtung und Verengung der Herzkranzgefäße — und erhöhen damit das Herzinfarktrisiko signifikant.

Familiäre Vorgeschichte: Wer Eltern oder Geschwister hatte, die vor dem 60. Lebensjahr einen Herzinfarkt erlitten, trägt selbst ein genetisch erhöhtes Risiko und sollte dies bei der kardiologischen Vorsorge ansprechen.

Warnzeichen, die man nie ignorieren sollte

Viele akute Herznotfälle beim Sport kündigen sich an — und werden dennoch bagatellisiert. Folgende Symptome sollten jeden sportlich aktiven Menschen sofort zum Innehalten veranlassen:

  • Ungewöhnliche Erschöpfung bei gewohnter Belastung — man schafft plötzlich keine Strecke mehr, die man letzte Woche mühelos absolviert hat
  • Druckgefühl, Engegefühl oder Schmerzen in der Brust, die in Schulter, Kiefer oder linken Arm ausstrahlen
  • Herzstolpern, Herzrasen oder ein unregelmäßiger Herzschlag ohne erkennbaren Auslöser
  • Kurzatmigkeit weit über das normale Maß für die jeweilige Anstrengung hinaus
  • Schwindel, Benommenheit oder Ohnmachtsgefühl während oder kurz nach dem Sport
  • Kalter Schweiß kombiniert mit Übelkeit oder plötzlicher Blässe

Entscheidend ist die Neuheit dieser Symptome: Wer sie erstmals erlebt oder wenn sie sich verstärken, sollte sofort pausieren. Bei anhaltenden Beschwerden gilt: unverzüglich den Notruf 144 wählen. Im Zweifel lieber einmal zu viel anrufen als einmal zu wenig — die Leitstelle klärt, ob ein Einsatz notwendig ist.

Was das konkret bedeutet: Der 62-jährige Hobbyradler

Nehmen wir ein Beispiel, das für viele österreichische Sportler typisch sein könnte: Ein 62-jähriger Pensionär aus dem Weinviertel fährt regelmäßig 50 bis 80 Kilometer pro Wochenende Rad. Er fühlt sich fit, hat keine offensichtlichen Beschwerden, war seit drei Jahren bei keiner Ärztin und keinem Arzt mehr, weil "nichts wehtut". An einem heißen Augusttag 2026 wählt er eine anspruchsvolle Strecke mit 350 Höhenmetern, trinkt zu wenig und ist sieben Stunden bei 33 Grad unterwegs.

Was er nicht weiß: Sein Blutdruck liegt bei 178/105 mmHg, und er hat ein unentdecktes Vorhofflimmern. In dieser Kombination ist sein Herzinfarkt-Risiko unter solcher Belastung laut europäischen kardiologischen Leitlinien viermal höher als bei einem gleichaltrigen Mann mit normalen Werten.

Ein Sportbelastungs-EKG beim Internisten oder Kardiologen hätte dieses Vorhofflimmern mit hoher Wahrscheinlichkeit aufgedeckt — Kosten: in der Regel 60 bis 100 Euro, in vielen Fällen anteilig oder vollständig von der Krankenkasse erstattet. Mit der richtigen Therapie (Blutverdünnung, gegebenenfalls Herzrhythmus-Korrektur) hätte er weiterhin Sport treiben können — sicher, kontrolliert, mit deutlich niedrigerem Risiko.

Wenn stattdessen ein Herzstillstand eintritt: Ein Notarzthubschrauber-Einsatz kostet den österreichischen Rettungsdienst zwischen 3.000 und 6.000 Euro. Die anschließende Intensivbehandlung und Rehabilitation kann Wochen dauern und ein Vielfaches verschlingen — von den langfristigen Folgen für Betroffene und ihre Familien ganz abgesehen.

Die praktische Regel: Wer 60 Jahre oder älter ist, regelmäßig intensiv Sport treibt und seit mehr als einem Jahr keinen Herzgesundheits-Check hatte, sollte diesen jetzt nachholen — bevor die nächste große Tour geplant wird.

Was Sie jetzt tun können

Vorsorgeuntersuchung nutzen: In Österreich hat jede Person ab 18 Jahren Anspruch auf eine kostenlose Vorsorgeuntersuchung beim Hausarzt — ab 45 werden dabei standardmäßig Herzparameter wie Blutdruck, Cholesterin und Ruhe-EKG geprüft. Wer regelmäßig intensiv trainiert, sollte zusätzlich ein Belastungs-EKG beim Internisten oder Sportmediziner anfordern. Informationen zur Vorsorgeuntersuchung und zu kassenärztlichen Anlaufstellen bietet das Österreichische Gesundheitsportal.

Erste Hilfe auffrischen: Grundkenntnisse in Herzdruckmassage können im Ernstfall das Leben eines Mitradlers retten. 100 bis 120 kräftige Drücke pro Minute auf den Brustkorb überbrücken die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes. Das Rote Kreuz Österreich und der Samariterbund bieten Kurse bereits ab unter 30 Euro an.

AED-Standorte kennen: In vielen österreichischen Gemeinden sind öffentliche Defibrillatoren (AEDs) installiert — in Rathäusern, Bahnhöfen, Sporthallen. Die kostenlose App "AED Österreich" zeigt den nächstgelegenen Standort in Echtzeit. Vor einer langen Radtour lohnt es sich, die AED-Punkte entlang der Strecke zu kennen.

Individuelle Risikobewertung: Allgemeine Informationen helfen, ersetzen aber keine persönliche Einschätzung durch einen Experten, der Ihre Krankengeschichte kennt. Ein Allgemeinmediziner, Internist oder Sportmediziner kann das individuelle kardiovaskuläre Risiko präzise einschätzen — und ein angepasstes Trainingsprogramm empfehlen, das Sicherheit und Freude am Sport verbindet. Auf Expert Zoom finden österreichische Nutzer qualifizierte Gesundheitsexperten für genau solche Beratungen.

Trainingstagebuch und Puls-Monitoring: Moderne Sportwatches und Herzfrequenzmesser ermöglichen es, die eigene Herzfrequenz während des Trainings laufend im Blick zu behalten. Wer seine maximale Herzfrequenz kennt — vereinfachte Formel: 220 minus Lebensalter — kann Belastungszonen definieren und sicherstellen, dass er die aerobe Zone (60 bis 80 Prozent der Maximalfrequenz) nicht dauerhaft überschreitet. Dauerhaftes Trainieren nahe der Maximalfrequenz ist für untrainierte oder ältere Sportler ohne ärztliche Freigabe nicht empfehlenswert.


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Bei akuten Beschwerden wählen Sie sofort den Notruf 144.

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