Jürgen Drews feierte am 2. April 2026 seinen 81. Geburtstag — mit Tränen in den Augen und vor seinen engsten Vertrauten. Der Schlagerstar, der seit Jahren mit einer unheilbaren Polyneuropathie kämpft, zeigte sich emotional bewegt und sprach öffentlich über seinen Gesundheitszustand: „Ich bin froh, dass ich gesund bin und mich so wohl fühle, wie ich mich fühle." Sein Fall rückt eine Erkrankung ins Licht, die in Österreich und Deutschland Millionen älterer Menschen betrifft.
Was ist Polyneuropathie?
Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, bei der mehrere Nerven gleichzeitig geschädigt werden. Bei Jürgen Drews äußert sich die Krankheit vor allem durch Gangstörungen und schnelle Erschöpfung bei Belastung. Er beschrieb gegenüber der Bild-Zeitung, dass er „bei längeren Gängen etwas schneller müde" werde und eine „leichte Gangunsicherheit" spüre.
Die Ursachen sind vielfältig: Diabetes mellitus ist mit Abstand der häufigste Auslöser in Österreich. Laut der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGFN) zählen außerdem übermäßiger Alkoholkonsum, Vitaminmangel (insbesondere B12), Medikamentennebenwirkungen und autoimmune Erkrankungen zu den häufigen Ursachen.
Symptome, die Sie ernst nehmen sollten
Polyneuropathie beginnt häufig schleichend — oft zunächst in den Füßen und Händen:
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Füßen, Zehen oder Händen
- Brennende Schmerzen besonders nachts
- Schwächegefühl in den Beinen, Unsicherheit beim Gehen
- Verlust des Gleichgewichts, erhöhtes Sturzrisiko
- Temperatursensibilitätsstörungen — Unfähigkeit, Kälte oder Wärme korrekt wahrzunehmen
Diese Symptome werden von älteren Patienten häufig als „normale Alterserscheinungen" abgetan. Das ist ein Fehler: Je früher eine Polyneuropathie diagnostiziert und behandelt wird, desto besser sind die Chancen, das Fortschreiten zu verlangsamen.
Welche Behandlungen sind verfügbar?
Jürgen Drews berichtete, dass er mit einer neuen Therapie Fortschritte erzielt. Tatsächlich gibt es mehrere Ansätze, die bei Polyneuropathie eingesetzt werden:
Behandlung der Grunderkrankung: Bei diabetischer Polyneuropathie steht die Blutzuckereinstellung an erster Stelle. Eine optimierte Diabeteskontrolle kann das Fortschreiten der Nervenschäden verlangsamen oder stoppen.
Schmerztherapie: Bestimmte Antidepressiva (Duloxetin, Amitriptylin) und Antiepileptika (Gabapentin, Pregabalin) lindern neuropathische Schmerzen effektiv, auch wenn sie für die Primärindikation nicht direkt entwickelt wurden.
Physiotherapie und Gangtraining: Gezielte Kräftigungsübungen und Gleichgewichtstraining verbessern die Mobilität und reduzieren das Sturzrisiko erheblich. Gerade für ältere Patienten wie Drews ist dies ein zentraler Baustein der Therapie.
Ergänzende Ansätze: Alpha-Liponsäure wird als Nahrungsergänzungsmittel diskutiert — die Evidenz ist begrenzt, aber einige Studien zeigen moderate positive Effekte bei diabetischer Polyneuropathie.
Aktiv altern mit einer chronischen Erkrankung: was die Wissenschaft sagt
Drews zeigt, dass ein erfülltes, aktives Leben mit einer Polyneuropathie-Diagnose möglich ist. Die Wissenschaft bestätigt: Regelmäßige körperliche Aktivität im Rahmen der eigenen Belastungsgrenze ist einer der stärksten Schutzfaktoren gegen das Fortschreiten vieler chronischer Erkrankungen im Alter.
Eine Studie aus dem Journal of Neurology (2024) zeigte, dass moderate Ausdauerbelastung bei Patienten mit peripherer Polyneuropathie zu messbarer Verbesserung der Nervenleitgeschwindigkeit führen kann. Das bedeutet nicht, dass jede Polyneuropathie reversibel ist — aber aktive Patienten erhalten ihre Lebensqualität deutlich länger als inaktive.
Konkrete Empfehlungen für ältere Patienten:
- Tägliches Gehen — auch kurze Spaziergänge von 15–20 Minuten halten die Muskulatur aktiv
- Schwimmen oder Wassergymnastik — gelenkschonend und ideal bei Gangproblemen
- Standgleichgewichtsübungen — reduzieren das Sturzrisiko messbar
- Regelmäßige Arztbesuche — mindestens alle drei bis sechs Monate zur Kontrolle der Nervenfunktion
Drews' neuer Look: Warum mentale Gesundheit genauso wichtig ist wie körperliche
Zum 81. Geburtstag überraschte Jürgen Drews mit einem völlig neuen Erscheinungsbild und weinte vor Rührung. Psychologisch ist das aufschlussreich: Älteren Menschen fällt es oft schwer, über emotionale Belastungen durch chronische Erkrankungen zu sprechen. Dabei belegen Studien, dass Depressionen bei Patienten mit Polyneuropathie und anderen chronischen Schmerzerkrankungen deutlich häufiger auftreten als in der Allgemeinbevölkerung.
Wenn körperliche Einschränkungen zunehmen, können sich auch Rückzug, Antriebslosigkeit und emotionale Erschöpfung einstellen. Ein offenes Gespräch mit dem Hausarzt — oder bei Bedarf die Begleitung durch einen Psychologen oder Psychotherapeuten — kann die Lebensqualität erheblich verbessern. In Österreich gibt es spezialisierte Anlaufstellen für ältere Patienten, darunter Gedächtnisambulanzen und gerontopsychiatrische Beratungsstellen in den Landeskliniken.
Wann sollte man einen Neurologen aufsuchen?
Bei den oben genannten Symptomen sollte ein Hausarzt zunächst die Basisdiagnostik durchführen: Blutbild, Blutzucker, Vitamin B12 und Schilddrüsenwerte. Bei Verdacht auf Polyneuropathie erfolgt eine Überweisung zum Neurologen, der mittels Elektroneurographie (ENG) die Nervenleitgeschwindigkeit misst und die Diagnose sichert.
Frühzeitige Diagnose ist entscheidend. Wer die Symptome jahrelang ignoriert, riskiert dauerhafte Nervenschäden, die auch mit optimaler Behandlung nicht mehr vollständig rückgängig zu machen sind.
Was Sie selbst tun können: praktische Checkliste
Wenn Sie selbst oder ein Familienmitglied erste Anzeichen einer Polyneuropathie bemerken, helfen diese Schritte:
- Notieren Sie Symptome — Wann treten sie auf? Morgens oder nachts? Bei Belastung oder in Ruhe?
- Überprüfen Sie Ihren Blutzucker — Lassen Sie einen HbA1c-Test durchführen, falls noch nicht geschehen
- Kontrollieren Sie Vitamin B12 — Besonders bei vegetarischer oder veganer Ernährung oder Einnahme von Metformin
- Vermeiden Sie Alkohol — Alkohol ist direkt neurotoxisch und verschlechtert eine bestehende Polyneuropathie
- Tragen Sie sicheres Schuhwerk — Stabiles Schuhwerk mit gutem Halt reduziert das Sturzrisiko erheblich
- Konsultieren Sie Ihren Hausarzt — Sprechen Sie die Symptome offen an; Polyneuropathie wird bei älteren Patienten häufig zu spät diagnostiziert
Auf Expert Zoom finden Sie erfahrene Allgemeinmediziner und Neurologen in Ihrer Nähe, die Sie bei der Diagnose und Behandlung von Polyneuropathie und anderen altersbedingten Erkrankungen kompetent begleiten — damit Sie so aktiv und selbstständig wie möglich bleiben.
Disclaimer: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt.
