Johannes Aigner holte bei den Paralympischen Winterspielen 2026 in Mailand-Cortina dreimal Gold – in der Abfahrt, im Super-G und im Riesenslalom – und einmal Bronze. Doch nur wenige Wochen nach diesem historischen Triumph hat der 21-jährige Niederösterreicher eine überraschende Ankündigung gemacht: Er legt den Ski für mindestens ein Jahr beiseite und will nun seine Matura ablegen. Was wie ein persönlicher Schritt klingt, wirft ein Schlaglicht auf eine wenig diskutierte Realität im österreichischen Leistungssport: Spitzenathleten häufen über Jahre systematische Wissenslücken an – und stehen am Ende einer Karriere oder einer Auszeit vor einer akademischen Herausforderung, die professionelle Unterstützung erfordert. Wann braucht man Nachhilfe, wie viel, und was kostet der Aufholprozess wirklich?
Warum Leistungssportler mit der Matura kämpfen
Österreichische Wintersportler folgen einem Kalender, der mit regulärem Schulbetrieb kaum vereinbar ist. Von September bis März dominieren Wettkämpfe, Trainingslager und Reisen den Alltag. Johannes Aigner etwa ist seit seinem frühen Teenageralter international unterwegs – gemeinsam mit Führungsfahrer Nico Haberl, ohne den er als sehbehinderter Athlet nicht an den Start gehen kann. Die Para-Ski-Saison erstreckt sich über Weltcup-Stopps in Europa, Amerika und Asien, unterbrochen von Rehabilitationsphasen, Kraft- und Techniktraining.
Viele Athleten nutzen Sondermodelle wie Sportinternate oder BORG-Klassen mit Sportfokus, bei denen der Lehrplan verdichtet und auf Trainingszeiten abgestimmt wird. Doch auch diese Modelle haben Grenzen. Inhalte, die kontinuierliches Üben verlangen – Differentialrechnung, Grammatikstrukturen, Chemie-Formeln – werden im komprimierten Format oft nur überflogen. Wer monatelang im Ausland ist, verpasst auch das Vor-Ort-Feedback, das in der Schule den entscheidenden Lernfortschritt bringt.
Aigners Fall ist kein Einzelfall. Zahlreiche österreichische Skifahrerinnen und Skifahrer – von alpinen Weltcupstars bis zu Para-Athleten – berichten nach ihrer aktiven Zeit von akademischen Lücken, die sie erst im Erwachsenenalter aufarbeiten. Die Frage ist nicht ob, sondern wie man diesen Prozess am effizientesten gestaltet.
Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) regelt in der Reifeprüfungsordnung, dass die österreichische Matura mindestens vier Prüfungsfächer umfasst – darunter Deutsch und eine lebende Fremdsprache. Mathematik gilt als Knackpunkt: Die Inhalte bauen streng sequenziell aufeinander auf. Wer Polynome nicht sicher kann, versteht Grenzwerte nicht. Wer Grenzwerte nicht versteht, scheitert an Differentialrechnung. Für Athleten mit jahrelangen Unterbrechungen kann diese Kette an entscheidenden Stellen gerissen sein.
Fünf Fragen, die Sportler wie Aigner jetzt stellen
Welche Fächer bereiten rückkehrenden Athleten die größten Schwierigkeiten?
Fast ausnahmslos Mathematik, dicht gefolgt von Physik und Chemie. Diese naturwissenschaftlichen Fächer verlangen das, was man im Leistungssport kennt: jahrelanges, diszipliniertes Aufbauen auf vorherigen Stufen. In Sprachen hingegen können Sportler oft punkten – internationales Reisen fördert das Sprachgefühl auf natürliche Weise. Englisch ist für viele Athleten trotz fehlender Schulstunden gut entwickelt, weil sie es täglich im Wettkampfalltag anwenden.
Ab wann braucht man professionelle Nachhilfe?
So früh wie möglich nach der Entscheidung, die Matura abzulegen. Wer im September oder Oktober beginnt und die Prüfung im Mai des nächsten Jahres anvisiert, hat sieben bis acht Monate Zeit – das ist die Untergrenze für eine solide Aufbereitung der schwierigsten Fächer. Wer erst im Februar oder März zu lernen beginnt, geht ein ernsthaftes Risiko ein. Für Sportler wie Aigner, deren letzter regulärer Schulalltag mehrere Jahre zurückliegt, gilt: Sofort starten, nicht warten.
Was kostet individualisierte Nachhilfe in Österreich?
Die Bandbreite ist groß. Selbstständige Nachhilfelehrer verlangen in der Regel 25 bis 60 Euro pro Stunde, abhängig von Qualifikation, Standort und Fach. Plattformen, über die man gezielt qualifizierte Lehrkräfte findet, ermöglichen einen direkten Vergleich nach Erfahrung, Spezialisierung und verfügbaren Terminen.
Gibt es einen speziellen Lernstil für Athleten?
Ja – und er ist ein klarer Vorteil. Leistungssportler sind gewohnt, mit Trainingsplänen, klaren Wochenzielen und messbarem Fortschritt zu arbeiten. Ein guter Nachhilfelehrer überträgt dieses Prinzip auf das Lernen: Er definiert Themengebiete als "abgeschlossen" oder "in Bearbeitung", setzt Etappenziele und gibt nach jeder Einheit konkretes Feedback. Das entspricht dem Lernstil, den Athleten bereits verinnerlicht haben – und macht Nachhilfe für sie oft effektiver als für Schüler, die diesen strukturierten Rhythmus erst entwickeln müssen.
Macht Nachhilfe bei langjährigen Lücken wirklich einen Unterschied?
Studien zur Nachhilfewirksamkeit zeigen konsistent: Individualisierte Lernbegleitung verbessert Prüfungsergebnisse im Schnitt um eine bis zwei Notenstufen. Für Schüler mit mehrjährigen Lücken kann der Unterschied zwischen begleiteter und unbegleiteter Vorbereitung über Bestehen oder Nicht-Bestehen entscheiden – besonders in Fächern mit sequentieller Lernstruktur wie Mathematik.
Konkret gerechnet: Was sechs Jahre Spitzensport akademisch bedeuten
Nehmen wir ein Szenario, das dem von Aigner nahekommt: Ein Athlet beginnt mit 15 Jahren international zu starten und verpasst von da an im Schnitt 30 Prozent seines regulären Unterrichts – durch Trainingsblöcke, Wettkampfreisen und Reha. Bei einem Schuljahr mit 30 Wochen und 30 Wochenstunden entspricht das 270 verpassten Unterrichtsstunden pro Jahr.
Über sechs Jahre summiert sich das auf rund 1.620 Stunden, die nicht im regulären Rahmen stattgefunden haben. Selbst wenn ein Sportinternat oder eine BORG-Klasse die Hälfte davon auffängt, bleiben geschätzt 800 Stunden effektives Lerndefizit in den Kernfächern – vor allem Mathematik, Physik und Deutsch (schriftlicher Ausdruck).
Die konkrete Rechnung für die Vorbereitung auf die Matura im Mai 2027:
Startet der Athlet im September 2026 mit gezielter Nachhilfe – zwei Einheiten à 90 Minuten pro Woche – ergibt das bis zum Prüfungstermin:
- Mathematik: 28 Wochen × 2 Einheiten × 90 Minuten = 84 Stunden gezielte Vorbereitung
- Deutsch (Schreiben und Grammatik): 20 Wochen × 1 Einheit × 90 Minuten = 30 Stunden
- Gesamt: rund 114 Stunden individualisierter Nachhilfe in den zwei schwierigsten Fächern
Bei einem durchschnittlichen Stundensatz von 35 bis 55 Euro entspricht das einer Gesamtinvestition von 3.990 bis 6.270 Euro – oder, umgerechnet auf den Monat, rund 570 bis 895 Euro über sieben Monate.
Die entscheidende Faustregel: Wer drei oder mehr Schuljahre mit stark reduzierter Anwesenheit hinter sich hat, braucht in Mathematik und Naturwissenschaften mindestens 80 bis 120 Stunden professionell begleitetes Lernen, um sicher maturafit zu werden. In Sprachen, die durch Alltagsgebrauch teils erhalten geblieben sind, reichen oft 40 bis 60 Stunden. Wer diese Vorbereitung zu spät beginnt, riskiert nicht nur schlechtere Noten – sondern im schlimmsten Fall ein Nichtbestehen in einem der Kernfächer.
Ähnliche Herausforderungen stellen sich übrigens auch für andere österreichische Skifahrer, die nach langen Verletzungspausen oder Karriereenden in die Bildungswelt zurückkehren – wie etwa Loïc Meillard und Fabio Gstrein, die bei Olympia 2026 zeigten, wie intensiv die Trainingsperioden bis zur Prüfungsreife sind.
Was jetzt konkret zu tun ist
Österreich bietet Sportlern wie Aigner einen eigenen Weg: die Externe Reifeprüfung. Sie ermöglicht es, die Matura abzulegen, ohne an einer regulären Schule eingeschrieben zu sein. Rund 2.000 Österreicherinnen und Österreicher nutzen diesen Weg jährlich. Die durchschnittliche Bestehensquote liegt zwischen 68 und 72 Prozent – mit gezielter Vorbereitung steigt sie deutlich.
Der empfohlene Zeitplan für einen Start im Herbst 2026 mit Matura-Ziel Mai 2027:
- September/Oktober 2026: Lernstandsdiagnose mit einem qualifizierten Nachhilfelehrer – welche Themengebiete fehlen konkret in Mathematik und den anderen Fächern?
- Oktober 2026 bis Jänner 2027: Intensive Aufarbeitungsphase in den schwachen Fächern, mit wöchentlichen Zielen und Fortschrittskontrollen
- Februar bis April 2027: Übungsmatruren (vollständige Prüfungssimulationen), Schreibtraining für Deutsch
- Mai 2027: Reifeprüfung
Für alle, die sich in einer ähnlichen Situation wie Aigner befinden – ob nach einer Sportkarriere, einem längeren Auslandsaufenthalt oder einer beruflich bedingten Pause –, gilt: Der erste Schritt ist nicht der Stift auf dem Papier, sondern die Wahl der richtigen Unterstützung. Kein Spitzenathleter würde ohne Coach an den Start gehen. Kein Maturakandidat mit langjährigen Lücken sollte ohne professionelle Lernbegleitung in die Prüfung gehen. Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Intelligenz, sondern in der Strategie.
ExpertZoom vermittelt qualifizierte Nachhilfelehrer in ganz Österreich – auch für Erwachsene, die nach Jahren außerhalb des Schulsystems zurückkehren und gezielt Lücken in Mathematik, Deutsch oder anderen Matura-Fächern schließen möchten.

Sophie Müller