Jonathan Andic, Präsident der Mango-Modekette und Sohn des verstorbenen Firmengründers Isak Andic, wurde am 19. Mai 2026 von spanischen Behörden wegen des Verdachts der Beteiligung am Tod seines Vaters festgenommen. Isak Andic war im Dezember 2024 in den Montserrat-Bergen nahe Barcelona tödlich gestürzt — 16 Monate später steht sein Sohn und Haupterbe unter Mordverdacht. Der Fall wirft eine Frage auf, die auch in Österreich Relevanz hat: Was passiert rechtlich, wenn ein Erbe in den Tod des Erblassers verwickelt sein soll?
Ein Todesfall, der die Justiz nicht loslässt
Isak Andic, 71 Jahre alt und Gründer der Mango-Gruppe mit einem Jahresumsatz im Milliardenbereich, starb am 14. Dezember 2024 nach einem Sturz von rund 100 Metern in einem Bergravine nahe dem Kloster Montserrat. Sein Sohn Jonathan war beim Wanderausflug dabei. Zunächst galt der Vorfall als Unfall; ein Richter schloss den Fall im Januar 2025.
Doch forensische Widersprüche und neue Zeugenaussagen führten im März 2025 zur Wiederaufnahme der Ermittlungen. Am 19. Mai 2026 wurde Jonathan Andic (45) verhaftet, laut CNN Business wegen des Verdachts der Beteiligung am Tod seines Vaters. Er kam gegen Kaution auf freien Fuß. Die Familie besteht auf seiner Unschuld.
Die Erbfolge war bereits geregelt: Alle drei Geschwister — Jonathan, Judith und Sarah Andic — erbten zu gleichen Teilen die Punta Na Holding, die 95 Prozent von Mango kontrolliert. Jonathan übernahm den Vorsitz bei Mango und der Holding; CEO Toni Ruiz führt das operative Geschäft mit einem Anteil von 5 Prozent weiter.
Erbunwürdigkeit: Was § 539 ABGB in Österreich regelt
Die juristische Kernfrage lautet: Verliert jemand sein Erbrecht, wenn er im Verdacht steht, den Erblasser getötet zu haben? In Österreich gibt das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch (ABGB) die Antwort.
Nach § 539 ABGB verliert sein Erbrecht, wer den Erblasser vorsätzlich getötet oder an der Tötung mitgewirkt hat. Eine solche Person wird so behandelt, als wäre sie vor dem Erblasser gestorben — ihr Anteil fällt auf die übrigen Erben zurück.
Wichtig zu verstehen: Eine Verhaftung oder ein laufendes Strafverfahren begründen noch keine Erbunwürdigkeit. Erst ein rechtskräftiges Urteil löst diese Rechtsfolge aus. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung, und der verdächtige Erbe behält formal seine Rechte.
„Erbunwürdigkeit tritt nicht automatisch ein", erklärt ein auf Erbrecht spezialisierter Anwalt. „Sie muss von den übrigen Erben aktiv vor Gericht geltend gemacht werden — erst dann prüft das Gericht, ob die Voraussetzungen erfüllt sind."
Das Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS) stellt die jeweils gültige Fassung des ABGB und aller österreichischen Rechtsvorschriften kostenfrei zur Verfügung.
Unternehmensführung unter Mordverdacht: Wer leitet die Firma?
Im Fall Mango stellt sich die Folgefrage: Kann Jonathan Andic als Konzernpräsident weiterarbeiten, solange das Strafverfahren läuft?
Aus österreichischer Sicht gibt es keine automatische Amtsenthebung aufgrund eines strafrechtlichen Verdachts. Gesellschaftsrechtlich entscheiden der Aufsichtsrat oder — bei Familienunternehmen — die Gesellschafterversammlung, ob und wie die Führung neu geordnet wird. Gut strukturierte Gesellschaftsverträge oder Familienstiftungsstatuten enthalten Klauseln, die bei strafrechtlichen Ermittlungen gegen einen Gesellschafter greifen: etwa das Ruhen von Stimmrechten oder eine Treuhänderlösung.
Im Mango-Konzern zeigt sich, wie eine professionelle Führungsstruktur solche Krisen abfedert: Noch 2025 wurden externe Verwaltungsräte bestellt — darunter Helena Helmersson, frühere Chefin von H&M, und Manel Adell, Ex-CEO von Desigual. Trotz der anhaltenden Unsicherheiten erzielte Mango laut Unternehmensangaben in der ersten Jahreshälfte 2025 ein Umsatzwachstum von 12 Prozent.
Was österreichische Unternehmer aus dem Fall lernen können
Der Fall Andic ist außergewöhnlich dramatisch — die rechtlichen Fragen dahinter sind es nicht. Wer in Österreich ein Familienunternehmen oder größeres Vermögen vererbt, sollte folgende Punkte mit einem Erbrechtsanwalt durchgehen:
Nachfolgeregelung im Krisenfall dokumentieren: Im Gesellschaftsvertrag oder Testament sollte klar festgelegt sein, wer die Unternehmensleitung übernimmt, wenn ein Erbe strafrechtlich belastet wird — noch bevor ein solcher Fall eintritt.
Erbunwürdigkeitsklauseln ausformulieren: Bei mehreren Erben kann ein Testament explizit regeln, unter welchen Bedingungen ein Erbe sein Recht verliert und wie die Anteile dann verteilt werden.
Privatstiftungen als Schutzstruktur: Viele österreichische Unternehmerfamilien nutzen Privatstiftungen nach dem Privatstiftungsgesetz (PSG), um das Unternehmensvermögen vom individuellen Erbrecht zu entkoppeln. Stiftungsvermögen gehört der Stiftung — nicht dem Stifter oder einzelnen Begünstigten — und bleibt bei Ermittlungen gegen Begünstigte meist unangetastet.
EU-Erbrechtsverordnung beachten: Hat der Erblasser Vermögen in mehreren EU-Ländern — wie die Familie Andic mit Bezügen nach Spanien —, gilt nach der EU-Erbrechtsverordnung (Nr. 650/2012) grundsätzlich das Recht des letzten gewöhnlichen Aufenthaltsorts. Eine testamentarische Rechtswahl für österreichisches Recht ist möglich und kann im internationalen Erbfall erhebliche Unterschiede machen.
Wie Erbunwürdigkeit in Österreich geltend gemacht wird
Wer die Erbunwürdigkeit eines Miterben feststellen lassen möchte, muss aktiv werden. Die Klage auf Feststellung der Erbunwürdigkeit ist vor dem zuständigen Bezirksgericht einzubringen. Das Gericht prüft dann, ob die strafrechtlichen Voraussetzungen — in der Regel ein rechtskräftiges Urteil wegen vorsätzlicher Tötung — erfüllt sind.
Bis zu einer solchen gerichtlichen Feststellung bleibt der verdächtige Erbe in seinen Rechten. In der Praxis kann das bedeuten: Stimmrechte in Gesellschafterversammlungen bleiben gültig, Kontovollmachten bestehen fort, Immobilienübertragungen sind weiterhin möglich. Gerade in Unternehmensnachfolgen kann das zu erheblichen Spannungen zwischen den Erben führen — weshalb eine anwaltliche Begleitung von Anfang an entscheidend ist.
Wann Sie einen Erbrechtsanwalt brauchen
Nicht jeder Erbfall ist so dramatisch wie jener der Familie Andic. Doch sobald mehrere Erben, Unternehmensanteile, internationales Vermögen oder familiäre Spannungen im Spiel sind, ist juristische Begleitung unerlässlich.
Ein Erbrechtsanwalt unterstützt Sie bei:
- der Erstellung oder Prüfung eines Testaments oder Erbvertrags
- der Klärung von Pflichtteilsansprüchen und Pflichtteilsergänzungen
- der rechtssicheren Übertragung von Unternehmensanteilen auf die nächste Generation
- der Geltendmachung oder Abwehr von Erbunwürdigkeitsklagen
- der Beratung bei internationalen Erbfällen innerhalb der Europäischen Union
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Bei konkreten erbrechtlichen Fragen wenden Sie sich an einen zugelassenen Rechtsanwalt.
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