GNTM 2026: Wer ist raus – Was Kandidatinnen über Bildrechte und Verträge wissen müssen

GNTM-Kandidatinnen beim Finale 2011 – Modelverträge und Bildrechte nach dem Rauswurf

Photo : CHR!S / Wikimedia

Anna Anna WeberRechtsanwälte
4 Min. Lesezeit 8. Mai 2026

GNTM 2026: Wer ist raus — und was passiert mit Bildrechten und Verträgen danach?

Woche für Woche fiebern Millionen Zuschauer mit: Wer verlässt bei Germany's Next Topmodel (GNTM) in diesem Jahr das Laufsteg-Parkett? Was die meisten Fans nicht wissen: Für die ausgeschiedenen Kandidatinnen beginnt nach dem Rauswurf ein juristisches Kapitel, das wenig mit Glamour zu tun hat. Rechtsanwälte in Österreich und Deutschland warnen: Die Verträge, die Teilnehmerinnen vor Drehbeginn unterschreiben, haben es in sich.

Was unterschreiben GNTM-Kandidatinnen vor dem Start?

Teilnehmer von Castingshows wie GNTM unterzeichnen vor Drehbeginn umfangreiche Produktionsverträge mit dem Sender ProSieben und der Produktionsfirma. Diese Verträge regeln typischerweise:

  • Übertragung der Bildrechte: Die Sendeanstalt erhält das Recht, Bild- und Tonaufnahmen der Kandidatin zeitlich unbegrenzt und weltweit zu verwenden
  • Social-Media-Sperren: Teilnehmer dürfen während der laufenden Staffel keine Spoiler veröffentlichen und Ausscheidungszeitpunkte nicht vorab kommunizieren
  • Exklusivitätsklauseln: Für bestimmte Zeiträume nach der Sendung können Werbeverbote für Konkurrenzformate gelten
  • Schweigepflichten: Inhalte hinter den Kulissen bleiben vertraulich

Das Österreichische Bundesgesetz über besondere zivilgerichtliche Verfahren (ZPO) schützt grundsätzlich das Persönlichkeitsrecht — doch wer einen Vertrag unterschreibt, schränkt diese Rechte freiwillig ein. Wie weit diese Einschränkungen reichen dürfen, ist eine Frage des Einzelfalls.

Bildrechte nach dem Rauswurf: Wem gehören die Fotos?

Das ist die häufigste Frage ausgeschiedener Kandidatinnen: Darf ProSieben meine Bilder weiterhin verwenden, obwohl ich die Sendung bereits verlassen habe?

In aller Regel: Ja, und zwar langfristig. Produktionsverträge bei Castingshows enthalten typischerweise eine umfassende, unwiderrufliche Lizenzierung der Aufnahmen. Das bedeutet konkret:

  • Werbeclips und Trailer können auch mit ausgeschiedenen Kandidatinnen weiter ausgestrahlt werden
  • Die Produktionsfirma darf Aufnahmen für Archive, Wiederholungen und internationale Lizenzen nutzen
  • Profilfotos und Behind-the-Scenes-Material bleiben im Eigentum des Senders

Eine Kandidatin, die später mit einem anderen Modelagent oder Modemarken zusammenarbeiten möchte, kann dabei in Konflikt mit diesen Klauseln geraten — insbesondere wenn die neuen Auftraggeber auf Exklusivität bestehen.

Können Teilnehmerinnen gegen solche Klauseln vorgehen?

In Österreich und Deutschland ja, aber der Weg ist nicht einfach. Juristen unterscheiden dabei zwischen:

1. AGB-Kontrolle (missbräuchliche Klauseln) Vertragsklauseln, die die andere Seite unangemessen benachteiligen, können nach § 879 ABGB (Österreich) bzw. § 307 BGB (Deutschland) nichtig sein. Bei zeitlich und räumlich unbegrenzter Rechteabtretung für null Gegenleistung könnte ein Gericht eine solche Klausel für sittenwidrig erklären — in der Praxis gelingt das aber selten, weil die Teilnahme an der Sendung selbst als Gegenleistung gilt.

2. Widerrufsrecht bei Fernabsatzverträgen Ein Widerrufsrecht wie beim Online-Shopping gibt es hier in der Regel nicht. Produktionsverträge sind individuell ausgehandelte Verträge, kein Fernabsatzgeschäft im klassischen Sinne.

3. Persönlichkeitsrechtsverletzung Wenn Aufnahmen so genutzt werden, dass die Kandidatin in einem rufschädigenden Kontext erscheint — etwa in einer Werbung für ein Produkt, das sie ablehnt — kann ein Unterlassungsanspruch bestehen.

Der Fall des Modeljahres: Soziale Medien als juristisches Minenfeld

Viele ausgeschiedene Kandidatinnen bauen auf Instagram und TikTok schnell eine eigene Community auf. Was dabei oft unterschätzt wird: Postings während der laufenden Staffel können vertragswidrig sein.

Typische Fallen:

  • Ein Foto aus dem Drehort-Hotel veröffentlichen, das den Drehplan verrät
  • Schlechte Bewertung einer Marke, mit der die Sendung kooperiert
  • Annahme von Kooperationsangeboten konkurrierender TV-Produktionen innerhalb der Vertragslaufzeit

Vertragsstrafen in diesen Fällen können laut Experten vier- bis fünfstellige Summen erreichen.

Was verdienen Kandidatinnen bei GNTM eigentlich?

Im Gegensatz zu professionellen Models ist die Vergütung für TV-Casting-Teilnehmer oft minimal oder nicht-monetär (Sachleistungen, Reisen, Stylings). Die Teilnahme gilt als Gegenleistung für die Bildrechte. Wer am Ende gewinnt, erhält einen Modelvertrag mit einem renommierten Agenturen — was tatsächlich daraus wird, ist oft enttäuschend: Laut Branchenberichten brechen viele Gewinnerinnen den Vertrag innerhalb der ersten 12 Monate, weil die zugesagten Jobs nicht materialisieren.

Achtung: Das ist kein Modelvertrag im üblichen Sinne, sondern ein TV-Fördervertrag mit Exklusivbindung. Ein Rechtsanwalt sollte diesen vor Unterzeichnung prüfen.

Was sollten Kandidatinnen vor ihrer Teilnahme tun?

Rechtsanwälte, die in Österreich im Medien- und Arbeitsrecht tätig sind, empfehlen folgende Schritte, bevor man einen Casting-Vertrag unterschreibt:

  1. Vertrag vor Unterschrift anwaltlich prüfen lassen — Die Klauseln sind komplex, und der Zeitdruck der Produktionsfirmen ist oft künstlich
  2. Klärung der Vertragslaufzeit: Bis wann gelten die Exklusivitätsklauseln?
  3. Definition der erlaubten Tätigkeiten: Welche Neben-Engagements sind während der Sendung möglich?
  4. Exit-Klausel verhandeln: Kann man vorzeitig aus dem Vertrag?
  5. Bildrechte einschränken: Ist ein Widerspruch gegen bestimmte Nutzungsarten möglich?

Diese Verhandlungen sind schwierig, weil Produktionsfirmen Standardverträge bevorzugen. Doch nichts spricht dagegen, es zu versuchen — vor allem bei Klauseln mit erheblichem persönlichem Risiko.

Expertenrat für Modelverträge und Medienrecht in Österreich

Ob als Teilnehmerin einer Castingshow, als aufstrebendes Model oder als Influencerin mit erstem Agenturvertrag: Ein Rechtsanwalt mit Spezialisierung auf Medien- und Vertragsrecht kann Ihre Situation einschätzen und Sie vor kostspieligen Fehlern schützen.

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Bei GNTM geht es nicht nur darum, wer raus ist — sondern darum, wer danach seine Rechte kennt.

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