Gemeinderatswahl Graz 2026: Was auf Mieter und Eigentümer nach dem 28. Juni zukommt

Das Grazer Rathaus am Hauptplatz, Sitz des Gemeinderats, Juni 2026

Photo : Anna Saini / Wikimedia

Anna Anna WeberRechtsanwälte
4 Min. Lesezeit 20. Juni 2026

Am 28. Juni 2026 wählt Graz seinen neuen Gemeinderat — und alle Zeichen stehen auf Kontinuität. Aktuelle Umfragen sehen die KPÖ um Bürgermeisterin Elke Kahr bei rund 32 Prozent, weit vor FPÖ (15 %), Grünen (12 %) und SPÖ (9 %). Ihr zentrales Versprechen: bezahlbares Wohnen für alle Grazerinnen und Grazer. Doch was kann eine Stadtregierung in Österreich beim Mietrecht tatsächlich ändern? Und was sollten Mieter und Eigentümer jetzt wissen?

Graz wählt: Wohnen als größtes Wahlkampfthema

Elke Kahr und die KPÖ haben seit ihrem historischen Wahlsieg 2021 konsequent auf soziale Wohnpolitik gesetzt. Ihr Wahlprogramm 2026 setzt auf den Ausbau des städtischen Wohnungsbestands, günstige Mieten im Gemeindebau und gezielte Unterstützung für Menschen in Wohnungsnot. Die Partei will auch die Vergabekriterien für Gemeindewohnungen neu regeln — ein Punkt, der nach Angaben der FPÖ zu Kontroversen geführt hat: Nur noch 25 Prozent der städtischen Wohnungen würden demnach an Grazer Staatsbürger vergeben.

225.892 wahlberechtigte Grazerinnen und Grazer sind am 28. Juni 2026 aufgerufen, von 07:00 bis 16:00 Uhr ihre Stimme abzugeben. Elf Listen treten an, erste Ergebnisse werden ab ca. 16:45 Uhr erwartet. Wahlkarten können noch bis 27. Juni beantragt werden — bereits 60.000 wurden ausgestellt.

Was ein Gemeinderat beim Mietrecht ändern kann — und was nicht

Hier liegt die entscheidende Trennlinie: Österreichisches Mietrecht ist Bundessache. Das Mietrechtsgesetz (MRG) regelt Mietzinsobergrenzen, Kündigungsschutz und Erhaltungspflichten auf Bundesebene. Kein Grazer Gemeinderat kann daran direkt rütteln — egal, welche Partei am 28. Juni gewinnt.

Was eine Stadtregierung hingegen sehr wohl steuern kann:

  • Gemeindewohnungsbestand (GBV-Wohnungen): Graz entscheidet, wer Gemeindewohnungen bekommt, zu welchen Bedingungen und in welchem Umfang neue Einheiten entstehen.
  • Widmungsrecht: Über die Bebauungsplanung kann die Stadt bestimmen, welche Flächen für sozialen Wohnbau reserviert werden.
  • Wohnbeihilfe: Städtische Zuschüsse für einkommensschwache Mieter liegen im kommunalen Ermessen.
  • Liegenschaften: Welche Grundstücke gehen an private Investoren, welche an gemeinnützige Bauträger?

Für Eigentümer und private Vermieter in Graz ändert ein KPÖ-Sieg am 28. Juni also wenig an den unmittelbar geltenden mietrechtlichen Regeln. Die großen Stellschrauben liegen beim Bund in Wien.

Der Richtwertmietzins in der Steiermark: Was aktuell gilt

Im Bundesland Steiermark beträgt der Richtwert nach dem MRG aktuell 10,61 Euro pro Quadratmeter (Stand 2026). Dieser Betrag bildet die Berechnungsbasis für Mietzinsvereinbarungen im Vollanwendungsbereich des MRG.

Ob eine Wohnung dem MRG überhaupt unterliegt, hängt vom Baujahr und der Eigentumsform ab:

  • Wohnungen in Gebäuden, die nach dem 30. Juni 1953 ohne öffentliche Förderung errichtet wurden, fallen häufig nicht unter das MRG — hier gilt größtenteils der freie Markt.
  • Geförderte Neubauten unterliegen dem Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz (WGG).
  • Altbauten (Baujahr vor 1953) unterliegen in der Regel dem vollen MRG-Schutz.

Diese Unterscheidung ist in der Praxis entscheidend. Ein Vermieter, der eine Wohnung irrtümlich zu hoch vermietet, riskiert Rückforderungsansprüche des Mieters — rückwirkend bis zu drei Jahre. Umgekehrt können Vermieter, die unwissentlich zu günstig vermieten, ihre Ansprüche verlieren.

Gemeindewohnungen in Graz: Das eigentliche Kampffeld

Rund 3.400 Gemeindewohnungen verwaltete die Stadt Graz zuletzt direkt. Hinzu kommen Tausende Einheiten gemeinnütziger Bauträger, die mit städtischer Unterstützung errichtet wurden. Die KPÖ möchte diesen Bestand ausbauen und die Vergabekriterien nach sozialen Kriterien ausrichten.

Ähnliche Entwicklungen sind auch in Wien zu beobachten: Der Wiener Gemeindebau hat bundesweit Signalwirkung gezeigt, dass kommunale Wohnpolitik tatsächlich leistbares Wohnen sichern kann — auch wenn das MRG selbst unverändert bleibt.

Für Wohnungssuchende in Graz: Eine Bewerbung für eine Gemeindewohnung läuft über die städtische Wohnungsstelle. Einkommens- und Vermögensgrenzen gelten, ebenso wie Wartezeiten, die je nach Wohnungsgröße mehrere Jahre betragen können.

Was Mieter und Eigentümer jetzt konkret prüfen sollten

Unabhängig vom Wahlergebnis am 28. Juni ist Mietrecht in Österreich ein komplexes Rechtsgebiet, das viele Betroffene unterschätzen. Die aktuellen Regelungen zum Richtwertmietzins haben sich 2026 verschärft — ein guter Zeitpunkt für eine Überprüfung.

Für Mieter empfehlenswert:

  • Prüfen, ob die Miete im zulässigen Rahmen liegt — bei Überschreitung besteht Rückforderungsrecht.
  • Betriebskostenabrechnungen jährlich kontrollieren: Vermieter müssen die Positionen offenlegen, unklare Posten sind anfechtbar.
  • Kündigungsschutz kennen: Im Vollanwendungsbereich des MRG darf ein Vermieter nur aus bestimmten Gründen kündigen. Eine außergerichtliche Kündigung ist rechtlich meist unwirksam.

Für Eigentümer und Vermieter wichtig:

  • Sicherstellen, dass Mietverträge rechtskonform formuliert sind — besonders bei befristeten Verträgen (maximal drei Jahre im MRG-Bereich, mit Verlängerungsoption).
  • Bei Stockwerkeigentum: Beschlussfassungen über Sanierungen folgen klaren Regeln nach dem WEG 2002.
  • Prüfen, ob die eigene Wohnung dem MRG unterliegt — und welche Konsequenzen das für Mietzins, Kündigungsschutz und Erhaltungspflichten hat.

Hinweis: Mietrechtliche Fragen berühren direkt Ihre rechtlichen und finanziellen Interessen. Die Angaben in diesem Artikel ersetzen keine individuelle Rechtsberatung. Bei konkreten Fällen sollten Sie einen auf Miet- und Wohnrecht spezialisierten Rechtsanwalt konsultieren.

Wann ein Rechtsanwalt sinnvoll ist

Die Gemeinderatswahl Graz 2026 ist ein guter Anlass, die eigene Wohnsituation rechtlich zu überprüfen — egal ob Sie Mieter, Vermieter oder Eigentümer einer Wohnung sind.

Ein auf Mietrecht spezialisierter Anwalt kann:

  • Den Mietzins nach dem Steirischen Richtwert überprüfen und Rückforderungsansprüche geltend machen.
  • Mietverträge auf rechtliche Schwachstellen analysieren.
  • Betriebskostenabrechnungen auf Fehler und überhöhte Ansätze prüfen.
  • Bei Streitigkeiten zwischen Mieter und Vermieter vermitteln oder eine Schlichtungsstelle einleiten.
  • Eigentümer bei Sanierungsbeschlüssen im WEG-Bereich beraten.

Auf Expert Zoom finden Sie erfahrene Rechtsanwälte in Graz und ganz Österreich, die auf Miet- und Wohnrecht spezialisiert sind. Die amtliche Übersicht zur Wahl und zu Wahlkarten finden Sie auf der offiziellen Stadtseite der Stadt Graz.

Eine erste rechtliche Einschätzung Ihrer Mietsituation kann bereits verhindern, dass aus einem übersehenen Fehler ein teurer Rechtsstreit entsteht — unabhängig davon, welche Partei am 28. Juni 2026 in Graz das Rennen macht.

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