Als Kylian Mbappé am 30. Juni 2026 im MetLife Stadium in New Jersey seinen zweiten Treffer in der 74. Minute erzielte und Frankreich damit 3:0 über Schweden stellte, jubelten Millionen von Fans vor ihren Bildschirmen. Was sich nach dem perfekten WM-Abend anfühlt, belastet das Herz mitunter stärker als ein Hochleistungssprint.
Das Sechzehntelfinale der FIFA Weltmeisterschaft 2026 zwischen Frankreich und Schweden war genau das Spiel, das Kardiologen in Alarmbereitschaft versetzt: Mbappé traf bereits in der 45. Minute zur 1:0-Führung, Bradley Barcola erhöhte in der 53. Minute auf 2:0, ehe Mbappé das 3:0 besiegelte. Frankreich marschiert ins Achtelfinale gegen Paraguay — doch für manche Fans kann ein solches Spiel gesundheitliche Folgen haben, die weit über die Erschöpfung am nächsten Morgen hinausgehen.
Das Herz im Ausnahmezustand
Jede spannende Spielszene löst eine akute Stressreaktion im Körper aus: Adrenalin und Cortisol fluten den Blutkreislauf, der Herzschlag beschleunigt sich, der Blutdruck steigt sprunghaft an. Laut einer im Deutschen Ärzteblatt zitierten Studie klettert die Herzfrequenz von Fans beim Jubeln nach einem Tor auf bis zu 108 Schläge pro Minute — 36 Prozent mehr als beim ruhigen Zuschauen zu Hause.
Das klingt zunächst harmlos, aber das Problem liegt in der Intensität und Wiederholung: Mehrere dramatische Spielszenen pro Halbzeit, ein möglicher Elfmeterkrimi in der Verlängerung, Nachspielzeit. Und das über Wochen, von Spiel zu Spiel. Für österreichische Fans bedeutete das Spiel Frankreich gegen Schweden zudem einen Anstoß um 23:00 Uhr MESZ — also spannungsgeladene 90 Minuten bis weit nach Mitternacht, mit möglichem Schlafmangel, der sich ebenfalls auf die Herzgesundheit auswirkt.
266 Prozent mehr Herzinfarktrisiko: Was die Forschung zeigt
Studien belegen es eindeutig: Das Herzinfarktrisiko kann bei emotionalen Fußballspielen um bis zu 266 Prozent steigen. Dabei beginnt der Stresspegel bereits etwa 14 Stunden vor dem Anpfiff zu steigen — durch Vorfreude, Nervosität und das Durchspielen möglicher Spielausgänge im Kopf.
Historische Daten bestätigen das Muster: Bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland dokumentierten Forscher an Spieltagen der deutschen Nationalmannschaft einen deutlichen Anstieg von Herzinfarkten und schweren Herzrhythmusstörungen in der Bevölkerung. Die Herzklinik musste an solchen Tagen deutlich mehr Notaufnahmen verzeichnen als an spielfreien Tagen. Ähnliche Effekte wurden auch bei der EM 2020/2021 beobachtet. Besonders für Fans, die bereits unter hitze- oder anstrengungsbedingten Kreislaufproblemen leiden, summieren sich diese Belastungen schnell.
Wer trägt das höchste Risiko?
Nicht jeder Fan ist gleich gefährdet. Besonders vorsichtig sollten Menschen sein, die:
- über 50 Jahre alt sind und wenig körperlich aktiv im Alltag
- bereits eine Herzerkrankung, Bluthochdruck oder Diabetes diagnostiziert bekommen haben
- regelmäßig Herzmedikamente einnehmen, deren Einnahmezeitpunkt durch späte Anstoßzeiten verschoben wird
- starke Raucher sind oder deutliches Übergewicht haben
- unter chronischem Stress stehen und die WM-Spannung als weitere Last obendrauf kommt
Auch jüngere, scheinbar kerngesunde Fans sind nicht vollständig gefeit: Seltene Herzanomalien wie das Long-QT-Syndrom können bei extremer emotionaler Belastung erstmals symptomatisch werden — ohne jede Vorwarnung.
Warnsignale, die Sie ernst nehmen müssen
Während oder nach dem Spiel aufmerksam zu sein, kann Leben retten. Diese Symptome erfordern sofortiges Handeln:
- Druck, Engegefühl oder Schmerzen in der Brust — auch wenn sie in den linken Arm oder Kiefer ausstrahlen
- Unregelmäßiger Herzschlag, Herzrasen oder plötzlicher Schwindel
- Atemnot ohne körperliche Anstrengung
- Übelkeit mit starkem Schwitzen kombiniert mit Brustbeschwerden
Bei diesen Zeichen gilt: Sofort den Notruf 144 wählen. Herzinfarkte haben ein enges Zeitfenster — die ersten 90 Minuten entscheiden über den Verlauf. Jede Verzögerung erhöht das Risiko dauerhafter Herzschäden.
Wie Sie Ihr Herz bei der WM schützen
WM-Genuss und Herzgesundheit schließen sich nicht aus — wenn man klug vorgeht:
Vor dem Spiel: Keine schweren Mahlzeiten kurz vor dem Anpfiff und keinen übermäßigen Alkohol. Beides erhöht die Herzbelastung zusätzlich zu der ohnehin vorhandenen Erregung.
Während des Spiels: Kurze Bewegungspausen in der Halbzeit helfen, die angestaute Spannung abzubauen. Abruptes Aufspringen bei einem Tor mit gleichzeitigem Schreien ist für Risikopatienten eine besonders ungünstige Kombination.
Nach dem Spiel: Auch bei einem dramatischen Sieg den Körper bewusst herunterregeln. Stunden nach dem Abpfiff weiter aufgeregt zu diskutieren hält den Cortisolspiegel ungesund hoch und verhindert erholsamen Schlaf.
Über die WM-Wochen: Wer nach jedem Spiel schlecht schläft, dauerhaft gereizt ist oder Herzstolpern bemerkt, sollte das nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Wann es Zeit für einen Arzt ist
Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie ein erhöhtes Herzrisiko tragen — typische Vorwarnzeichen bleiben oft aus. Ein kardiologischer Check-up vor der heißen WM-Phase ab dem Viertelfinale kann daher sinnvoll sein. Medizinische Fachgesellschaften empfehlen regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, besonders für Männer über 45 und Frauen über 55.
Ein Gespräch mit einem Allgemeinmediziner oder Internisten kostet wenig Zeit und kann viel Sicherheit geben — besonders wenn Sie ohnehin schon Risikofaktoren mitbringen. Das offizielle österreichische Gesundheitsportal gesundheit.gv.at nennt Bluthochdruck, Stress und Bewegungsmangel als Hauptrisikofaktoren für Herzinfarkt und Herzerkrankungen — allesamt Faktoren, die sich bei intensiven WM-Abenden potenzieren.
Auf Expert Zoom finden Sie Ärzte und Gesundheitsexperten in Österreich, die kurzfristig für Beratung zur Herzgesundheit, zum Blutdruck oder zur sportmedizinischen Bewertung Ihrer WM-Belastung zur Verfügung stehen. Keine lange Wartezeit, kein Umweg über die Hausarztpraxis.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei akuten Brustschmerzen oder Verdacht auf einen Herzinfarkt wählen Sie sofort den Notruf 144.

Claudia Gruber