Am 4. Juli 2026 schlug Frankreich im WM-Achtelfinale in Philadelphia Paraguay mit 1:0 – Kylian Mbappé traf per Elfmeter in der 70. Minute. Der Einzug ins Viertelfinale bedeutet für die Équipe Tricolore mehr als sportliche Freude: Mit jedem Sieg wächst der Anteil am 871 Millionen US-Dollar schweren FIFA-Preisgeldfonds. Doch hinter diesen Rekordsummen verbirgt sich eine Frage, die selbst den Österreichischen Fußball-Bund (ÖFB) ins Schwitzen bringt: Wie und wo müssen diese Prämien eigentlich versteuert werden?
871 Millionen Dollar: Das Rekord-Preisgeld der WM 2026
Die FIFA hat für das Turnier in Kanada, USA und Mexiko ein Preisgeld ausgeschüttet, das alle Vorgänger in den Schatten stellt. Insgesamt 871 Millionen US-Dollar stehen im Topf – davon 655 Millionen als leistungsabhängige Prämien für alle 48 teilnehmenden Teams. Jede Mannschaft erhält unabhängig vom Abschneiden mindestens 12,5 Millionen Dollar: 10 Millionen als Qualifikationsprämie, weitere 2,5 Millionen als Vorbereitungsgeld.
Für Frankreich rechnet sich jeder weitere Sieg direkt in bare Münze um. Teams, die das Achtelfinale überstehen, erhalten signifikant höhere Auszahlungen. Der Weltmeister kassiert 52,5 Millionen Dollar – umgerechnet rund 45,5 Millionen Euro. Bereits das Erreichen des Viertelfinales, wohin Frankreich durch den Sieg gegen Paraguay eingezogen ist, bringt eine deutlich höhere Auszahlung als der frühe K.o.
Paraguay wiederum verlässt die WM zwar ohne Titel, aber nicht ohne Geld: Trotz des Ausscheidens in der Runde der letzten 16 nehmen die Guaraníes ihre Basisprämie mit – immerhin genug, um in Paraguay nationale Infrastrukturprogramme mitzufinanzieren.
Was kommt bei den Spielern an?
Wer jetzt denkt, Mbappé kassiert nach dem Spiel einen Scheck über Millionen Dollar – weit gefehlt. Die FIFA zahlt das Preisgeld ausschließlich an die nationalen Verbände, also etwa an den Fédération Française de Football (FFF) oder den paraguayischen Verband. Was die einzelnen Spieler davon erhalten, hängt von internen Vereinbarungen ab.
Laut dem österreichischen Fachportal verein-viele.at sind solche Spielerprämien in der Regel zwischen Verband und Mannschaft individuell ausgehandelt. Manche Spieler erhalten pauschale Siegprämien pro Runde, andere beteiligen sich an einem Gesamttopf. Hinzu kommt: Die Vereine, bei denen die Spieler unter Vertrag stehen, erhalten ebenfalls eine Entschädigung von der FIFA für die Abstellungszeit – auch diese Zahlungsströme müssen steuerlich korrekt abgebildet werden.
Für österreichische Fans und Hobby-Investoren mag das abstrakt klingen. Tatsächlich ähneln diese komplexen Geldflüsse aber jenen Situationen, die auch Privatpersonen mit Boni, Gewinnanteilen oder internationalen Einnahmen kennen: Geld kommt aus verschiedenen Quellen, in verschiedenen Währungen und nach unterschiedlichen Spielregeln.
Die Steuerfrage: Selbst der ÖFB kennt die Antwort nicht
Was selbst Experten überrascht: ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold erklärte öffentlich, dass noch nicht klar sei, „wo und wie die FIFA-Prämien zu versteuern sind". Der ÖFB habe eigens österreichische Steuerberater beauftragt, gemeinsam mit der FIFA und einer US-amerikanischen Kanzlei die steuerlichen Risiken zu analysieren und die bestmögliche Lösung zu finden.
Das liegt nicht an Nachlässigkeit, sondern an echter Komplexität. Die Gelder werden in US-Dollar ausgezahlt, entstehen im Rechtsraum dreier Länder (USA, Kanada, Mexiko), fließen über den Verband und werden schließlich in Österreich versteuert – oder auch nicht, wenn es internationale Doppelbesteuerungsabkommen anders regeln.
Dazu kommt ein weiterer Unsicherheitsfaktor, den Neuhold selbst anspricht: der Wechselkurs. Der Dollar schwankt gegenüber dem Euro laufend. Ein Teil der Prämie, der im Juni noch 45 Millionen Euro wert war, kann im Oktober bei der tatsächlichen Auszahlung anders aussehen. Für Privatpersonen mit Fremdwährungskonten oder internationalen Investments ist das eine vertraute Herausforderung.
Eine wichtige Anlaufstelle für österreichische Steuerfragen zu internationalen Einkünften bietet das Bundesministerium für Finanzen, das unter anderem Informationen zu Doppelbesteuerungsabkommen und Quellensteuer bereitstellt.
Was Österreichs Anleger daraus lernen können
Der Fall der WM-Prämien ist ein Paradebeispiel dafür, dass bei größeren Geldflüssen – ob Bonus, Erbschaft, Unternehmensverkauf oder Investmentgewinne – das Steuerrecht selten intuitiv ist. Was aus einer Quelle kommt, kann in mehreren Jurisdiktionen steuerpflichtig sein. Was in einer Währung verhandelt wurde, kommt in einer anderen an.
Österreichische Profi-Spieler, die im Ausland unter Vertrag stehen, stehen vor denselben Herausforderungen wie Manager mit internationalen Gehaltsbestandteilen oder Selbstständige mit Kunden in mehreren Ländern. Das Stichwort ist immer dasselbe: steuerliche Ansässigkeit, Quellensteuer, Doppelbesteuerungsabkommen.
Was für WM-Stars gilt, gilt auch für Privatpersonen: Wer unerwartet größere Summen erhält – etwa durch eine Abfindung, einen Aktienverkauf oder eine Erbschaft im Ausland – sollte nicht auf eigene Faust handeln. Ein strukturierter Vermögensplan, erstellt gemeinsam mit einem Experten, verhindert teure Fehler.
Mehr zur Steuersituation österreichischer Fußballer bei internationalen Turnieren erklärt der Artikel über Kylian Mbappé und sein Vermögen bei der WM 2026.
Wie Spielerprämien bei früheren Turnieren strukturiert wurden, zeigt ein Vergleich mit dem Prämienmodell Schweden vs. Tunesien bei der WM 2026.
Wann sollte man einen Vermögensberater hinzuziehen?
Die kurze Antwort: Früher als die meisten denken. Nicht erst wenn das Geld bereits eingetroffen ist, sondern schon in der Planungsphase. Gerade bei internationalem Bezug – Arbeiten im Ausland, Wertpapiere in Fremdwährungen, Immobilien in anderen EU-Staaten – lohnt sich eine professionelle Beratung bereits ab Beträgen, die für Profifußballer wie Kleingeld klingen mögen, für Privatpersonen aber bedeutsam sind.
Ein Vermögensberater kann helfen bei:
- Steueroptimierung: Welche Einkünfte sind in Österreich, welche im Ausland zu versteuern?
- Währungsrisiko: Wie absichern gegen Schwankungen bei Fremdwährungs-Erträgen?
- Vorsorgeplanung: Wie langfristig anlegen, damit einmalige Erträge dauerhaften Nutzen bringen?
- Compliance: Welche Meldepflichten gelten in Österreich für ausländische Konten oder Beteiligungen?
Wer eine professionelle Einschätzung der eigenen finanziellen Situation sucht, findet auf Expert Zoom spezialisierte Vermögensberater, die auch komplexe internationale Fragen beantworten können.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle steuerliche oder rechtliche Beratung. Bei konkreten Fragen zu Ihrer persönlichen Steuersituation wenden Sie sich an einen qualifizierten Steuerberater oder Vermögensberater.

Markus Weber