Bas Eickhout, niederländischer Grünen-Abgeordneter im EU-Parlament und Ko-Spitzenkandidat der europäischen Grünen, treibt im Mai 2026 das ambitionierteste Klimapaket seit dem Green Deal voran: das sogenannte "Fit for 90". Das Gesetzespaket soll in der zweiten Hälfte 2026 vorgelegt werden und enthält tiefgreifende Reformen des EU-Emissionshandels (ETS) sowie eine Verschärfung des CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM). Für österreichische Anlegerinnen und Anleger sowie für Unternehmer mit Lieferketten außerhalb der EU bedeutet das konkret: drei finanzielle Risiken, die Vermögensberater schon jetzt auf der Agenda haben.
Am 9. Dezember 2025 einigten sich EU-Parlament und Rat auf das 2040-Klimaziel von minus 90 Prozent Treibhausgasen gegenüber 1990. Eickhout, Ko-Vorsitzender der grünen Fraktion und Berichterstatter zentraler Klimaakten, war einer der treibenden Architekten dieses Beschlusses. Die Europäische Kommission hat im Februar 2026 eine öffentliche Konsultation zur Post-2030-Klimapolitik gestartet. Das daraus entstehende "Fit for 90"-Paket wird laut Brüsseler Quellen den ETS auf weitere Sektoren ausweiten und die kostenlose Zuteilung von Emissionsrechten für Industrieanlagen schneller auslaufen lassen als bisher geplant.
Risiko 1: CBAM-Erweiterung trifft Importeure stärker
Der CO₂-Grenzausgleichsmechanismus ist seit dem 1. Jänner 2026 in der definitiven Phase. Importeure von Eisen, Stahl, Zement, Aluminium, Düngemitteln, Wasserstoff und Strom müssen für die in der Produktion entstandenen Emissionen Zertifikate erwerben. Eickhout hat bereits im April 2026 öffentlich gefordert, den CBAM auf weiterverarbeitete Produkte wie Schrauben, Drähte, Bleche und Industriekomponenten auszuweiten. Für österreichische KMU, die Halbfertigprodukte aus der Türkei, China oder Indien beziehen, würde das die Einkaufspreise spürbar verteuern.
Vermögensberater raten betroffenen Unternehmern bereits jetzt, die eigenen Lieferketten auf indirekte CBAM-Risiken zu analysieren. Wer Aktien österreichischer Industriewerte wie voestalpine, Wienerberger oder Mayr-Melnhof im Depot hält, sollte den Anteil dieser CBAM-sensiblen Importe in der Bilanz prüfen. Der Aktienkurs reagiert traditionell sensibel auf Margenrisiken im Vorleistungsbereich. Eine konkrete Frage an die eigene Beraterin lautet: Welche Anteile des Umsatzes betroffener Unternehmen entstammen Lieferungen, die ab 2028 zusätzliche CBAM-Zertifikate erfordern? Die Antwort darauf entscheidet, ob eine Position übergewichtet, gehalten oder reduziert werden sollte.
Auch Privatpersonen mit Photovoltaik- oder Wärmepumpen-Plänen sind indirekt betroffen: Komponenten aus chinesischer Produktion verteuern sich, wenn die CBAM-Liste erweitert wird. Wer 2026 noch eine Anlage installieren möchte, sollte den Auftrag möglichst rasch fixieren.
Risiko 2: ETS-Verschärfung verteuert Heiz- und Treibstoffe
Das geplante "Fit for 90"-Paket sieht laut Eickhout eine engere Verzahnung von ETS-1 (Industrie, Energie, Luftfahrt) und ETS-2 (Gebäude, Verkehr) vor. Der ETS-2 startet 2027 mit einem CO₂-Preis, der voraussichtlich bei rund 45 Euro pro Tonne liegt. Eickhout plädiert für eine schnellere Abschmelzung der kostenlosen Zertifikate und einen ambitionierteren Reduktionspfad, was den Preis nach Schätzungen mehrerer EU-Thinktanks bis 2030 auf 80 bis 120 Euro pro Tonne treiben könnte.
Für Eigenheimbesitzerinnen mit Gas- oder Ölheizung bedeutet das laufend steigende Heizkosten. Wer eine Sanierung plant, kann diese Mehrkosten in die Wirtschaftlichkeitsrechnung einer Wärmepumpe oder Pelletheizung einrechnen. Ein Vermögensberater hilft, die Investition mit verfügbaren Förderungen wie "Sauber heizen für alle" und der erhöhten Reparaturprämie 2026 zu kombinieren und die optimale Finanzierungsstruktur zu finden.
Auch Vermieter sollten die geplanten ETS-Verschärfungen einkalkulieren. Eigentümer von Mehrparteienhäusern mit Gaszentralheizung könnten nach 2027 vor erheblichem Sanierungsdruck stehen, weil die Betriebskosten an die Mieter weitergegeben werden müssen und gleichzeitig die EU-Gebäuderichtlinie 2026 verschärfte Effizienzpflichten vorsieht. Wer jetzt nicht plant, riskiert spätere Sanierungsstaus.
Risiko 3: Stranded Assets im Anlegerportfolio
Eickhouts Klimakurs erhöht das Tempo der Dekarbonisierung. Fossile Vermögenswerte – Anteile an Öl- und Gasunternehmen, aber auch Energieversorger ohne klare Transformationsstrategie – könnten in den nächsten zehn Jahren deutlich an Wert verlieren. Die Europäische Zentralbank hat in einer am 5. Mai 2026 veröffentlichten Stellungnahme ihrer Direktorin Frank Elderson erneut betont, dass Klimarisiken in die Geldpolitik einfließen müssen. Bankaufseher rechnen damit, dass Stresstests künftig auch CO₂-Szenarien stärker berücksichtigen.
Für österreichische Privatanleger heißt das: ETFs mit hoher Gewichtung fossiler Werte tragen ein wachsendes Risiko. Ein Vermögensberater kann das Depot auf ESG-Konformität prüfen, das Klimarisiko quantifizieren und Umschichtungen in transformationsfähige Unternehmen oder explizite Klima-ETFs vorschlagen. Wichtig ist eine differenzierte Analyse – nicht jede Energieaktie ist ein Stranded Asset, sondern nur jene ohne glaubhafte Transformationsstrategie.
Eickhouts politisches Gewicht in Brüssel
Bas Eickhout ist nicht irgendein Hinterbänkler: Er sitzt seit 2009 im EU-Parlament, war Berichterstatter bei der ETS-Reform 2023 und gilt in Brüssel als einer der zentralen Verhandler in Klimaakten. Im Dezember 2024 wurde er zum Ko-Vorsitzenden der Greens/EFA-Fraktion gewählt – ein Posten mit erheblichem Einfluss auf die Kompromisslinien zwischen Sozialdemokraten, Liberalen und Volkspartei. Seine Forderungen werden von Investmentbanken und Wirtschaftskammern aufmerksam verfolgt, weil sie in der Vergangenheit oft Vorboten finalisierter EU-Gesetze waren.
Für österreichische Anleger ist relevant, dass Eickhout im Mai 2026 wiederholt betont hat, das "Fit for 90"-Paket dürfe nicht durch nationale Lobbyaktionen verwässert werden. Auf österreichischer Seite versuchen Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer derzeit, Ausnahmeregelungen für energieintensive Betriebe zu verhandeln. Der Ausgang dieser Auseinandersetzung wird bis Herbst 2026 darüber entscheiden, wie hart die Auswirkungen auf konkrete Bilanzen ausfallen.
Was Sie bis Herbst 2026 prüfen sollten
Das "Fit for 90"-Paket wird in der zweiten Jahreshälfte 2026 im Detail vorgelegt. Bis dahin lohnt sich eine strukturierte Bestandsaufnahme: Wie hoch ist Ihr Exposure gegenüber CBAM-sensiblen Branchen? Welche Heizung betreibt Ihr Eigenheim, und ab welchem CO₂-Preis kippt die Wirtschaftlichkeit? Wie ESG-konform ist Ihr Aktien- und Fondsdepot wirklich?
Ein qualifizierter Vermögensberater kombiniert Klimarisiken mit Steueroptimierung, Förderungen und Erbschaftsplanung zu einer Gesamtstrategie. Wer jetzt umschichtet, profitiert von niedrigeren Bewertungen klimakonformer Werte und vermeidet späteren Verkaufsdruck. Details zur EU-Klimaagenda 2026 stellt die Europäische Kommission zum CBAM bereit.
Die politische Richtung ist klar: Eickhout und die Mehrheit im EU-Parlament wollen das 2040-Ziel mit klaren ordnungspolitischen Instrumenten erreichen. Anleger, die diese Marktverschiebung früh in ihre Strategie einbauen, haben einen messbaren Renditevorteil.
