WM 2026 Australien – Ägypten: Was der Jubel-Abend für Ihre Haustiere bedeutet

Hund versteckt sich ängstlich unter dem Sofa während WM 2026 Feier im Wohnzimmer
Anna Anna MüllerTiergesundheit und Veterinärmedizin
4 Min. Lesezeit 3. Juli 2026

Als am 3. Juli 2026 um 20:00 Uhr MESZ die WM-Begegnung Australien gegen Ägypten im AT&T Stadium in Arlington, Texas, angepfiffen wurde, saßen Millionen Fußballfans in Österreich vor dem Fernseher. Was als spannender Abend begann – Ägypten traf durch Emam Ashour in der 13. Minute, Australien glich per Eigentor aus, das Spiel wurde in die Verlängerung getragen und endete schließlich im Elfmeterschießen –, war für die Haustiere der jubelnden Fans etwas ganz anderes: ein potenziell stressvolles Erlebnis.

Das Achtelfinale und Ihr Tier: Eine unterschätzte Verbindung

Dass ein WM-Abend zu Hause mit Hund oder Katze belastend werden kann, wissen die wenigsten Fans. Dabei ist die Verbindung eindeutig: Plötzliche Jubelrufe, unerwartete Besucher, laute Kommentatoren aus dem Fernseher – all das kann das Nervensystem eines Haustieres erheblich belasten. Laut einer aktuellen Untersuchung, die in der Fachzeitschrift Frontiers in Veterinary Science veröffentlicht wurde und Daten von 43.517 Hunden auswertete, zeigen 42,9 Prozent aller Haushunde mindestens milde Angstreaktionen bei plötzlichen oder lauten Geräuschen. Knapp 10 Prozent werden dabei als extrem verängstigt eingestuft. Insgesamt geht die Forschung davon aus, dass zwischen einem Viertel und der Hälfte aller Heimtiere betroffen ist – die meisten Besitzerinnen und Besitzer erkennen die Warnsignale jedoch nicht.

Warum Jubelschreie für Tiere so bedrohlich wirken

Hunde und Katzen haben kein Verständnis dafür, was ein Elfmeterschießen ist oder warum plötzlich zehn Menschen in der Wohnung laut schreien. Was Menschen als reine Freude erleben, erscheint einem Tier als unkontrollierbare, bedrohliche Situation.

Mehrere Faktoren wirken gleichzeitig: Die Lautstärke des Jubels liegt weit über dem Alltagsniveau. Das Herzklopfen aufgeregter Menschen überträgt sich auf empfindliche Tiere. Unbekannte Besucher verändern Raumstruktur und Gerüche. Und das alles in einem unregelmäßigen, unvorhersehbaren Rhythmus – Stille, dann plötzlich lauter Aufschrei, dann wieder Stille. Genau diese Unberechenbarkeit ist es, die bei Tieren den Stresshormon-Spiegel in die Höhe treibt. Laut der American Animal Hospital Association (AAHA) aktiviert anhaltende Lärmexposition bei Hunden das sympathische Nervensystem und führt zu einem anhaltenden Kortisol-Anstieg – ähnlich wie beim Menschen unter Stress, nur dass Tiere die Situation weder einordnen noch ihr entfliehen können.

Stresssignale erkennen: Was Ihr Tier Ihnen sagt

Die meisten WM-Fans übersehen die Warnsignale ihrer Haustiere, weil sie selbst zu sehr ins Spielgeschehen eingetaucht sind. Dabei kommunizieren Hunde und Katzen deutlich, wenn sie überfordert sind.

Typische Zeichen bei Hunden sind starkes Zittern oder Hecheln ohne körperliche Anstrengung, das Verstecken unter Möbeln oder hinter Geräten, unkontrolliertes Bellen oder Jaulen sowie Durchfall oder Erbrechen nach einem aufregenden Abend. Katzen reagieren häufig mit Futterverweigerung, ziehen sich in abgelegene Wohnungsbereiche zurück, betreiben übermäßige Fellpflege als Selbstberuhigung oder zeigen trotz sauberem Katzenklo unsauberes Verhalten. Ein einzelner stressiger Abend schadet den meisten Tieren nicht dauerhaft. Werden solche Belastungen jedoch regelmäßig ignoriert – etwa über sechs Wochen WM-Abende hinweg –, können sich chronische Angststörungen entwickeln, die tierärztliche Behandlung erfordern.

Was Tierärzte für WM-Abende empfehlen

Die gute Nachricht: Mit ein wenig Vorbereitung lässt sich der WM-Abend für Mensch und Tier gleichermaßen angenehm gestalten.

Rückzugsort einrichten: Bereiten Sie vor dem Anpfiff einen ruhigen Platz in einer abgelegenen Ecke der Wohnung vor – mit der Lieblingsdecke des Tieres, Spielzeug und frischem Wasser. Schließen Sie die Tür, wenn nötig.

Hintergrundgeräusche nutzen: Ein laufendes Radio auf niedrigem Niveau in einem anderen Zimmer kann helfen, die plötzlichen Lautstärke-Ausschläge abzupuffern und das Tier abzulenken.

Routinen einhalten: Geben Sie dem Hund Abendfütterung und letzten Spaziergang zum gewohnten Zeitpunkt, bevor Gäste eintreffen. Vertraute Abläufe wirken stabilisierend.

Pheromone und Entspannungsmittel: Es gibt rezeptfreie Produkte auf Pheromonbasis – für Hunde etwa DAP-Diffuser, für Katzen Feliway –, die Tierärzte für stressige Ereignisse empfehlen. Mindestens 24 Stunden vorher einsetzen.

Gäste briefen: Bitten Sie Besucherinnen und Besucher, ruhig auf Tiere zuzugehen und ihnen keinen Aufmerksamkeitsdruck zu machen. Kinder sollten darauf hingewiesen werden, das Tier in seinem Rückzugsort in Ruhe zu lassen.

Wann ein Tierarzt gefragt ist

Wenn Ihr Hund oder Ihre Katze bereits bei früheren WM-Spielen, Silvesterfeiern oder anderen Großereignissen mit starken Angstreaktionen reagiert hat, sollten Sie vor dem nächsten Spielabend unbedingt eine Tierärztin oder einen Tierarzt aufsuchen. In schweren Fällen können kurzfristig wirkende Beruhigungsmittel verschrieben werden, die sicher und tiergerecht eingesetzt werden können. Wichtig: Solche Mittel sollten nie ohne professionelle Beratung verabreicht werden, da falsche Dosierungen das Tier gefährden können.

Laut der Österreichischen Tierärztekammer ist lärmassoziierte Angst bei Hunden und Katzen einer der häufigsten Vorstellungsgründe in der tierärztlichen Praxis – besonders rund um Großereignisse wie die WM oder Silvester.

ExpertZoom: Schnelle Hilfe vor dem nächsten Anpfiff

Die WM 2026 bietet noch viele weitere spannende Begegnungen. Damit Ihre Haustiere die verbleibenden Wochen gut überstehen, lohnt sich ein kurzes Gespräch mit einer Fachperson. Auf ExpertZoom finden Sie österreichische Tierärztinnen und Tierärzte sowie Tierverhaltensberaterinnen, die Ihnen schnell und unkompliziert helfen können – auch kurzfristig vor einem WM-Abend. Schildern Sie die Situation Ihres Tieres und erhalten Sie eine individuelle Einschätzung: Ist das beobachtete Verhalten ein Warnsignal, und was hilft konkret?

Lieber einmal zu früh beim Experten nachgefragt als einmal zu spät – für Ihre Haustiere macht das einen entscheidenden Unterschied.

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