Am 17. Mai 2026 trifft Atlético Madrid zu Hause auf den abstiegsgefährdeten Girona FC aus Katalonien. Was nach einem gewöhnlichen La-Liga-Spieltag klingt, ist das Ende einer turbulenten Geschichte über Club-Investments, UEFA-Regulierungen und Multi-Club-Eigentumsmodelle – eine Geschichte, die auch für österreichische Anleger hochrelevant ist.
Girona und die City Football Group: Ein riskantes Investment
Girona FC ist kein gewöhnlicher Fußballclub. Die City Football Group (CFG) – der Eigentümerverbund hinter Manchester City – hält rund 47 Prozent der Anteile am katalanischen Verein. Weitere 35 Prozent gehören dem bolivianischen Unternehmer Marcelo Claure, der Rest dem Girona Football Group. CFG selbst wird zu 81 Prozent von der Abu Dhabi United Group kontrolliert.
Diese Eigentumsstruktur hat Girona international bekannt gemacht – und gleichzeitig in regulatorische Turbulenzen geführt. Bereits in der Saison 2024/25 forderte die UEFA die CFG auf, ihren Girona-Anteil zu veräußern, um dem katalanischen Verein eine Champions-League-Teilnahme zu ermöglichen. UEFA-Regeln zur Multi-Club-Ownership sollen verhindern, dass zwei Clubs desselben Eigentümers im gleichen europäischen Wettbewerb antreten.
Heute, am 17. Mai 2026, kämpft Girona als 15. der La Liga (40 Punkte) gegen den Abstieg aus der Erstklassigkeit. Atlético Madrid hingegen steht mit 66 Punkten auf Platz vier und benötigt Punkte für die Champions-League-Qualifikation.
Was Multi-Club-Ownership bedeutet – und warum es Risiken birgt
Multi-Club-Ownership (MCO) beschreibt das Modell, bei dem ein Eigentümer oder eine Investorengruppe Anteile an mehreren Fußballclubs gleichzeitig hält. CFG besitzt neben Manchester City und Girona auch New York City FC, Melbourne City sowie Club Brugge. Das Ziel: Talentaustausch, gemeinsames Scouting und globale Markenentwicklung. Für Investoren klingt das attraktiv – doch das Girona-Modell zeigt, welche Risiken entstehen können.
Regulatorische Blockaden durch UEFA und FIFA
UEFA-Regelwerke untersagen es, dass zwei Clubs unter gemeinsamem Eigentümer im gleichen europäischen Wettbewerb antreten. Wer als Investor in Club A einsteigt, muss prüfen, ob eine Beteiligung an Club B regulatorische Probleme verursacht. Im schlimmsten Fall verliert Club B seine Startberechtigung – inklusive der damit verbundenen TV-Einnahmen von bis zu 100 Millionen Euro pro Champions-League-Saison. Alle relevanten Regularien finden sich auf der offiziellen UEFA-Seite zur finanziellen Nachhaltigkeit.
Abgekoppelte sportliche und finanzielle Wertentwicklung
Girona stieg 2023/24 als Sensation in die Champions League auf und begeisterte Europa. Zwei Saisons später kämpft der Club gegen den Abstieg. Wer nach dem Champions-League-Hype investiert hat, sitzt nun auf einem Anteil an einem Abstiegskandidaten. Die Bewertung von Fußballclubs ist extrem volatil und kaum mit traditionellen Assetklassen vergleichbar.
Komplexe Governance ohne Mitsprache
Bei MCO-Strukturen ist oft unklar, wer die strategischen Entscheidungen trifft: der lokale Clubvorstand oder die Zentrale des Mutterkonzerns. Für Minoritätsanleger bedeutet das wenig Einfluss – selbst bei signifikanten Anteilen. Marcelo Claures 35-Prozent-Beteiligung an Girona gibt ihm keinen operativen Einfluss auf den sportlichen Betrieb.
Wie österreichische Investoren Fußball-Investments richtig einschätzen
In Österreich zeigt ein wachsendes Interesse von Privatinvestoren und Family Offices, dass Fußball als Assetklasse zunehmend wahrgenommen wird – sei es über Direktbeteiligungen, Fanaktien-Modelle oder spezialisierte Fonds. Drei Punkte sind dabei entscheidend:
1. Regulatorische Due Diligence vor jedem Investment
Bevor Sie in einen Club investieren, müssen UEFA- und FIFA-Regulierungen zur Multi-Club-Ownership sorgfältig geprüft werden. Das erfordert Expertise im Sportrecht und Kapitalmarktrecht – ein auf Sportinvestments spezialisierter Anwalt oder Vermögensberater kann hier den entscheidenden Unterschied machen.
2. Sportliche Performance korreliert nicht mit finanziellem Wert
Eine gute Saison erhöht den Unternehmenswert erheblich – ein Abstieg kann ihn halbieren. Die Bewertungsmodelle für Fußballclubs sind spezialisiert und unterscheiden sich fundamental von klassischen Unternehmensbewertungen. Aktuelle Marktdaten, Transfererlöspotenziale und TV-Verteilungsschlüssel müssen verstanden werden, bevor eine Investitionsentscheidung getroffen wird.
3. Liquiditätsrisiken konsequent einkalkulieren
Clubanteile sind illiquide. Wer einsteigt, sollte davon ausgehen, dass er fünf bis zehn Jahre nicht aussteigen kann – und im ungünstigsten Fall auf einem wertlosen Anteil eines abgestiegenen oder insolventen Vereins sitzt. Ein erfahrener Vermögensberater wird diese Risikokategorie in die gesamte Portfolio-Allokation einbetten und sicherstellen, dass Sportinvestments nicht einen unverhältnismäßig hohen Anteil des liquiden Vermögens binden.
4. Timing ist alles – und oft gegen den Investor
Der typische Retail-Investor steigt im Hochgefühl einer guten Saison ein und verkauft nach einem schlechten Jahr. Profis kaufen in der Krise und verkaufen bei Euphorie. Girona ist dafür ein Lehrbuchbeispiel: Wer 2024 nach dem Champions-League-Aufstieg investierte, steckt 2026 im Abstiegskampf fest.
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Der österreichische Kontext: Wann lohnt sich ein Clubinvestment?
In Österreich ist der Red Bull Salzburg das bekannteste Beispiel einer professionell geführten Clubstruktur mit internationaler Eigentümerschaft. RB Salzburg ist Teil des Red Bull-Netzwerks – ähnlich wie Girona im CFG-Verbund. Doch Salzburg profitiert von stabilen Strukturen, klarer sportlicher Identität und einem langen Zeithorizont der Eigentümer. Das ist die Ausnahme, nicht die Regel.
Wer als Privatinvestor in einen kleineren österreichischen oder europäischen Verein einsteigen möchte, bewegt sich in einem deutlich unübersichtlicheren Terrain. Hier sind Eigenkapitalverzinsung, Schuldenstruktur, Nachwuchsregelung und Lizenzbedingungen zu prüfen – ein komplexes Geflecht aus Sport-, Steuer- und Gesellschaftsrecht, das ohne Expertenbegleitung schwer zu navigieren ist.
Was das Spiel heute bedeutet – und was danach kommt
Atlético Madrid gegen Girona am 17. Mai 2026 ist mehr als ein Fußballspiel. Es ist der vorläufige Tiefpunkt einer Investmentgeschichte, die zeigt: Fußball-Investments können spektakulär steigen – und ebenso spektakulär fallen. Ob Girona die Klasse hält oder absteigt, entscheidet sich womöglich an diesem Spieltag.
Für österreichische Anleger, die über ein Engagement im Fußball nachdenken, sollte die Geschichte Gironas als Warnung dienen: Emotion allein ist keine Anlagestrategie. Regulatorische Klarheit, sportliche Expertise und professionelle Finanzberatung sind die Grundlage für nachhaltige Sportinvestments.
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Hinweis: Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen zu Sportinvestments. Für individuelle Finanzberatung empfehlen wir, einen zugelassenen Vermögensberater zu konsultieren.
