Artem Zahnpasta in der Höhle der Löwen: Was Zahnarzt-Experten zu Whitening wirklich sagen

Zahnärztin erklärt einer Patientin eine Zahnfarbskala in einer modernen Wiener Zahnarztpraxis

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Claudia Claudia GruberGesundheit
6 Min. Lesezeit 28. September 2026

In der vierten Folge der 20. Staffel von "Die Höhle der Löwen" standen am 28. September 2026 auf VOX drei Frauen vor den Investoren: Diana zur Löwen, Rebecca Linneweber und Zahnärztin Julia von Wolff. Ihr Startup artem Oral Care präsentierte eine Whitening-Zahnpasta ohne Peroxid — und verließ das Studio ohne Deal. Doch während die Löwen zögerten, explodierten die Google-Suchanfragen nach "artem Zahnpasta" in Österreich. Was steckt hinter diesem Hype — und wem nützt das Produkt wirklich?

Das Produkt hinter dem TV-Hype

artem Oral Care ist alles andere als ein hastiger Startup-Pitch. Diana zur Löwen, die 2022 noch selbst als Investorin in der Löwen-Runde saß, kehrt diesmal als Gründerin zurück — ein Rollentausch, der medial für Aufsehen gesorgt hat und den Fan-Gemeinden beider Seiten beschäftigt. Das Produkt selbst setzt auf eine Kombination, die in der modernen Zahnmedizin zunehmend Aufmerksamkeit findet: Hydroxylapatit als Schmelzersatz, kombiniert mit Papain (Papayaenzym) und Bromelain (Ananasenzym) für enzymatisches Whitening, ohne die zahnärztlich umstrittenen Peroxide.

In den ersten sechs Monaten nach der Markteinführung erzielte das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 196.000 Euro Umsatz — mit lediglich einer einzigen Produktlinie. Im Pitch forderten die Gründerinnen zunächst 300.000 Euro für zehn Prozent der Unternehmensanteile, was einer impliziten Bewertung von 3 Millionen Euro entspricht. Nach Verhandlungen boten sie 400.000 Euro für zwanzig Prozent an — und scheiterten dennoch. Die Löwen zeigten Respekt für das Konzept, hielten die Bewertung aber für überzogen angesichts der frühen Umsatzzahlen.

Das TV-Scheitern hat die Neugier österreichischer Konsumentinnen und Konsumenten keineswegs gedämpft — im Gegenteil. Für viele stellt sich jetzt die Frage: Ist diese Zahnpasta das Geld wert, und vor allem — für wen ist sie wirklich geeignet? Die Antwort ist differenzierter, als ein Fernsehpitch vermitteln kann.

Was Zahnärzte über Hydroxylapatit und Enzyme sagen

Die wissenschaftliche Grundlage von artem ist solider als bei vielen anderen TV-Zahnpasten. Hydroxylapatit ist ein synthetisches Mineral, das strukturell mit natürlichem Zahnschmelz identisch ist und seit den 1970er-Jahren in Japan in der Zahnheilkunde eingesetzt wird. Laut der Österreichischen Zahnärztekammer gilt es als sichere und gut verträgliche Ergänzung bei der Remineralisierung des Zahnschmelzes — mit einem wichtigen Vorbehalt: Die Studienlage ist nach wie vor schmaler als beim klassischen Fluorid, das als anerkannter Goldstandard der Kariesprophylaxe gilt.

Papain und Bromelain, die pflanzlichen Enzyme aus Papaya und Ananas, lösen oberflächliche Eiweißschichten auf, an denen Verfärbungsstoffe (sogenannte Chromogene aus Kaffee, Rotwein, Tee oder Curry) haften. Das ist biochemisch fundiert und seit Jahren bekannt. Die entscheidende Unterscheidung lautet aber: Wie tief sitzt die Verfärbung? Extrinsische Verfärbungen — also jene, die auf der Zahnoberfläche oder im Belag haften — können von Enzymen reduziert werden. Intrinsische Verfärbungen hingegen, die im Innern des Dentins liegen (etwa nach Tetracyclin-Einnahme, nach Trauma oder durch genetische Anlage), sprechen auf keine Zahnpasta der Welt an. Dort helfen nur professionelles Bleaching oder restaurative Maßnahmen wie Veneers.

Ein häufig übersehener Pluspunkt von artem: Das Produkt ist SLS-frei, enthält also kein Natriumlaurylsulfat. Dieses Tensid findet sich in der Mehrzahl der günstigen Massenmarkt-Zahnpasten und kann bei Personen mit empfindlicher Mundschleimhaut oder häufig wiederkehrenden Aphthen (schmerzhafte Schleimhautgeschwüre) Reizungen auslösen. Für diese Gruppe ist eine SLS-freie Formel medizinisch sinnvoll — völlig unabhängig vom Whitening-Versprechen.

"Eine enzymbasierte Whitening-Zahnpasta kann die tägliche Pflege ergänzen und sichtbare Oberflächenverfärbungen mildern", erklärt eine in Wien tätige Zahnärztin, die Expert-Zoom-Nutzerinnen und -Nutzern beratend zur Seite steht. "Sie ersetzt jedoch keine professionelle Zahnreinigung und kein klinisches Aufhellungsverfahren. Und sie verändert unter keinen Umständen keramische Restaurationen." Dieser Satz ist das Destillat der meisten Fachexpertenmeinungen zu TV-tauglichen Zahnpasta-Produkten.

Die Fragen, die die Löwen nicht stellten

Das Format "Höhle der Löwen" priorisiert Marktpotenzial und Umsatzzahlen — nicht die klinischen Kontraindikationen eines Produkts. Genau diese Fragen landen jedoch unmittelbar danach in österreichischen Zahnarztpraxen. Drei praxisrelevante Punkte, die im Pitch unerwähnt blieben:

Wer sollte Whitening-Zahnpasten meiden? Personen mit freiliegenden Zahnhälsen oder Zahnfleischrückgang haben eine erhöhte Dentinhypersensitivität — Whitening-Produkte können diese Sensitivität weiter steigern. Personen mit bestehenden Keramikverblendungen (Veneers), Kronen oder Composite-Füllungen sollten besonders aufmerksam sein: Whitening-Substanzen hellen ausschließlich natürlichen Zahnschmelz auf. Restaurative Materialien bleiben in ihrem ursprünglichen Farbton — so entstehen sogenannte "Whiteningkanten", optische Farbübergänge zwischen aufgehelltem Naturzahn und unveränderter Krone, die aufwendig zu korrigieren sind.

Für wen ist das Produkt sinnvoll geeignet? Menschen mit vollständig natürlichen Zähnen ohne umfangreiche Restaurationen, mit extrinsischen Verfärbungen durch Genussmittel und mit empfindlicher Mundschleimhaut, die von SLS-freier Pflege profitieren — für diese Gruppe stellt artem eine vernünftige, gut begründete Option dar.

Was ist bei aktiver Karies oder Parodontitis zu beachten? Aktive Karies oder eine entzündete Parodontitis müssen immer prioritär behandelt werden. Ein Whitening-Produkt überdeckt keine kariösen Läsionen und ersetzt nie eine zahnärztliche Grundsanierung. Wer seit mehr als einem Jahr keinen Zahnarzttermin hatte, sollte zuerst eine Kontrolle buchen — dann über das Pflegeprodukt nachdenken.

Konkret: Was ändert sich für Sie nach der HDLL-Folge?

Stellen Sie sich vor: Anna, 34 Jahre alt, Lehrerin in Graz. Sie trinkt täglich drei bis vier Tassen Kaffee, hat über die Jahre leichte Verfärbungen an den oberen Frontzähnen entwickelt und leidet unter empfindlichen Zähnen. Bisherige Whitening-Streifen mit Peroxid hat sie deshalb gemieden. Nach der HDLL-Folge überlegt sie ernsthaft, artem auszuprobieren.

Szenario A — Natürliche Zähne, extrinsische Verfärbungen: Wenn Annas Zähne vollständig natürlich sind (keine Kronen, keine Veneers, kein größeres Composite) und die Verfärbungen oberflächlich durch Kaffee oder Tee entstanden sind, dann kann sie nach drei bis vier Wochen regelmäßiger Anwendung (zweimal täglich, zwei Minuten Bürstzeit) eine sichtbare Aufhellung der obersten Zahnschicht erwarten — die Enzyme arbeiten genau für diesen Fall. Kosten: Der artem Monatsvorrat liegt laut Produktseite bei rund 12 bis 15 Euro, verglichen mit 2 bis 4 Euro für eine herkömmliche Drogerie-Zahnpasta. Das ist ein spürbarer Aufpreis, der für Menschen mit spezifischer Indikation klinisch gerechtfertigt sein kann.

Szenario B — Zähne mit Keramikrestaurationen: Wenn Anna hingegen eine Keramikkrone an Zahn 11 hat — etwa nach einem Unfall in der Kindheit — dann drohen Whiteningkanten: Der benachbarte Naturzahn hellt sich auf, die Krone verbleibt in ihrem alten Farbton. Eine Korrektur erfordert in österreichischen Zahnarztpraxen die Erneuerung der Krone in einem helleren Farbton — das kostet zwischen 800 und 2.000 Euro pro Einheit. Ein kurzes Gespräch mit der Zahnärztin vor dem ersten Whitening-Versuch hätte diesen Aufwand komplett verhindert.

Die praktische Entscheidungsformel: Wenn natürliche Zähne ohne relevante Restaurationen vorhanden sind UND extrinsische Verfärbungen durch Genussmittel bestehen UND SLS-freie Pflege gewünscht wird → dann ist ein Produkt wie artem ein sinnvoller Versuch. Wenn jedoch Restaurationen vorhanden oder intrinsische Verfärbungen das Problem sind → erst Zahnarzttermin, dann Produktentscheid.

Was Sie jetzt tun sollten

Die Höhle der Löwen macht aus guten Produkten Gesprächsstoff — aber keine Zahnarztdiagnose. artem Oral Care ist ein sorgfältig entwickeltes Produkt, das mit einer Zahnärztin im Gründungsteam mehr Glaubwürdigkeit mitbringt als die meisten Whitening-Trends aus Social Media. Und dennoch gilt: Ob das Produkt zu Ihrem Mund passt, hängt von Ihrem persönlichen Zahnstatus, Ihrer Vorgeschichte und Ihren vorhandenen Restaurationen ab.

Vor dem Kauf lohnt sich eine kurze Rückfrage in der Zahnarztpraxis — telefonisch oder beim nächsten Routinetermin: "Sind meine Zähne für eine enzymbasierte Whitening-Zahnpasta geeignet?" In vielen Praxen in Wien, Graz, Linz und Salzburg ist das eine Frage, die in wenigen Minuten beantwortet wird.

Wenn Sie keinen aktuellen Zahnarzt haben oder eine Zweitmeinung zu Ihrem Pflegeprogramm suchen, helfen Ihnen auf Expert Zoom spezialisierte Zahnärztinnen und Zahnärzte, die Ihre persönliche Situation einschätzen — auch online. Lesen Sie auch unseren Artikel über die Dyson CameraJet Zahnbürste und was Zahnexperten dazu sagen.

Ein gesundes Lächeln beginnt nicht mit einem TV-Pitch — sondern mit der richtigen Diagnose.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle zahnärztliche Beratung (YMYL). Bei Beschwerden, Unsicherheiten oder vor dem Kauf von Whitening-Produkten wenden Sie sich bitte an eine zugelassene Zahnarztpraxis.

Bildnachweise : Dieses Bild wurde mittels künstlicher Intelligenz generiert.

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