Andreas Herzog als ORF-WM-Experte: Was Sportlegenden beim Karrierewechsel finanziell beachten müssen

Andreas Herzog als ORF-WM-Experte analysiert Fußball in der Kommentatorbox

Photo : Steindy / Wikimedia

Markus Markus WeberVermögensberatung
6 Min. Lesezeit 3. August 2026

Andreas Herzog wechselt für die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Nordamerika vom Pay-TV-Sender Sky zum ORF – und analysiert dort alle ÖFB-Spiele live vor Ort. Der 103-fache österreichische Nationalspieler ist der perfekte Mann für diesen Job: Er hat in den USA gespielt, das Land als Co-Trainer von Jürgen Klinsmann beim US-Nationalteam (2019–2021) von innen kennengelernt und war bereits an Österreichs letzter WM-Teilnahme 1998 maßgeblich beteiligt. Was für Fußballfans eine willkommene Expertise am Bildschirm bedeutet, wirft für Finanzberater eine vertraute Frage auf: Wie organisiert jemand seine Altersvorsorge, der jahrelang ein geregeltes Einkommen als Trainer hatte und nun auf variable Medienhonorare umsteigt?

Von der Trainerbank zur Mattscheibe – Herzogs WM-Mission beim ORF

Andreas Herzog gehört zu den prägendsten Figuren des österreichischen Fußballs. Nach 103 Länderspielen und Stationen bei Werder Bremen, Bayern München und LA Galaxy schlug er eine Trainerkarriere ein. Als Co-Trainer unter Jürgen Klinsmann betreute er von 2023 bis 2024 das südkoreanische Nationalteam. Zuletzt war er als Experte und Analyst für Sky tätig – ehe der ORF für das Großevent WM 2026 zugriff und sich Herzog von seinem Stammsender auslieh.

Beim ORF begleitet Herzog Rainer Pariasek als Experte an den österreichischen Spielorten in den USA. Er war beim ÖFB-Camp in Santa Barbara präsent und reiste zu den Gruppenspielen gegen Jordanien, Argentinien und Algerien. Seine Analysen brachten mehr als bloße Taktikkommentare: Herzog forderte ein grundsätzliches Umdenken in der österreichischen Nachwuchsausbildung, hin zu einer ganzheitlicheren Spielphilosophie.

Für die Medienbranche ist dieser Wechsel strategisch: ORF gewinnt einen der gefragtesten Sportexperten des Landes für das größte Fußballereignis des Jahrzehnts. Für Herzogs persönliche Finanzplanung bedeutet er etwas anderes – den erneuten Wechsel in die unsichere Welt der Medienhonorare.

Vom fixen Trainerstab-Gehalt zur variablen TV-Honorarwelt

Profifußballer und Trainer sind finanziell in der Regel gut abgesichert – nicht weil sie selbst viel planen, sondern weil Vereine, Agenten und Manager ihnen diese Arbeit abnehmen. Der Verein zahlt in die Sozialversicherung ein, das Gehalt kommt pünktlich, Abfertigung und Krankenschutz sind geregelt. Diese Komfortzone endet mit dem letzten Trainervertrag.

TV-Experten – selbst solche mit der Prominenz eines Andreas Herzog – werden in der Regel als freie Dienstnehmer oder auf Werkvertragsbasis beschäftigt. Das bedeutet: Honorar pro Einsatz, keine automatische Abfertigung, keine betriebliche Altersvorsorge, und eigenverantwortliche Verwaltung der Sozialabgaben.

Die rechtliche Einordnung ist dabei entscheidend: Wer als freier Dienstnehmer über der monatlichen Geringfügigkeitsgrenze (2026: €558,48 brutto) tätig ist, fällt unter das ASVG und muss Beiträge zur Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung leisten. Wer auf eigene Rechnung tätig ist und den jährlichen Gewinn von €6.221 übersteigt, unterliegt dem Gewerblichen Sozialversicherungsgesetz (GSVG). Diese Unterscheidung klingt technisch – hat aber massive Konsequenzen für die Pensionshöhe im Alter.

Das zweite Problem: TV-Engagements sind saisonal. Eine Weltmeisterschaft füllt zwei Monate intensiv, dann folgt Stille. Wer das nicht aktiv plant, baut über Jahre kein tragfähiges Pensionspolster auf – selbst wenn die Einzelhonorare beachtlich sind.

Honorar, Steuer, Beitrag – was von einem WM-Einkommen wirklich übrig bleibt

Über konkrete TV-Honorare österreichischer Sportexperten ist öffentlich wenig bekannt. Als Orientierungsgröße gehen Branchenbeobachter davon aus, dass etablierte Experten bei Großturnieren für sieben bis zehn Einsätze Gesamthonorare im fünfstelligen Bereich erzielen können – also grob €15.000 bis €20.000 für die WM-Gruppenphase.

Doch was bleibt davon? Rechnen wir mit €17.500 Brutto-Honorar als freier Dienstnehmer:

  • Kranken- und Pensionsversicherungsbeitrag (Dienstnehmeranteil, ASVG): rund 18,12 %
  • Einkommensteuer: Bei einem Jahreseinkommen über €60.000 liegt der Grenzsteuersatz in Österreich bei 48 %
  • Nettoergebnis: Weniger als €8.000 nach Abgaben – für zwei Monate intensive Arbeit mit Reisen in die USA

Das ist kein schlechtes Ergebnis. Aber es zeigt: Die WM allein trägt keine Existenz, und ein Medienpensum von wenigen Wochen im Jahr baut kein solides Alterspolster auf.

Konkreter Fall: Der 52-jährige Ex-Nationalspieler als Medienexperte

Stellen wir uns den Fall eines ehemaligen österreichischen Nationalspielers vor, der mit 52 Jahren als TV-Experte einsteigt. Er hat in seiner aktiven Zeit gut verdient, aber aufgrund von Auslandskarrieren – Deutschland, USA, Südostasien – nur rund acht Jahre österreichische Pensionsbeiträge geleistet. Mit 65 Jahren Regelpensionsalter hat er noch 13 Jahre, um privat vorzusorgen.

Er erhält für die WM 2026 €18.000 Brutto-Honorar als freier Dienstnehmer. Dazu kommen sporadische Einsätze für Qualifikationsrunden und Analyseformate – insgesamt etwa €12.000 in einem regulären Jahr. Sein TV-Jahreseinkommen: rund €30.000 in WM-Jahren, €12.000 sonst.

Was bedeutet das für die Pension?

Die staatliche Pension auf Basis von acht österreichischen Beitragsjahren (plus anerkennbaren ausländischen Zeiten) könnte bei Pensionsantritt deutlich unter €500 monatlich liegen. Jedes zusätzliche Beitragsjahr erhöht den Anspruch – aber bei variablem Medieneinkommen wächst die staatliche Pension langsam.

Die private Rechnung: Wenn er ab sofort €700 monatlich in ein fondsgebundenes Vorsorgeprodukt investiert (angenommene reale Rendite: 3,5 % p.a.), baut er bis 65 einen Kapitalstock von rund €147.000 auf. Ausgezahlt als ergänzende Privatpension über 20 Jahre ergibt das etwa €735 monatlich – zusätzlich zur staatlichen Rente.

Ohne diese private Sparleistung droht eine Gesamtpension unter €500, obwohl der Ex-Profi in seiner aktiven Zeit deutlich mehr als der österreichische Durchschnitt verdient hat. Der Unterschied: Ein typischer Angestellter mit 45 Beitragsjahren erhält 2026 laut Pensionsversicherungsanstalt eine gesetzliche Pension von durchschnittlich rund €1.500 monatlich. Die Lücke für Medienexperten mit lückenhafter Beitragshistorie ist real – und schließbar, wenn früh genug gehandelt wird.

Ein weiterer Hebel: Die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) ermöglicht eine freiwillige Weiterversicherung für Personen, die vorübergehend nicht pflichtversichert sind. Auch die Nachkaufmöglichkeit für Auslandsbeitragszeiten lohnt eine Prüfung – die Kosten sind einkommensabhängig und können auf der PVA-Website berechnet werden.

Fünf Maßnahmen für eine solide Medienkarriere ohne Alterslücke

Finanzberater, die mit Ex-Sportprofis in Medienjobs arbeiten, empfehlen fünf Schritte bereits vor dem ersten TV-Vertrag:

1. Versicherungsrechtliche Einstufung klären: Freier Dienstnehmer, Werkvertragsnehmer oder Gewerbetreibender – die Unterschiede bei Pensionsbeiträgen und Krankenversicherung sind erheblich. Eine falsche Einstufung merkt man oft erst bei der Pensionsbehörde – zu spät.

2. Pensionslücken aus Auslandsjahren prüfen: Wer in Deutschland, den USA oder Asien gearbeitet hat, kann österreichische Beitragszeiten manchmal durch Abkommen nachträglich anrechnen lassen. Andere Lücken können über freiwillige Weiterversicherung bei der PVA geschlossen werden.

3. Liquiditätspuffer für die Nicht-WM-Jahre aufbauen: Wer in einem WM-Jahr €30.000 verdient und im Folgejahr €12.000, braucht einen Puffer von mindestens sechs Monatsausgaben als liquide Reserve. Ohne diesen Puffer wird die private Altersvorsorge bei schwacher Auftragslage als erstes geopfert.

4. Dritte Säule ab dem ersten Honorar besparen: Private Vorsorge – fondsgebundene Lebensversicherung, Wertpapierdepot oder prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge – sollte von Beginn an fließen. Finanzberater empfehlen mindestens 15 % des Jahresbruttoumsatzes. Jeder Monat Verzögerung kostet Aufzinsungszeit.

5. Steuerstruktur optimieren: Die Kleinunternehmerregelung (bis €35.000 Jahresumsatz steuerfrei) ist für Medieneinsteiger attraktiv. Wer regelmäßig mehr verdient, kann mit einem Steuerberater prüfen, ob eine GmbH-Struktur Vorteile bringt – besonders wenn Teile der Einnahmen reinvestiert werden sollen.

Auf Plattformen wie Expert Zoom können Interessierte unabhängige Vermögensberater online konsultieren – gezielt auf die Situation von Selbstständigen, Medienexperten oder ehemaligen Profisportlern zugeschnitten.

Die WM endet – die Vorsorge nicht

Andreas Herzog wird nach dem Sommer 2026 weiter gefragt sein. 103 Länderspiele, ein Jahrzehnt als Trainer auf drei Kontinenten und ein Netzwerk bis nach Nordamerika – seine Strahlkraft ist unbestritten. Aber nicht jeder, der den Schritt vom Spielfeld oder Trainerstab vor die Kamera wagt, hat dieselbe Anziehungskraft im Rücken.

Die Botschaft gilt für alle, die eine zweite Karriere in der Medienbranche anstreben: Ruhm ist kein Pensionsdepot. Öffentliche Präsenz zahlt keine Sozialversicherungsbeiträge. Und Honorare, die im richtigen Moment groß erscheinen, können im falschen Moment fehlen.

Wer die richtigen Weichen früh stellt – Sozialversicherungsstruktur, private Vorsorge, steuerliche Optimierung – schafft sich einen finanziellen Spielraum, der nicht von der nächsten WM-Einladung abhängt. Das ist beim Fußball nicht anders als in der Finanzplanung: Wer im richtigen Moment die richtige Entscheidung trifft, hat im Alter deutlich mehr Spielraum.

Hinweis: Dieser Artikel enthält allgemeine Informationen zu Vorsorge- und Sozialversicherungsthemen in Österreich. Er ersetzt keine individuelle Beratung durch einen lizenzierten Vermögensberater oder Steuerberater. Persönliche Situationen können erheblich abweichen.

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