Potapowa schreibt Geschichte in Madrid: Was Knie und Schulter bei Tennisprofis täglich leisten

Anastassija Potapowa im Tennismatch beim WTA-Turnier, dynamischer Schlag auf Sandplatz, journalistische Pressefotografie

Photo : Nuță Lucian from Cluj-Napoca, Romania / Wikimedia

Claudia Claudia GruberGesundheit
4 Min. Lesezeit 28. April 2026

Anastassija Potapowa schlug am 27. April 2026 beim Mutua Madrid Open die Weltranglistenzweite Elena Rybakina 7:6(8), 6:4 – mit blutendem Knie, nach einem Sturz in der entscheidenden Phase. Die österreichische Nummer eins ist die erste Lucky Loser überhaupt, die in Madrid das Viertelfinale erreicht, und steht kurz davor, als erste Spielerin unter österreichischer Flagge ein WTA-1000-Halbfinale zu betreten.

Das Bild, das Potapowa dabei abgab – auf dem Boden, Knie aufgeschürft, Finger fast gebrochen – zeigt, was Tennisprofis ihren Körpern täglich zumuten. „Ich hätte mir fast alle Finger gebrochen. Mein Knie blutete. Aber in diesem Moment sind es nur Reflexe", sagte Potapowa nach dem Match. Für Hunderttausende Hobbyspielerinnen und -spieler in Österreich stellt sich deshalb eine wichtige Frage: Wann ist Tennis noch gesund – und wann wird es gefährlich?

Knie im Dauerstress: Was jeder Richtungswechsel kostet

Bei jedem Richtungswechsel im Tennis – bis zu 800 pro Match auf Profi-Niveau – belastet das Kniegelenk mit dem Drei- bis Vierfachen des Körpergewichts. Das ist auf Sandplatz wie in Madrid besonders intensiv, weil das abrupte Abbremsen die Menisken und das Kreuzband stark fordert.

Die häufigsten Kniebeschwerden bei Tennisspielern:

  • Patellasehnen-Tendinopathie (Jumper's Knee): Chronische Reizung der Kniescheibensehne, ausgelöst durch Springen und abrupte Stopps. Typisches Warnsignal sind Schmerzen direkt unterhalb der Kniescheibe nach dem Training.
  • Meniskusrisse: Drehbewegungen beim Stopp-und-Go-Muster können bei wiederholter Belastung zu Einrissen führen – auch ohne Sturz wie bei Potapowa.
  • Seitenbanddehnung: Besonders auf Hartplatz beim Seitwärtsrutschen belastet, häufig unterschätzt.

Laut dem Österreichischen Gesundheitsportal gesundheit.gv.at sollten Schmerzen, die mehr als 48 Stunden nach der sportlichen Aktivität anhalten, ärztlich abgeklärt werden. Eine frühzeitige Diagnose per Ultraschall oder MRT kann eine akute Verletzung oft verhindern – und Monate Ausfallzeit ersparen.

Was die Schulter beim Aufschlag leistet

Beim Aufschlag eines Tennisprofis wirken innerhalb von Millisekunden Kräfte von mehreren hundert Newton auf die Schulterstruktur. Potapowas Aufschlag erreicht rund 185 km/h. Die Rotatorenmanschette – vier Muskeln und ihre Sehnen, die das Schultergelenk stabilisieren – absorbiert bei jedem Schwung den gesamten Aufprall.

Typische Schulterprobleme bei ambitionierten Tennisspielern:

  • Impingement-Syndrom: Einklemmen von Sehnen oder Schleimbeutel im Schultergelenk. Schmerzen beim Heben des Arms über die Schulter, besonders beim Aufschlag.
  • SLAP-Läsion: Riss der Schultergelenklippe (Labrum) durch repetitive Überkopfbewegungen, häufig bei mehrmals wöchentlichem Training.
  • Epicondylitis (Tennisellbogen): Überlastungsreaktion der Unterarmextensoren, die sich bis in die Schulter ausstrahlen kann.

Sportärzte empfehlen als Prävention gezieltes Krafttraining der Rotatorenmanschette – mit leichten Gewichten und hohen Wiederholungszahlen – sowie regelmäßiges exzentrisches Dehnen nach dem Training.

Die fünf Warnsignale, die Sie ernst nehmen sollten

Nicht jeder Schmerz nach einer Tennisstunde erfordert sofortige ärztliche Hilfe. Diese Signale sollten Sie jedoch nicht ignorieren:

  1. Schmerzen, die mehr als 48 Stunden nach der Aktivität anhalten
  2. Schwellung, Rötung oder Wärmegefühl im betroffenen Gelenk
  3. Knacken, Einschießen oder ein Einklemmgefühl beim Bewegen
  4. Kraftverlust im Arm oder Instabilitätsgefühl im Knie
  5. Schmerzen, die sich bei erneuter Belastung systematisch verschlimmern

Ein Sportmediziner oder Orthopäde kann mit bildgebenden Verfahren klären, ob eine Sehnen-, Band- oder Knorpelstruktur betroffen ist. Wer früh handelt, vermeidet in den meisten Fällen operative Eingriffe und lange Regenerationspausen.

Wer schnell einen geeigneten Sportarzt oder Orthopäden in seiner Nähe sucht, kann über Expert Zoom erfahrene Fachärzte in Österreich finden und unkompliziert einen Termin vereinbaren.

Was Hobbyspieler aus Potapowas Geschichte mitnehmen können

Potapowa hat nach dem Sturz-Match erklärt: „In diesem Moment sind es nur Reflexe." Das ist genau das Problem: Im Spiel nehmen Athletinnen und Athleten Schmerzen oft erst wahr, wenn das Adrenalin nachlässt – also zu spät.

Wer regelmäßig Tennis spielt, sollte diese Praxistipps beherzigen:

Aufwärmen nicht überspringen. Zehn Minuten dynamisches Aufwärmen mit Knieheben, Ausfallschritten und Armkreisen reduzieren das Verletzungsrisiko deutlich. Statisches Dehnen vor dem Spiel ist hingegen wenig sinnvoll.

Richtiges Schuhwerk wählen. Ein Tennisschuh mit Seitenführung und verstärkter Außensohle reduziert die Kniebelastung bei Richtungswechseln um bis zu 30 Prozent im Vergleich zu gewöhnlichen Laufschuhen.

Muskelbalance aufbauen. Oberschenkelrückseite, Gesäßmuskulatur und Hüftabduktoren entlasten das Kniegelenk erheblich. Zwei- bis dreimal wöchentliches Krafttraining außerhalb des Platzes lohnt sich.

Regeneration ernst nehmen. Eisanwendung (15 bis 20 Minuten) nach intensivem Spiel, ausreichend Schlaf und gezielte Dehnroutinen sind kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung für eine verletzungsarme Tennispraxis.

Der Faktor Psychologie: Wenn Schmerz ignoriert wird

Ein oft übersehener Aspekt ist die psychologische Seite von Sportverletzungen. Profis wie Potapowa sind trainiert, Schmerzsignale zu unterdrücken – das ist im Wettkampf manchmal nötig, kann aber langfristig zur Chronifizierung von Beschwerden führen. Studien aus der Sportmedizin zeigen, dass Athletinnen und Athleten, die regelmäßig unter Schmerzen spielen, ein dreifach erhöhtes Risiko für strukturelle Gelenksschäden haben.

Für Hobbyspieler gilt das Gegenteil: Der Körper gibt Signale aus gutem Grund. Ein Stechen im Knie beim dritten Satz oder ein Ziehen in der Schulter nach dem Aufschlagtraining sind keine Schwäche – sie sind Informationen. Wer diese Informationen ignoriert, riskiert aus einer vermeidbaren Überlastung eine langwierige Verletzung zu machen, die Monate Pause bedeutet.

Österreichischer Tennisboom – und seine Kehrseite

Potapowas Erfolg in Madrid wird den Zulauf zu Tennisvereinen in Österreich weiter anfachen – ähnlich wie nach den Hochzeiten des österreichischen Tennissports in den 1990er Jahren. Das ist eine gute Nachricht für den Breitensport. Die weniger gute: Mehr Spielerinnen und Spieler bedeutet auch mehr Überlastungsbeschwerden bei Personen, die ohne systematisches Training auf den Platz gehen.

Wer sich in Österreich nicht sicher ist, ob ein Arztbesuch nötig ist, findet auf Expert Zoom auch erfahrene Sportmediziner, die gezielt bei Tennisverletzungen helfen können.

Ob Potapowa am Mittwoch im Viertelfinale gegen Karolína Plíšková erneut für eine Überraschung sorgt, bleibt abzuwarten. Eines ist sicher: Den eigenen Körper gut zu kennen und bei ersten Warnsignalen rechtzeitig zu handeln – das ist eine Fähigkeit, die jeder Tennisspieler trainieren sollte.


Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder medizinische Behandlung. Bei körperlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder eine Ärztin.

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