Ein querstehender Lastwagen hat am Dienstag, dem 21. Juli 2026, die A2 Südautobahn zwischen Schäffern und Pinggau blockiert und einen sieben Kilometer langen Stau in Richtung Graz sowie sechs Kilometer Richtung Wien ausgelöst. Der Verkehr wurde bei Edlitz umgeleitet, wie die steiermark.ORF.at berichtete. Für viele Autofahrer bedeutete das eine Stunde und länger im stehenden Auto – bei sommerlichen Temperaturen ein unterschätztes Risiko, vor allem für den Hund auf der Rückbank.
Was am 21. Juli auf der A2 geschah
Der Unfall ereignete sich am Vormittag, mitten im zweiten Ferienreisewochenende. Laut ÖAMTC ist auf der A2 im Bereich der Tunnelbaustelle auf der Pack ohnehin mit Blockabfertigung und größeren Verzögerungen zu rechnen. Kommt ein Unfall wie jener bei Schäffern hinzu, steht der Verkehr schnell komplett. Wer mit Haustier unterwegs ist, sitzt dann in einer Falle, die sich innerhalb weniger Minuten zuspitzt.
Denn ein stehendes Auto ist kein sicherer Ort. Anders als beim Fahren fällt bei Stillstand der kühlende Fahrtwind weg, und selbst eine laufende Klimaanlage kann bei Motorstopp im Stau ausfallen. Genau diese Kombination – Hitze, Stillstand, kein Luftzug – macht den Sommerstau für Tiere gefährlich.
Warum sich ein Auto so schnell aufheizt
Die Zahlen sind eindeutig. Nach Angaben des österreichischen Sozialministeriums heizt sich ein geschlossenes Fahrzeug bereits bei nur 20 Grad Außentemperatur innerhalb einer Stunde auf rund 46 Grad auf. An einem heißen Julitag mit über 30 Grad geht das noch deutlich schneller – lebensgefährliche Werte werden dann oft schon nach 15 bis 30 Minuten erreicht.
Für Hunde ist das besonders kritisch, weil sie nicht schwitzen wie Menschen. Sie regulieren ihre Körpertemperatur fast ausschließlich über das Hecheln. Ab etwa 28 Grad Umgebungstemperatur stößt dieser Mechanismus an seine Grenzen. Steigt die Kerntemperatur des Tieres über rund 40 Grad, drohen bleibende Organschäden; jenseits von 45 Grad besteht akute Lebensgefahr durch einen Hitzschlag.
Besonders gefährdet sind kurznasige Rassen wie Möpse, Französische Bulldoggen oder Boxer. Ihre verkürzten Atemwege machen das Hecheln ineffizient – sie überhitzen schneller als andere Hunde. Auch ältere, übergewichtige oder herzkranke Tiere geraten früher in Not.
Die Warnzeichen eines Hitzschlags erkennen
Ein Hitzschlag kündigt sich an, bevor er lebensbedrohlich wird. Steht Ihr Auto im Stau, behalten Sie Ihr Tier genau im Blick. Alarmsignale sind:
- Starkes, schnelles Hecheln mit hervorgestreckter Zunge, das nicht nachlässt
- Dickflüssiger Speichel und trockenes, ziegelrotes Zahnfleisch
- Unruhe, Taumeln oder plötzliche Teilnahmslosigkeit
- Erbrechen oder Durchfall
- Glasiger Blick, Muskelzittern, im Extremfall Krämpfe oder Bewusstlosigkeit
Treten diese Zeichen auf, zählt jede Minute. Ein Hitzschlag ist ein tiermedizinischer Notfall – kein Zustand, der sich von selbst wieder legt.
Was Sie im Stau sofort tun sollten
Wenn Sie im A2-Stau festsitzen und Ihr Hund erste Anzeichen zeigt, handeln Sie ruhig, aber konsequent:
- Schaffen Sie Schatten und Luft. Öffnen Sie Fenster gegenüberliegend für Durchzug, kurbeln Sie nicht nur einen Spalt auf. Halten Sie, wenn möglich, die Klimaanlage in Gang.
- Kühlen Sie langsam, nicht eiskalt. Befeuchten Sie Pfoten, Bauch und Innenschenkel mit lauwarmem bis kühlem Wasser. Eiswasser verengt die Gefäße und kann einen Kreislaufschock auslösen.
- Bieten Sie Wasser an, drängen Sie es aber nicht auf. Ein Tier im Schockzustand darf nicht zum Trinken gezwungen werden.
- Nutzen Sie die Rettungsgasse als Notweg zu Fuß, wenn der Zustand kritisch ist – aber nur, wenn Sie sich und andere dabei nicht gefährden.
Und der wichtigste Punkt: Lassen Sie Ihren Hund niemals allein im geparkten Auto zurück, auch nicht „nur kurz“ auf dem Rastplatz. Was für Sie eine Fünf-Minuten-Pause ist, kann für das Tier tödlich enden.
Warum der Gang zum Tierarzt zählt
Ein überstandener Hitzschlag ist trügerisch. Selbst wenn sich Ihr Hund nach dem Abkühlen scheinbar erholt, können sich Stunden später innere Schäden zeigen – an Nieren, Leber oder der Blutgerinnung. Fachleute raten deshalb, jedes Tier nach einem Hitzeereignis tierärztlich untersuchen zu lassen, auch bei zunächst unauffälligem Verhalten.
Ein Tierarzt oder eine Tierärztin kann über Blutwerte beurteilen, ob Organe in Mitleidenschaft gezogen wurden, und rechtzeitig mit Infusionen gegensteuern. Diese fachliche Einschätzung ersetzt kein Ratgeber und keine Erste-Hilfe-Maßnahme im Stau. Wer unsicher ist, welche Praxis oder welcher tierärztliche Notdienst entlang der Reiseroute erreichbar ist, sollte das vor Fahrtantritt klären – über eine passende Fachberatung lässt sich der nächstgelegene Ansprechpartner schnell finden.
Über die reine Gesundheit hinaus hat das Thema auch eine rechtliche Seite: Stirbt ein Hund im heißen Auto, drohen dem Halter nach dem Tierschutzgesetz empfindliche Strafen. Der beste Schutz bleibt jedoch die Vorsorge.
So vermeiden Sie die Hitzefalle von vornherein
Planen Sie Fahrten mit Tier in der heißen Jahreszeit in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden. Weitere Tipps für Haustiere bei Sommerhitze helfen, das Tier auch abseits des Autos vor Überhitzung zu schützen. Prüfen Sie vor der Abfahrt über den ÖAMTC-Verkehrsservice, ob auf Ihrer Strecke – etwa der A2 – Baustellen oder Blockabfertigungen gemeldet sind, und wählen Sie im Zweifel eine Ausweichroute. Nehmen Sie ausreichend Wasser, eine Kühlmatte und einen Sonnenschutz fürs Seitenfenster mit.
Kurznasige Rassen sollten bei extremer Hitze nach Möglichkeit gar nicht im Auto transportiert werden, wenn es nicht unbedingt sein muss – so die klare Empfehlung des Sozialministeriums. Detaillierte offizielle Hitzetipps für Tierhalterinnen und Tierhalter finden Sie auf der Website des Sozialministeriums.
Der Stau bei Schäffern hat sich am Nachmittag wieder aufgelöst. Für Hundehalter bleibt die Lehre: Ein Sommerstau auf der A2 ist nicht nur ein Ärgernis, sondern kann für das Tier auf der Rückbank rasch lebensbedrohlich werden. Wer die Warnzeichen kennt und im Ernstfall zügig eine Tierärztin oder einen Tierarzt aufsucht, gibt seinem Hund die besten Chancen.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Bei Verdacht auf einen Hitzschlag suchen Sie umgehend fachlichen Rat.

Anna Müller