Am 15. September 2026 wurden in Wien die Helden der österreichischen Straßen geehrt. Beim 24. Ö3-Verkehrsaward — ausgerichtet von Hitradio Ö3 gemeinsam mit dem Bundesministerium für Inneres und dem Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur — erhielten ÖAMTC, ASFINAG und das heimische Technologieunternehmen EYYES die Auszeichnung in der Kategorie Innovation. Ihr Siegerprojekt: CollisionEye, ein KI-gestütztes Kamerasystem, das Pannendienst-Mitarbeiter auf der Autobahn vor herannahenden Fahrzeugen warnt. Was steckt hinter dieser Technologie — und warum sollten österreichische Kfz-Betriebe jetzt genau hinschauen?
Was beim 24. Ö3-Verkehrsaward 2026 ausgezeichnet wurde
Seit mehr als zwei Jahrzehnten würdigt der Ö3-Verkehrsaward Menschen und Projekte, die Österreichs Straßen sicherer machen. Die Preisverleihung am 15. September 2026 im ORF-Zentrum am Wiener Küniglberg brachte drei außergewöhnliche Geschichten ans Licht — eine davon technologisch, zwei davon zutiefst menschlich.
In der Kategorie Innovation gewann das Konsortium aus ÖAMTC, ASFINAG und dem österreichischen Technologieunternehmen EYYES für das KI-Sicherheitssystem CollisionEye. Die Kategorie Ö3ver des Jahres würdigte Christian Engel aus Lessach für seinen couragierten Einsatz im Straßenverkehr. Besonders bewegend war die Kategorie Einsatzhelfer des Jahres (Polizei): Die Beamten Alexander Mayr und Markus Edlbauer von der Inspektion Eferding retteten in der Nacht des 24. Februar 2026 einer Frau das Leben.
Was war passiert? Auf der B134 bei Fraham in Oberösterreich war ein Fahrzeug von der Fahrbahn abgekommen, hatte sich überschlagen und lag auf dem Dach in einem Bach. Die Fahrerin war bewusst, aber durch einen eingeklemmten Sicherheitsgurt in ihrem Fahrzeug gefangen und konnte sich nicht selbst befreien. Die beiden Polizisten befreiten sie und brachten sie ans sichere Ufer. Innenminister Gerhard Karner betonte bei der Zeremonie: „Ihr Mut, ihre Entschlossenheit und ihr professionelles Handeln haben einer Frau das Leben gerettet." Auch der Bezirksfeuerwehrkommando Villach-Land und die Straßenmeisterei Zams wurden in weiteren Kategorien ausgezeichnet.
Der Award steht für mehr als eine Ehrung. Er ist ein jährliches Signal: Sicherheit auf der Straße entsteht durch Menschen — und durch Technologie. Und das Projekt, das 2026 in der Kategorie Innovation siegte, bringt einen Wandel mit sich, der weit über die großen Pannendienste hinausgeht.
CollisionEye: Das KI-Auge auf dem Pannenstreifen
Das Kernstück des Innovation-Awards ist eine KI-gestützte Kameralösung, die Pannendienst-Mitarbeiter in einer der gefährlichsten Arbeitssituationen schützt: wenn sie neben einem havarierten Fahrzeug auf dem Pannenstreifen der Autobahn tätig sind.
CollisionEye, entwickelt vom österreichischen Unternehmen EYYES, wird auf dem Dach oder an der Heckseite von ÖAMTC-Pannendienst-Fahrzeugen und ASFINAG-Dienstfahrzeugen montiert. Die Kamera überwacht den nachfolgenden Verkehr permanent in Echtzeit. Sobald die KI-Auswertung erkennt, dass sich ein Fahrzeug mit zu hoher Geschwindigkeit oder in zu geringem Seitenabstand dem Pannenstreifen nähert, löst das System einen akustischen und vibrationsbased Alarm aus — direkt am Gerät des Technikers, der gerade neben dem havarierten Fahrzeug hantiert.
Das Ziel dieser Warnung ist simpel und lebensrettend: ein paar entscheidende Sekunden, in denen der Mitarbeiter die Möglichkeit hat, sich hinter das Einsatzfahrzeug oder in einen gesicherten Bereich zu bringen. Seit September 2025 befindet sich CollisionEye im Realbetrieb — also seit einem Jahr im österreichischen Pannendienst-Alltag.
ÖAMTC-Generaldirektor Ernst Kloboucnik hob bei der Preisverleihung hervor, dass die Auszeichnung zeige, wie bedeutend es sei, Sicherheitsarbeit öffentlich sichtbar zu machen: „Unsere Mitarbeiter riskieren täglich ihr Leben, um anderen zu helfen." Ergänzt wird das technische Projekt durch die Sensibilisierungskampagne „Danke, dass du auf meine Mama/meinen Papa aufpasst" — ein emotionaler Appell an alle Lenkerinnen und Lenker, beim Vorbeifahren an Pannendiensten und Straßenarbeitern konsequent zu bremsen und Abstand zu halten. Denn die Technologie kann nur warnen — das Risiko abzuwenden liegt nach wie vor auch in den Händen der vorbeifahrenden Autofahrer.
Was Kfz-Betriebe über Panneneinsätze auf der Autobahn wissen müssen
CollisionEye ist vorerst für professionelle Großpannendienste und staatliche Straßenmeistereien konzipiert. Doch die Frage, die das Projekt aufwirft, betrifft unmittelbar auch privatwirtschaftliche Kfz-Werkstätten: Wie sicher sind Ihre Techniker, wenn sie zu einer Panne auf der Autobahn gerufen werden?
Viele kleine und mittelgroße Kfz-Betriebe bieten Pannenhilfe an — und rücken auch auf Hochleistungsstraßen aus. Die gesetzlichen Anforderungen an die Arbeitssicherheit sind laut der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) dabei identisch, unabhängig davon, ob ein Betrieb zwei oder zweihundert Mitarbeiter beschäftigt.
Konkret müssen Kfz-Betriebe für Außeneinsätze auf Hochleistungsstraßen folgendes sicherstellen:
Gefährdungsbeurteilung: Für jede Art von Außentätigkeit — also auch Panneneinsätze auf Autobahnen — muss eine schriftliche Gefährdungsbeurteilung vorliegen. Das ist keine bürokratische Formalität, sondern die haftungsrechtliche Grundvoraussetzung bei einem Arbeitsunfall.
Persönliche Schutzausrüstung: Warnweste der Klasse 3 (EN ISO 20471), geeignetes Schuhwerk und bei Dunkelheit zusätzliche Leuchtmittel sind Pflicht — nicht Empfehlung.
Sicherheitsunterweisung: Mitarbeiter müssen nachweislich über Gefahren und Verhaltensregeln auf dem Pannenstreifen unterwiesen worden sein. Mündliche Hinweise reichen rechtlich nicht aus — es braucht eine schriftliche Dokumentation mit Unterschrift.
Versicherungsschutz prüfen: Deckt Ihre Betriebshaftpflichtversicherung Panneneinsätze auf Autobahnen explizit ab? Viele Policen enthalten geografische oder tätigkeitsbezogene Einschränkungen, die im Schadensfall zu erheblichen Problemen führen können.
Für regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen des Fuhrparks — insbesondere wenn Ihre Fahrzeuge bei Panneneinsätzen eingesetzt werden — lohnt ein Blick auf technische Mindeststandards: Wie ein lückenloser Sicherheitscheck bei Bremsen und Reifen Unfälle verhindert, zeigt sich gerade bei Fahrzeugen, die im Pannendienst-Alltag besonders beansprucht werden.
Wenn der Werkstatt-Techniker auf die A1 muss: Was das rechtlich bedeutet
Stellen Sie sich vor: Ein Kfz-Meister aus dem Großraum Linz erhält um 22:30 Uhr einen Anruf. Ein Stammkunde steht mit Reifenplatzer auf dem Pannenstreifen der A1 zwischen Oed und Ansfelden. Der Techniker fährt alleine los, stellt das Servicefahrzeug ab, schaltet die Warnblinkanlage ein und beginnt mit dem Radwechsel. Kein KI-Warnsystem, keine zweite Person — nur er, sein Werkzeug und die heranrasenden Fahrzeuge in zwei bis drei Metern Entfernung.
Laut ÖAMTC-Statistik rückt der österreichische Pannendienst jährlich zu rund 1,4 Millionen Einsätzen aus — ein erheblicher Anteil davon auf Hochleistungsstraßen, zu Abend- und Nachtstunden, wenn vorbeifahrende Lenker besonders erschöpft sind. CollisionEye existiert genau wegen dieses Risikos: Es gibt Arbeitern jene Sekunden zurück, die zwischen einem Beinahe-Unfall und einer lebensverändernden Verletzung liegen.
Wenn der Techniker in diesem Szenario von einem zu nah fahrenden Fahrzeug erfasst oder gestreift wird und einen Arbeitsunfall erleidet, dann greifen mehrere rechtliche Konsequenzen gleichzeitig:
Erstens: AUVA-Rückforderung. Die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt übernimmt Behandlungskosten und Rehabilitation. Hat der Betrieb jedoch keine ordnungsgemäße Gefährdungsbeurteilung vorweisen können, kann die AUVA nach § 334 ASVG bis zu 30 Prozent der erbrachten Leistungen vom Arbeitgeber zurückfordern — bei einem schweren Unfall mit längerem Spitalsaufenthalt und Reha kann das rasch 15.000 Euro oder mehr bedeuten.
Zweitens: Verwaltungsstrafe nach ASchG. Fehlt die schriftliche Sicherheitsunterweisung oder ist sie unvollständig dokumentiert, droht dem Betriebsinhaber eine Verwaltungsstrafe ab 166 Euro pro Verstoß — im Wiederholungsfall bis zu 8.324 Euro.
Drittens: Zivilrechtliche Haftung. Hat der Betrieb nachweislich keine zumutbaren Schutzmaßnahmen ergriffen, kann der verletzte Techniker nach § 1295 ABGB Schadenersatz geltend machen — zusätzlich zu den AUVA-Leistungen, nicht stattdessen.
Das Ergebnis: Ein einziger schlecht dokumentierter Panneneinsatz auf der Autobahn kann einen kleinen Kfz-Betrieb schnell in fünfstellige Beträge kosten. Auf anspruchsvollen Strecken wie der Pyhrn Autobahn kommen zusätzlich erhöhte Anforderungen an Fahrzeugtechnik und Bremssysteme hinzu, die einen Einsatz noch risikoreicher machen.
Was Sie als Kfz-Betrieb oder Autofahrer jetzt tun können
Der 24. Ö3-Verkehrsaward 2026 ist mehr als eine Ehrung — er ist ein öffentliches Signal, dass Sicherheit auf Österreichs Straßen eine Gemeinschaftsaufgabe bleibt. Technologien wie CollisionEye setzen neue Maßstäbe für professionelle Pannendienste. Für Kfz-Betriebe, die ebenfalls auf Hochleistungsstraßen tätig sind, bedeutet das: Es wird Zeit, den eigenen Sicherheitsstandard zu überprüfen.
Für Autofahrerinnen und Autofahrer gilt: Reduzieren Sie konsequent die Geschwindigkeit, sobald Sie Einsatzkräfte oder Pannendienste am Straßenrand sehen. Wechseln Sie wenn möglich die Spur. Die Verpflichtung zur erhöhten Sorgfalt beim Vorbeifahren an Pannendiensten gilt in Österreich — halten Sie sich daran, und zwar nicht nur, wenn die Polizei zuschaut.
Für Kfz-Betriebe und Werkstattinhaber empfiehlt sich jetzt eine strukturierte Prüfung:
- Sind alle Panneneinsätze auf Hochleistungsstraßen in der schriftlichen Gefährdungsbeurteilung erfasst?
- Sind Mitarbeiter dokumentiert über Sicherheitsvorschriften auf dem Autobahn-Pannenstreifen unterwiesen worden?
- Ist der Versicherungsschutz für Außeneinsätze auf Autobahnen explizit abgedeckt?
- Entspricht die Schutzausrüstung (Warnweste, Leuchtmittel) den aktuellen Normen?
Diese Fragen sind komplex genug, dass ein Kfz-Fachmann die richtigen Antworten für Ihren konkreten Betrieb geben kann. Auf ExpertZoom finden Sie österreichische Kfz-Experten, die Pannendienst-Protokolle, ASchG-Anforderungen und Versicherungspflichten aus der täglichen Praxis kennen.
Hinweis: Dieser Artikel informiert über rechtliche und technische Rahmenbedingungen und ersetzt keine individuelle Beratung. Bei konkreten Fragen zu AUVA-Meldepflichten, ASchG-Konformität oder Versicherungsschutz wenden Sie sich an einen qualifizierten Kfz- oder Rechtsexperten.

Michael Müller